AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest Toyota Corolla 1.6 Sol AUTOMOBIL TESTS-Härtetest Toyota Corolla 1.6 Sol

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

— 06.02.2006

Reif von der Insel

Für die Rückfahrt von Schottland stiegen die Tester vom Mini Cooper in den Toyota Corolla um. Wie schlug sich der in England gebaute und als zuverlässig geltende Japaner auf den 5710 Kilometern?

Viel Raum im kompakten Japaner

Der Umstieg hätte nicht schwerer fallen können. Am nördlichsten Zipfel Schottlands, nach endlos erscheinenden und süchtig machenden, mit Serpentinen, Spitzkehren und Hügeln versüßten Landstraßen müssen wir uns von der Fahrmaschine Mini Cooper verabschieden. Auf der Hälfte der Gesamtstrecke von 5710 Kilometern steigen wir um in den Toyota Corolla 1.6 Sol.

Das tut weh, zumindest emotional. Doch der Japaner zeigt sofort seine Vorzüge: großer Innenraum und Kofferraum mit weit öffnender Heckklappe. Beim Fünftürer (650 Euro Aufpreis) fällt dazu noch der Einstieg auf die hintere Reihe leichter. Zur Not dient die Bank auch als Ablage. Das Gepäck aus dem Mini ist ruck, zuck verstaut.

Eine Hand an der Lehnenverstellung, suchen wir die richtige Sitzposition und den Weg entlang der Ostküste in den Süden, Richtung London. Die Wahl für die Härtetest-Route fiel nicht zufällig auf Großbritannien: Denn obwohl der Corolla ein Japaner sein will, ist er ein waschechter Brite – gebaut wird der Kompakte im modernen Toyota-Werk in Derby, ganz in der Nähe von Nottingham. Klar, daß wir auch die Geburtsstätte besuchen müssen. Doch zuerst geht es über die engen und hügeligen Landstraßen Schottlands.

Tadelloser Federungskomfort

Auf der gleichen Strecke, auf der wir mit dem Mini die Fahrt genossen haben, kommt im Corolla Langeweile auf. Ruhig und gelassen cruisen wir durch Highlands, saftig grüne Wiesen rauschen an uns vorbei, und die serienmäßige Klimaanlage hält eine angenehme Bürotemperatur. Die Federung schluckt gierig Schlaglöcher und Unebenheiten und schwingt nur kurz auf – der Federungskomfort ist tadellos. Es ist kein Sportfahrwerk, und soll es auch nicht sein, sondern bietet Komfort und Agilität zugleich. Für unsere Verhältnisse fällt es allerdings etwas zu weich aus. Schon in der ersten scharfen Kurve schiebt der Japaner schnell über die Vorderräder – von sportlicher Straßenlage kann keine Rede sein. Die VSC genannte elektronische Stabilitätskontrolle hätte durchaus früher eingreifen können.

Noch immer ist die optimale Sitzposition nicht gefunden, und so thronen wir ungewohnt hoch im Corolla. Das ist sehr gut für die Rundumsicht – besonders in der verkehrsreichen Stadt Edinburgh –, doch schlecht für ein sportlichdynamisches Fahrgefühl. Schade, daß sich das selbst mit dem serienmäßig höhen- und weitenverstellbaren Lenkrad nicht ausgleichen läßt.

Ungewohnt leichtgängig arbeitet die gefühllose Servolenkung. Das Dreispeichenlenkrad (Leder ab Ausstattung Sol) liegt zwar griffig in der Hand, gibt aber wenig Rückmeldung von den Vorderrädern. Nur beim Einparken des 4,18 Meter langen Kompakten schätzen wir die gute Lenkunterstützung. Und eine akustische Einparkhilfe (276 Euro) ist wegen der Übersichtlichkeit nicht zwingend nötig.

