Autopflege: Pro und Kontra — 16.02.2011

Wie viel Autopflege ist nötig?

Der eine fährt eine Müllhalde auf Rädern, der andere putzt sich die Finger wund. Aber wie viel Autopflege ist denn nun wirklich nötig? Muss das Auto glänzen – oder reicht es, wenn es fährt?

"Nicht vom Glanz blenden lassen – technisch fit muss er sein",
findet Bernd Volkens.

Oh Mann, da sitze ich im Auto eines Kollegen, und was macht der? Greift zur Pumpflasche und sprüht fröhlich mit Desinfektionsmittel rum. Lenkrad abwischen, Knöpfe abrubbeln und schnell noch übers Armaturenbrett geschrubbt. Hallo, geht's noch? Das Auto ist doch nicht die Quarantänestation des Tropeninstituts. Ich habe einen anderen Zugang zum heiligen Blech, lebe mit und manchmal sogar in meinem Auto.

Wichtig ist, dass es fährt

Redakteur Bernd Volkens.

Redakteur Bernd Volkens.

Fahren, essen, und wenn es auf ein Festival geht, gehört auch das Schlafen im Wagen dazu – da ist es doch normal, dass Krümel auf dem Teppich, Pappbecher im Fußraum und Schlafsäcke auf der Rückbank landen. Für mich viel wichtiger: Das Auto muss technisch fit sein. Wie oft habe ich es in meinem Job erlebt: Da führen einem stolze Fahrzeugbesitzer den mit Zahnbürste und Wattestäbchen gewienerten Innenraum vor, bekommen aber nicht einmal die Motorhaube auf. Ergebnis: Ölstand auf Minimum, Keilriemen lose und zu wenig Kühlwasser im Ausgleichsbehälter. Auch wenn meine Hilfe beim Gebrauchtwagenkauf gefragt ist, ein typisches Erlebnis: Da wird vom glänzenden Lack und tadellosen Innenraum geschwärmt, abgefahrene Reifen, verschlissene Bremsen und der fällige Riemenwechsel aber übersehen. Wer sich hier vom Glanz blenden lässt, wird es am Ende teuer bezahlen. An einem verstaubten Innenraum ist noch kein Auto verreckt, an zu wenig Öl im Motor schon.

Redakteur Hendrik Dieckmann.

Redakteur Hendrik Dieckmann.

"Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand – und der muss sauber sein",
sagt Hendrik Dieckmann.

Ich verbringe viel Zeit im Auto. Allerdings nur in sauberen, aus schmutzigen Kisten steige ich sofort wieder aus. Oder ich mache sie sauber, wie kürzlich den Mietwagen im Urlaub. Dabei sind mir Äußerlichkeiten ziemlich egal, es zählen die inneren Werte. Womit ich nicht die Restwerte voriger Fahrer meine, wie Obstabfall, Getränkeflecken oder Kaugummis in den Ablagen. Wo andere lieber im eigenen Siff hocken, gebe ich keine Ruhe, ehe nicht die Scheiben hundertprozentig klarsichtig, die Armaturenlandschaft fusselfrei und Lenkrad oder Schalthebel griffsympathisch sind. Der Lohn: sicheres Fahren. Denn in meinen Autos blendet keine tief stehende Sonne durch nebliges Glas, kullern keine leeren Flaschen unters Bremspedal und klappert kein Eiskratzer das ganze Jahr in der Ablage herum. Und Kinder werden – ähnlich wie am Flughafen – vor dem Einsteigen auf Krümel-Kekse, Schmier-Schokolade und Klebe-Cola abgetastet.

Zu teuer zum verdrecken lassen

Spießig? Wenn es als spießig gilt, den teuersten Gegenstand im Haushalt sauber zu halten, bin ich gern Spießer. Denn mir ist es ein Rätsel, weshalb erwachsene, gebildete Menschen so oft in rollenden Müllhalden unterwegs sind. Mich schüttelt's schon beim Gedanken an überquellende Aschenbecher, von feuchter Aussprache benetzte Tacho-Gläser und Staubschichten wie nach einer Sahara-Durchquerung. Das Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, höre ich dann. Meine Antwort: Ist eine Kaffeetasse auch, und die waschen wir alle jeden Tag ab. Hoffentlich.

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