Autonomes Fahren: Kalifornien prescht vor

Autonomes Fahren: Kalifornien rudert zurück

— 29.12.2015

Kalifornien hält am Lenkrad fest

Brauchen autonome Autos noch ein Lenkrad? Und ihre Fahrer einen Führerschein? Kalifornien sagt: Ja, ohne geht es nicht!

Auf dem Liegesitz lümmeln, während das Auto steuert? Technisch ist das bald möglich.

(dpa/rtr/sb) Autonomes Fahren, der Begriff ist weit gefasst und schwer definierbar. Aber wer künftig am Steuer sitzt und inwieweit die Gesetze der betreffenden Staaten das überhaupt zulassen, ist eine andere Frage. Wie sieht es aus mit dem Surfer-Place im Fond und dem Traum, im Auto zu reisen wie in einem Zug mit automatischer Steuerung? Brauchen wir künftig noch ein Lenkrad oder einen Führerschein? Der US-Bundesstaatt Kalifornien gilt als Vorreiter des autonomen Fahrens und hat gerade einige Gesetze vorgelegt, die das Fahren ohne Fahrer möglich machen soll – aber dabei einige Einschränkungen eingebaut.

Video: Volvo Cars Concept 26 (LA 2015)

Volvos autonome Zukunft

Wo sind die Grenzen?
Die kalifornische Straßenverkehrs-Behörde hat Googles weitreichenden Plänen zunächst einige Steine in den Weg gelegt. Laut den neuen Gesetzen muss auch in Zukunft jederzeit ein Fahrer mit Führerschein in der Lage sein, die Kontrolle über das Auto zu übernehmen. Autos ohne Lenkrad sind also tabu. Der Fahrer soll laut den Vorschriften auch bei Unfällen oder Verstößen gegen Verkehrsregeln verantwortlich sein. Die Sicherheit der selbstfahrenden Autos müsse von unabhängigen Experten überprüft werden, und zwar vor Inbetriebnahme, schlägt Kalifornien weiter vor. Diese technische Zulassung müsse alle drei Jahre erneuert werden.

Mit dem IDS Concept zeigte Nissan auf der Tokyo Motor Show 2015 seine Vorstellung von autonomem Fahren und Elektromobilität.

Kann das Computerauto gehackt werden? Weitere Fragen stehen im Raum. Wie soll sich ein Computer bei einem unvermeidbaren Unfall verhalten? Wen soll er zuallererst schützen? Google will dieses auch ethische Problem mit Algorithmen lösen. Kalifornien dringt zudem auf Maßnahmen gegen mögliche Hackerangriffe auf die Software der selbstfahrenden Autos und auf Regeln zum Datenschutz. Die kalifornische Fahrzeugbehörde (DMV) erklärte, die Sicherheit selbstfahrender Autos und der Öffentlichkeit, die die Straßen mit diesen Autos teile, habe oberste Priorität. Vor einer Zulassung solcher Fahrzeuge müssten die Hersteller noch weitere Erfahrungen in Tests sammeln.
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Google testet bereits mit überschaubarem Erfolg Prototypen seiner Roboterautos in den USA und verhandelt mit Ford über eine Zusammenarbeit.

Wer tüftelt? Jede Menge Hersteller. Google versteht sich selbst als Vertreter des autonomen Fahrens und verhandelt einem Medienbericht (22. Dezember 2015) zufolge mit Ford über die Fertigung selbstfahrender Autos. Sollte es zu einem Abschluss kommen, dürfte die Einigung im Januar 2016 bekanntgegeben werden, berichtete das Branchenblatt "Automotive News" unter Berufung auf eine mit dem Projekt vertraute Person. Google testet bereits mit überschaubarem Erfolg Prototypen seiner Roboterautos in den USA und verhandelt mit weiteren Herstellern über eine Zusammenarbeit.

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'Was halten Sie von autonom fahrenden Autos?'