Tolle Verarbeitung und Ausstattung

Nach ein paar Stunden finden wir uns endlich auf den weichen Sitzen zurecht (Lederausstattung ab Ausstattung Executive). Der Seitenhalt könnte zwar besser ausfallen, aber dafür ist die Beinauflage lang genug, die Polster sind angenehm weich. Bei der Ergonomie zeigt sich der Corolla von seiner besten Seite: Schalter und Knöpfe befinden sich bequem in Reichweite des Fahrers, und der Schalthebel in der Mittelkonsole liegt sehr gut in der Hand. Kleiner Wermutstropfen: Das Multivisions-DVD-Navigationssystem für 2300 Euro kann zwar zur Vermeidung von Reflexionen verstellt werden; nach ein paar Tagen in Gebrauch ist der Touch-Screen-Monitor allerdings so stark von Fingerabdrücken verschmiert, daß selbst eine Winkelverstellung nicht mehr hilft.

Bei der Verarbeitungsqualität zeigt sich Toyota von der besten Seite. Nichts klappert und knarzt, große Spaltmaße sind nicht erkennbar. Während der Fahrt von Newcastle nach York gewöhnen wir uns an das etwas lieblos gezeichnete Armaturenbrett und den glänzenden Kunststoff im Innenraum ebenso schnell wie an die hell weiß leuchtenden Ziffern. Erfreulich ist die üppige Basisausstattung. Unter anderem mit an Bord bei jedem Corolla: sechs Airbags, Stabilitäts- und Traktionskontrolle, Radio mit CD-Laufwerk, elektrische Fensterheber vorn und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Allerdings gibt es die Basis nur mit dem 1.4 VVT-i (97 PS) oder als 1.4 D-4D (90 PS). Die nächsthöhere Ausstattung Luna (ab 1450 Euro Aufpreis) hat Klimaanlage und elektrisch einstellund beheizbare Außenspiegel zusätzlich.

Bei den leistungsstärkeren Motoren (wie unserem 1.6-VVT-i mit 110 PS) kommt der Käufer an Ausstattung Sol nicht vorbei. Ab 17.650 Euro (1.4) gehören dann aber zusätzlich Regensensor, CD-Radio mit sechs Lautsprechern, ein automatisch abblendbarer Innenspiegel, Klimaautomatik und ledernes Multifunktionslenkrad dazu. Der Corolla ist dann fast komplett. Nett wäre noch eine Metallic-Lackierung (420 Euro). Auf die Lederausstattung mit Sitzheizung und den Tempomaten der Executive-Ausstattung (ab 20.350 Euro) kann man verzichten.

Bei Vollgas zeigt er Begeisterung

Eine gute Wahl zwischen den fünf Motoren (von 90 bis 192 PS) ist der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 110 PS. Für einen Kompakten ein angemessener Antrieb, auch wenn die Motorcharakteristik "very british" ist: Dezent, vornehm und zurückhaltend wie ein Gentleman, arbeitet der Vierzylinder im unteren Drehzahlbereich recht bedächtig und unauffällig.

Um den Corolla aus seiner Lethargie zu scheuchen, muß eifrig im knackigen Fünfgang-Getriebe gerührt werden. Untertouriges Dahingleiten quittiert der Japaner nämlich mit ruckeliger Gasannahme. Das maximale Drehmoment von 150 Newtonmetern erreicht der 1,6-Liter-Motor erst bei 4800 Umdrehungen. Dann verwandelt sich das Triebwerk in einen lebhaften Manchester-United-Fußballfan nach dem fünften Pint Ale, zeigt Begeisterung wie beim Heimspiel seiner Mannschaft und kann gierig schnell einen Lkw überholen. Nervig dabei sind dann lediglich die starken Vibrationen des Antriebs und die hohen Windgeräusche ab 140 km/h auf der Autobahn. Dafür rennt der Verkaufsliebling noch mühelos 50 km/h schneller.

