Autos aus Russland

Wolga 3111 Wolga 3111

Autos aus Russland

— 26.06.2002

Wolga kommt!

Großes Auto, große Pläne: Ein neuer Importeur versucht in Deutschland ein Händlernetz für Wolga aufzubauen.

Kampfpreis von 15.000 Euro

In den neuen Bundesländern kennt jedes Kind die großen Wolga-Limousinen (teils auch mit –V– geschrieben), im Westen sind die Autos aus Nizhnij Novgorod/Russland (früher Gorki/ UdSSR) nur Kennern ein Begriff. Das soll sich schon bald ändern. Dafür jedenfalls will Horst Jesche sorgen. Der Versicherungsfachmann aus Friedberg strickt momentan an einem Vertriebs- und Servicenetz für Deutschland, Spanien und die Schweiz. Bereits im August soll es losgehen. Dann ist der 3111 erhältlich. Ab 15.000 Euro.

Ein Kampfpreis. Immerhin ist der 3111 mit 4879 Millimetern länger als die neue E-Klasse. Angetrieben wird der Ost-Mercedes von einem Vierzylinder russischer Bauart (von ZMZ) mit 2,3 Liter Hubraum und 130 PS. Geschaltet wird manuell oder automatisch. Die Basisausstattung soll spartanisch gehalten werden. Ohne ABS, ohne Airbag und Klima. Das Spitzenmodell für etwa 20.000 Euro bietet diese Optionen sowie zusätzlich Bordcomputer und Zentralsperre.

Viel Blech für relativ wenig Schotter. Ob es das freilich jemals wirklich in Deutschland geben wird, ist noch mit reichlich Fragezeichen zu versehen. Denn erstens missfallen dem hiesigen TÜV die Sicherheitsgurte und die Abgaswerte. Momentan erfüllt der 3111-Wolga nur Euro 2 – zu wenig für eine Zulassung. Ein neuer Kat soll Euro 3 ermöglichen. Zweitens ist das so eine Sache mit den russischen Modell- und Export-Ankündigungen. Das kennt man von Lada zur Genüge. Vorgesellt wurde das neue Wolga-Schiff bereits im August 1998 in Moskau, die Produktion startete im Dezember 99 und schaffte bis heute nur einige hundert Exemplare.

1998 vorgestellt, aber kaum gebaut

So vorgewarnt, hat Importeur Horst Jesche eine entsprechend niedrige Erwartungshaltung: 50 Wolga will er in diesem Jahr verkaufen, 200 im nächsten – über Agenturpartner. Das könnten laut Jesche Händler einer anderen Automarke sein. Dort wird der Kaufvertrag abgeschlossen, die Auslieferung erfolgt direkt vom Importeur. Und für den Service sollen bundesweit 350 Wolga-Partner sorgen, die Jesche in freien Werkstätten rekrutieren will.

Die russische Krankheit "Ersatzteilversorgung" will der importierende Versicherungsmann mit einem Zentrallager in Tschechien bekämpfen. Sollte es, was man bei Fahrzeugen aus russischer Fertigung nie ausschließen kann, einmal ein größeres Problem technischer Art geben, kann eines der drei bisher ebenfalls nur geplanten Wolga-Zentren in Frankfurt, Stuttgart oder Karlsruhe helfen.

Bisher nur viel Theorie für ein ambitioniertes Vorhaben. Denn dem Produzenten GAZ (Wolga heißen seit den Fünfzigern die Pkw-Modelle aus dem Konzern) geht es nicht so gut. Lieferanten warten gelegentlich länger auf einen Zahlungseingang. Das erklärt die aktuellen Lieferschwierigkeiten. Aus dem Export nach Deutschland hält sich GAZ heraus. Um den wollen sich eine internationale Investorengruppe und ein Treuhänder in Liechtenstein kümmern. Eine beliebte russische Lösung.

Mehr zum Thema (neue und alte Modelle, technische Daten) gibt es auf der Internetseite des deutschen Importeurs: www.volga-auto.de

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