Automobilzulieferer zum Irak-Konflikt

Bomben töten auch die Konjunktur

Automobilzulieferer zum Irak-Konflikt

— 07.03.2003

Bomben töten auch die Konjunktur

Kriegslust gleich Käuferfrust. Deutsche Automobilzulieferer befürchten, durch einen Irak-Krieg noch tiefer in die Absatzkrise zu schlittern.

Irak-Krise trifft Zulieferer doppelt

Bomben auf Bagdad treffen nicht nur die Irakis, befürchten Führungskräfte der deutschen Automobilzulieferer. "Ein Irak-Krieg könnte direkte negative Folgen für uns haben", sagt Werner Hollenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Kaiserslauterner Sitzhersteller Keiper GmbH & Co KG.

Wenn der Krieg eintritt, prophezeit Hollenbach, halten sich die Kunden beim Autokauf noch mehr zurück. Weniger verkaufte Autos bedeuten weniger Autositze. "Wir rechnen für 2003 ohnehin schon mit geringem Wachstum. Ein Krieg macht alles nur noch schlimmer", beklagt der Geschäftsführer.

Dabei trifft ein Irak-Krieg die Autozulieferer gleich doppelt. "Der Ölpreis würde weiter steigen und damit auch unsere Materialkosten", sagt Ernst F. Hahn, Geschäftsführer Entwicklung und Vertrieb bei Recaro. Die Folge: Recaro verdient weniger an seinen Produkten. "Auf Dauer kann das keiner in der Branche überleben, schließlich liegen die Gewinnspannen bei den Zulieferern nur bei wenigen Prozentpunkten."

Ungute Erinnerungen an 1991

"Ob ein Krieg gravierende Auswirkungen hat, hängt ganz von seinem Verlauf und seiner Dauer ab", meint dagegen Dr. Jürgen M. Geißinger, Vorstandsvorsitzender vom Schweinfurter Getriebehersteller FAG Kugelfischer AG & Co. KG.

Damit liegt er auf einer Linie mit Ulrich Köster, Firmensprecher des Zubehörspezialisten Hella KG aus Lippstadt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Hella sogar mit einer leichten Umsatz- und Gewinnsteigerung. Beim Automobilzulieferkonzern ZF in Friedrichshafen gibt man sich angesichts der Kriegsgefahr gelassen. "Unterm Strich erwarten wir durch einen Krieg keine großen Auswirkungen auf unsere Absatzzahlen", sagt Dr. Rolf Latz, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung von ZF.

Die Nachfrage nach ZF-Antriebs- und Fahrwerktechnik würde im Kriegsfall kurzfristig abnehmen, aber mittelfristig wieder ansteigen. Die ZF-Gruppe gehört mit einem Umsatz von zuletzt neun Milliarden Euro und 55.000 Mitarbeitern an 117 Standorten in 22 Ländern zu den Global Playern unter den Automobilzulieferern.

Bei Bosch sieht man das anders: "Selbst ein kurzer Krieg könnte eine lange Rezession bedeuten", sagt Hermann Scholl, Vorsitzender der Geschäftsführung beim größten deutschen Autozulieferer. Bei der Bosch-Führung ist noch der letzte Irak-Krieg von 1991 in unguter Erinnerung: Damals sank die Autoproduktion im Kriegs-Quartal um zehn Prozent.

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