Die Sprinteigenschaften können sich auch im Vergleich zum VW Golf mit 115 PS sehen lassen: Lediglich 10,2 Sekunden benötigt der Japaner von null auf 100 km/h – der geringfügig stärkere Golf 1.6 ist 0,6 Sekunden langsamer. Gut für den schnellen Ampelstart – doch der Fuß muß sofort wieder vom Gas: Nottinghams Sheriff hat überall Blitzgeräte aufgestellt. Mehr als akzeptabel: der Spritkonsum auf der gesamten Tour. Im Schnitt flossen 8,06 Liter Super je 100 Kilometer durch die Leitung – minimal 7,02 Liter und maximal 10,47 Liter bei Vollgas. Vorbildlich: Ölverbrauch war nicht meßbar.

Besuch im Werk in Derby

Im Toyota-Werk in Derby fällt unser schmutziger Härtetest-Corolla auf. Wir dürfen mit ihm aber ans blitzblanke Band fahren und ein Foto schießen. Beeindruckt von der Organisation und Sauberkeit, geht es wieder zur Küste und nach London – mitten in den abendlichen Stop-and-go-Verkehr.

Müde werdende Waden und Augen machen die letzten 100 Kilometer zum Hotel zur Tortur. Da helfen auch nicht mehr die praktischen Armlehnen links und rechts und die nun richtig eingesessenen Sitze. London bei Nacht muß heute ohne uns auskommen. Dafür gibt es, völlig unbritisch, frischen Salat und Nudeln bei Freunden. Am nächsten Morgen verführt uns die Köchin unseres Hotels mit Eiern, Speck und Würstchen, und wir sind wieder fit.

Die letzten Meter auf der linken Straßenseite fahren sich angenehm, die Tickets des Eurotunnels sind schnell gelöst, und wir zwängen uns in den Zug. Mit geöffneten Scheiben geht es in einer halben Stunde unter dem Kanal hindurch. Wir erreichen Frankreich und fahren über Brüssel und Köln nach Nürnberg. Der Japaner läuft immer noch problemlos, das wundert wenig. Aber daß wir am Ende der Reise in Schwabach gar nicht mehr wirklich aussteigen wollen – das wundert uns viel mehr.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Fabian Hoberg: Nach 5170 Kilometern hat der Toyota Corolla auch seine Langstreckentauglichkeit bewiesen. An die anfangs monierte gefühllose Lenkung kann man sich gewöhnen, an die unharmonische Kraftentfaltung des 1.6 und die hohe Sitzposition jedoch nicht. Tadellos: Verarbeitung und Qualität.

Das sagen Corolla-Fahrer

Vor allem die Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit erfreut die meisten Toyota-Besitzer. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Das Urteil: "sehr gut bis gut".

Jörn Schnarre, Corolla 1.4 D-4D Sol: Seit September 2004 haben wir mit einem Toyota Corolla 18.100 Kilometer zurückgelegt, dabei schluckte er im Schnitt 5,6 Liter. Positiv ist aufgefallen: geringer Verbrauch, sanft schaltendes Automatikgetriebe, leiser Motorlauf, hohe Sitzposition, hohe Garantieleistung, gute Bedienbarkeit. Negativ: schlecht gedämmte Radkästen (bei Regen laute Spritzgeräusche), kurze Inspektionsintervalle, hereintropfendes Wasser beim Öffnen der Tür und weiche Federung. Insgesamt bin ich aber zufrieden.

Jürgen Strauß, Corolla Combi 1.4 D-4D Sol: Mit meinem Corolla Baujahr 2002, 155.000 km, bin ich recht unzufrieden. Fünfmal erschien im Display eine Meldung über "Probleme mit der Servolenkung, sofort Werkstatt aufsuchen". Zweimal war ich beim Händler, einen Fehler hat er nicht gefunden. Reparatur und Wartung sind unangemessen teuer. Bei Kilometer 90.000 waren die Stoßdämpfer defekt, bei Kilometer 105.000 die Wasserpumpe. Inzwischen vibriert das Armaturenbrett leicht. Das Fahrwerk ist recht unkomfortabel, die Lenkung vermittelt kein Gefühl zur Straße, die Schaltung ist leicht hakelig, die Sitze nicht besonders komfortabel. Die Glühlampen des Abblendlichtes gehen häufig kaputt, der Aus- und Einbau ist umständlich.