In Zukunft wollte Google bei seinen selbstfahrenden Autos auf klassische Bedienelemente wie Lenkrad verzichten und die Kontrolle komplett dem Computer überlassen. Die Höchstgeschwindigkeit der neuen Prototypen ist laut Google auf rund 40 Kilometer pro Stunde gekappt. Das ist auch das geplante Tempo der Stadtwagen, das es Google erlaubt, die Konstruktion der Fahrzeuge unter anderem mit dem Verzicht auf Airbags zu vereinfachen. Kürzlich war ein Google-Mobil in Mountain View angehalten worden, weil es aus der Sicht eines Polizisten zu langsam fuhr und den Verkehr bremste.
Audi fährt alleine: Fahrbericht

Volvo startet aktuell einen Test mit 100 autonom fahrenden XC90 in Göteborg. Mercedes lässt seit 2013 die S-Klasse frei fahren, Audi ist seit 2014 am Start. Dazu fuhr ein umgerüsteter Audi SQ5 mehr als 5500 Kilometer überwiegend auf Highways von San Francisco bis nach New York, ohne dass die stets vorhandene Person auf dem Fahrersitz eingriff. Start war am 22. März 2015 an der legendären Golden-Gate-Brücke in San Francisco, am 3. April kam das Vehikel mit einer Software von Zulieferer Delphi in New York an.

Ein Auto der französischen PSA-Gruppe von Peugeot und Citroen legte autonom rund 3000 Kilometer von Paris nach Madrid zurück.

Wer ist Vorreiter oder gibt es keinen? Allein in den vergangenen Wochen überschlugen sich die Nachrichten erneut: Toyota kündigte die Investition von einer Milliarde Dollar in künstliche Intelligenz für Fahrzeuge an. Europa steuert gegen: Ein Auto der französischen PSA-Gruppe von Peugeot und Citroen legte autonom rund 3000 Kilometer von Paris nach Madrid zurück. Tesla schaltete die Autopilot-Software frei, die unter anderem die Spur und den Abstand zum Vordermann hält. Der chinesische Internet-Konzern Baidu stellte überraschend eigene selbstfahrende Autos vor. Jeden Tag gibt es etwas Neues: In der Schweizer Stadt Sion sollen im Frühjahr zwei autonom fahrende Busse den Betrieb aufnehmen. Mit dem IDS Concept zeigte Nissan auf der Tokyo Motor Show 2015 seine Vorstellung von autonomem Fahren und Elektromobilität. Der Fahrer kann im vollelektrischen IDS Concept über einen Schalter, den sogenannten PD-Commander, zwischen zwei Fahrmodi wählen. Im manuellen Modus hat der Pilot wie gewohnt die volle Kontrolle über das Auto. Im Hintergrund überwachen dennoch zahlreiche Assistenssysteme das Geschehen und greifen im Notfall ein.
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So tickt der Geister-Lkw

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) stellte dereinst eine Teststrecke für selbstfahrende Autos in Aussicht. Laut Strategiepapier sollen "automatisierte und vernetzte Fahrzeuge nicht nur hierzulande gebaut, sondern auch gefahren werden". Dafür soll in Deutschland nun der Weg geebnet werden, "vom Probebetrieb zur Serienreife und Regelzulassung". Das soll in zwei Stufen geschehen: Im ersten Schritt werde das "Autobahn-Stau-System" eingeführt, das "hochautomatisiertes Fahren" bis 60 km/h ermögliche. Im zweiten Schritt folge das "Autobahn-System", das "hochautomatisiertes Fahren bei Langstreckenfahrten" mit maximal 130 km/h zulasse.
Autonomes Fahren: Was will Deutschland?

Wann kommt denn nun das selbstfahrende Auto? 2016 oder 2017 oder 2020. Die Frage bleibt offen, und hat Trash-Talk-Potenzial. Anfang Januar 2015 hatten sich Deutschlands führende Autobauer auf der Technikmesse CES 2015 in Las Vegas über die gesetzlichen Einschränkung in der Bundesrepublik beschwert: Weil hierzulande das autonome Fahren nur sehr bedingt erlaubt ist, müssen sie mit ihren Forschungsautos in die USA, wo die Regeln etwas lockerer sind – ein klarer Wirtschaftsnachteil für Deutschland.

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