Gesichtserkennung

Autos mit Technik zur Gefühlserkennung

— 11.04.2014

Vorsicht, Kamera!

Eine schlaue Technik kann Autofahrer beruhigen, aufheitern oder sogar ausbremsen, wenn sie wütend sind. Doch ob das Infrarotsystem jemals serienmäßig zum Einsatz kommt, ist äußerst ungewiss.

Erst schleicht der Vordermann mit 30 in der 50er-Zone, dann springt die Ampel in letzter Sekunde auf Rot, und plötzlich nimmt einem auch noch ein anderer die Vorfahrt – es gibt Momente im Autofahrerleben, da möchte man die guten Manieren am liebsten über Bord werfen.

Emotionen sind ein unterschätztes Risiko

Im Lexus LS und GS prüft seit 2007 eine Kamera, ob der Fahrer aufmerksam ist.

In Zukunft könnte es für solche Momente einen Aufpasser geben: ein System, das Emotionen hinter dem Steuer ausbremst. Es hellt die Beleuch­tung auf, wenn der Fahrer müde wird, beruhigt mit sanfter Musik, wenn er wütend ist, oder übernimmt die Ab­standsregelung, wenn er seinem krie­chenden Vordermann ans Blech will. Die Technische Hochschule Lausanne arbeitet gemeinsam mit PSA (Peugeot/Citroën) an einer Technologie, bei der eine Infrarotkamera das Gesicht des Autofahrers scannt. Bereits heute gibt es in einigen Lexus-Modellen eine Kamera, die auf den Fahrer gerichtet ist. Der Gefühlsdetektor ist technisch möglich – und er würde für mehr Si­cherheit sorgen, sagen die Forscher. Denn Emotionen am Steuer sind ein oft unterschätztes Risiko.

Studie zum Fahrverhalten in Europa

Gutes Gespräch, weniger Aufmerksamkeit

"Dem Ärger über andere Verkehrs­teilnehmer machen die Fahrer mit di­rekten Handlungen Luft, zum Beispiel Drängeln", erklärt der Verkehrspsy­chologe Mark Vollrath. Schätzungen zufolge lassen sich ein Drittel aller Un­fälle mit Todesopfern auf eine aggres­sive Fahrweise zurückführen. Freude allerdings ist auch gefährlich. Tests an der TU Braunschweig haben gezeigt, dass angenehme Gespräche mit dem Beifahrer schlecht für die Auf­merksamkeit sind. Streit wiederum führte zu unangepasster Geschwindigkeit, geringem Abstand und nachlas­sender Reaktionsfähigkeit.

Beziehung wie zwischen Pferd und Reiter

Bereits 2013 hat Toyota ein Konzept­auto vorgestellt, das ebenfalls Emotionen erkennt. Je nach Gemütslage könne es das Tempo drosseln und dem Fahrer Tipps geben, so die Entwickler. Das Auto als Freund und Berater? Toyota selbst spricht von einer Bezie­hung wie zwischen Reiter und Pferd. "Albern" findet der Technikphilo­soph Bernhard Irrgang diese Sichtweise. Sie sei eine Rückkehr zu Naturreligionen, in denen Dingen eine Seele zugesprochen wird. "Nutzer sollten sich bei jeder Technik fragen, ob sie et­was davon haben oder ob sie sich ver­sklaven lassen", warnt Irrgang.

Toyota FV2 Concept: Tokyo Motor Show 2013

Toyota FV2 Concept Toyota FV2 Concept Toyota FV2 Concept

"Was erziehen will, wird nicht akzeptiert"

Verkehrspsychologe Vollrath glaubt ohnehin nicht daran, dass die Emotionserkennung in Autos Einzug halten wird – auch wenn sie aus Sicherheits­aspekten sinnvoll sei. Seine Erfahrung zeige: "Alles was die Fahrer erziehen will, wird nicht akzeptiert." Wer will schon jemanden zum Freund haben, der ständig den Oberlehrer gibt?

Autor: Benjamin Gehrs

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