Frank A. Schabert, Corolla 1.4 D-4D Automatik Sol: Seit Mai 2005 habe ich mit meinem Corolla Compact auf 9980 Kilometern folgende Erfahrungen gemacht: Die Durchzugskraft des Motors ohne Turboloch überrascht mich ebenso wie die gleichmäßige Kraftentfaltung. Angenehm ist dabei die niedrige Geräuschkulisse. Das Fahrwerk macht einen sicheren Eindruck, ist aber etwas hölzern, die Abrollgeräusche könnten leiser sein. Die Ausstattung läßt nur wenige Wünsche offen, die Verarbeitungsqualität ist hoch, die Sitze könnten allerdings besser konturiert sein. Mir gefällt nicht die feste Einbindung des Radios, zumal das eingebaute Radio insbesondere bei der Sendertrennung verbesserungswürdig ist. Das MMT-Automatikgetriebe fährt sich meistens sehr angenehm, besonders im Stadtverkehr. Bei kräftigem Beschleunigen sind die Schaltpausen aber störend. Der Dieselverbrauch liegt bei 5,3 Litern. Insgesamt macht der Corolla auf mich einen soliden und robusten Eindruck.

Lutz Wolf, Corolla Combi 2.0 D-4D: Im September 2004 kaufte ich mir einen Corolla Kombi mit dem 116-PS-Dieselmotor. In der Zwischenzeit bin ich über 42.000 km gefahren. Der wichtigste Grund für die Kaufentscheidung war die erhoffte Zuverlässigkeit. Bisher sind außer einer Rückrufaktion (wegen Austausch einer Leitung zum Bremskraftverstärker) keine technischen Mängel aufgetreten. Der Diesel fährt sich sicher, leise und sehr sparsam. Kleine Kritikpunkte: Rundum lackierte und kratzempfindliche Stoßstangen, Nachrüstlösungen wie Einparkhilfe und Standheizung vom Autohaus wirken wie billiges Zubehör aus dem Baumarkt, das Autoradio ab Werk ist auf dem Stand der Technik von vor fünf Jahren. Trotz allem bin ich zufrieden.

Holger Schröffel, Corolla 1.6 Combi Sol: Seit 2004 fahre ich einen Toyota Corolla 1.6 l Combi. Der Wagen ist absolut zuverlässig, und im Schnitt verbrauche ich 7,3 Liter Super, was bei Geschwindigkeiten bis über 190 km/h Spitze ist. Für unsere Familie bietet er einen ausreichenden Kofferraum, auch im Urlaub. Die Innenausstattung ist komfortabel, blind bedienbar und sieht auch toll aus. Der Corolla bietet für seinen Preis mehr Qualität als deutsche Premiummarken. Manko: Das im Toyota-Prospekt versprochene ESP war für für den Combi nicht lieferbar.

Frank Ohmann, Corolla Verso 2.0 D-4D: Wir haben uns voriges Jahr im September einen Corolla Verso 2.0 D-4D mit 116 PS angeschafft und bisher 30.000 Kilometer zurückgelegt. Der Verbrauch liegt bei 5,6 Liter. Bis 155 km/h ist der Verso herrlich leise, wird dann etwas brummig. Trotzdem kann ich nicht sagen, daß der Diesel-Motor so aufdringlich ist wie der des VW Touran. Ganz abgesehen von den Windgeräuschen. Die Verarbeitung ist top, es klappert bis heute nichts. Fahrwerk und Getriebe sind komfortabel abgestimmt und lassen für uns keine Wünsche offen. Die Sitze sind sehr bequem, die Sitzposition ist gut einstellbar. Das Navigationssystem ist das beste, das ich bisher genutzt habe. Die Lenkung fühlt sich zwar nicht schwammig, aber sehr leichtgängig an.

Autor: Fabian Hoberg

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