Selbstfahrender Tesla Model S: Tödlicher Unfall

So funktioniert das autonome Fahren

Autonomes Fahren: Crash eines Tesla Model X

Ernüchternde Details zum Tesla-Crash

Überhöhte Geschwindigkeit und ein unaufmerksamer Fahrer: Der offizielle Bericht zum tödlichen Tesla-Crash in Kalifornien liefert verstörende Details.

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Ein Auto ohne Außenspiegel ...
(reu/dpa/cj/cr/brü/lhp) Der vorläufige Unfallbericht des National Transportation Safety Board (NTSB, US-amerikanische Behörde zur Unfallermittlung) gibt verstörende Details zum jüngsten tödlichen Tesla-Crash in Kalifornien preis. Demnach hatte der Unglücksfahrer, der im März 2018 bei dem Crash auf einem Highway im Silicon Valley sein Leben verlor, die Hände in den letzten sechs Sekunden vor dem Aufprall nicht am Steuer. Damit wird eine Aussage von Tesla zum Unfallhergang bestätigt. Der Tempomat des Model X-Elektroautos war auf 75 Meilen pro Stunde (knapp 121 km/h) eingestellt, obwohl an der Unfallstelle nur 65 Meilen (knapp 104 km/h) erlaubt sind. Drei Sekunden vor dem Crash beschleunigte der Wagen statt zu bremsen oder auszuweichen und prallte schließlich auf die zwei Fahrbahnen trennende Barriere.   

Verwirrten Asphaltränder den Autopiloten?

Produktions- und Lieferschwierigkeiten beim Model 3 machen Tesla zu schaffen.

Trotz dieser Erkenntnisse wirft der tödliche Crash nach wie vor Fragen auf. Warum fuhr das Model X gegen den Betonpoller? Erkannte der Autopilot das tödliche Hindernis nicht? Hinweise gibt ein Video. Es deutet die Möglichkeit an, dass der Spurhalte-Assistent im Unfallauto eventuell nicht richtig funktionierte. Das Youtube-Video eines Pendlers könnte helfen, das Rätsel zu lösen. Die Fahraufnahmen zeigen, dass auf der vielspurigen Autobahn nahe Mountain View der Asphalt uneben und mehrfach ausgebessert ist. Deutlich sind Kanten und Rillen zu sehen, die der Tesla-Autopilot im Sonnenlicht für Fahrbahnbegrenzungen gehalten haben könnte. So die auf den ersten Blick einleuchtende Theorie. Der Film stammt aus einem Tesla Model 3 mit Autopilot 2.5 Hardware. Der Urheber fährt die Strecke nach eigenen Angaben seit zwei Jahren, in 99,9 Prozent aller Fälle habe sich sein Autopilot als zuverlässig erwiesen.

Tesla: "Mehrere Kollisionswarnungen"

Auch Tesla hatte bereits Details zum tödlichen Unglück veröffentlicht. So habe der Fahrer des Elektroautos vor dem Crash mehrere visuelle und eine akustische Kollisionswarnung erhalten, aber nicht reagiert. Bei dem Model X sei zum Unfallzeitpunkt der adaptive Tempomat eingeschaltet gewesen, bei dem der Wagen automatisch den Abstand zum vorderen Fahrzeug hält. Dabei sei die Funktion auf die Mindestentfernung eingestellt gewesen.

20.000 Vorbeifahrten unter Autopilot

Zugleich wies Tesla darauf hin, dass Fahrzeuge mit eingeschalteter Autopilot-Software die Unfallstelle allein seit Jahresbeginn rund 20.000 Mal ohne Zwischenfälle passiert hätten. Außerdem sei eine Metall-Barriere, die Fahrzeuge in solchen Situationen vor dem Poller abbremsen soll, drastisch verkürzt worden. Das belegte Tesla mit einem Foto-Vergleich eines Bildes aus dem Google-Dienst Street View und mit einer Aufnahme einer Fahrzeug-Kamera vom Tag vor dem Unfall. "Wir haben in keinem anderen Crash Schäden solchen Ausmaßes bei einem Model X gesehen", betonte Tesla. Die Fahrzeuge der Firma hatten stets sehr gut in Crashtests abgeschnitten.

Elite-Ermittler untersuchen die Vorkommnisse

Die Tesla-Aktie brach nach mehreren Vorkommnissen zwischenzeitlich ein.

Der NTSB geht auch Berichten nach, wonach der Fahrer an der Stelle bereits Probleme mit dem Autopilot-System gehabt haben soll. Wie der Fernsehsender ABC berichtete, habe sich der Fahrer nach Angaben der Familie mehrfach beschwert, auch bei einem Tesla-Händler. "Aber sie konnten es dort nicht nachvollziehen", habe sein Bruder gesagt. Tesla teilte laut dem Finanzdienst Bloomberg mit, in den Unterlagen fände sich nur eine Beschwerde über das Navigationssystem.

Batteriebrand im Fokus der Ermittler

Der Autobauer unterstrich wiederum, dass laut Augenzeugen der Batteriebrand erst ein gefährliches Ausmaß angenommen habe, als keine Insassen mehr im Fahrzeug waren. Laut Medienberichten war die Strecke mehrere Stunden lang gesperrt, weil die Einsatzkräfte unsicher waren, ob sie den Wagen abtransportieren können. Ein Mitarbeiter von Tesla sei zum Unfallort gekommen. Die Schritte, um ein beschädigtes Elektroauto sicher abzutransportieren, gehörten zur Untersuchung, erklärte die NTSB.

Fahrer-Fehler und zu lasche Sicherheitsvorkehrungen

Die Behörde prüft auch noch einen weniger schweren Unfall aus dem Januar 2018, bei dem ein Tesla mit eingeschaltetem Autopilot-Assistenten auf einen Lastwagen auffuhr, und den aufsehenerregenden Crash eines Tesla vom Mai 2016. Damals war ein 40-Jähriger ums Leben gekommen, als sein von Teslas Autopilot gesteuertes Auto unter einen Lastwagen-Anhänger raste, der die Straße querte. Der Lkw-Fahrer habe ihm die Vorfahrt genommen, befanden die NTSB-Ermittler. Zugleich habe sich der Tesla-Fahrer zu sehr auf den Fahrassistenten verlassen. Allerdings kritisierten sie auch, dass zu lasche Sicherheitsvorkehrungen der Software zu dem Unfall beigetragen hätten. Tesla hat seitdem zusätzliche Maßnahmen getroffen, damit Fahrer die Kontrolle nicht komplett der Autopilot-Software überlassen, die nur als Fahrassistenzsystem konzipiert ist und nicht zum komplett autonomen Fahren.

Tesla-Unfall auch in Deutschland

Neben einem weiteren Vorfall in China hatte es im September 2016 auch in Deutschland einen Unfall mit einem Leichtverletzten gegeben, bei dem ein im Autopilot-Modus fahrender Tesla Model S einen Reisebus gerammt hatte. Zahlreiche Hersteller setzen für die Zukunft auf das sogenannte autonome Fahren. Der Erfolg der neuen Technologie dürfte in erster Linie von ihrer Sicherheit abhängen.

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