Autos unterm Hammer

Autos unterm Hammer

— 23.02.2004

Hier wird was geboten

Pleiteland Deutschland: Noch nie gab es so viele Insolvenzen wie heute. Verwerter des Strandguts: meist Auktionshuser. Bei einer Autoversteigerung waren wir selbst vor Ort.

Die Pleitewelle schafft Volumen

"Zum Ersten, zum Zweiten ... Hre ich da 3000? Nein? ...Und zum Dritten!" Der Hammer fllt, Auktionator Michael Meyer notiert den Zuschlag, Ali Durak Bozok ist um einen Suzuki Vitara reicher. 2800 plus 15 Prozent Aufgeld plus 16 Prozent Umsatzsteuer: macht rund 3740 Euro. Ein heier Preis?

Autokauf per Hchstgebot: im eBay-Zeitalter fast so alltglich wie der Gang zum Hndler. Doch hier geht es nicht um Internetauktionen, bei denen viele Fahrzeuge keinen neuen Halter finden, weil die letzte Offerte direkt oder mittelbar vom Anbieter selbst stammt. Sondern um die aus dem wahren Leben. Bei denen sich Versteigerer und Bieter gegenberstehen. Bei denen die Ware wirklich fliet.

Woher die Autos stammen? "Aus Pfndungen, Pfandleihgeschften, Nachlssen, aus Firmen- und Privatinsolvenzen", sagt Olaf Meyer, Juniorchef des alteingesessenen Hamburger Auktionshauses. Insolvenzen? So heien Konkurse heute. Die angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage boomen. Meyer wei: "Baufirmen, Autohuser, zahlungsunfhige Privatpersonen die derzeitige Pleitewelle schafft ein nie da gewesenes Verwertungsvolumen. Kamen 1999 blo knapp 100 Fahrzeuge bei uns unter den Hammer, waren es 2003 schon ber 300. Tendenz: steigend."

Ohne Probefahrt die Katze im Sack

Traurig. Heute im Angebot: 18 Gebrauchte, vom 88er Golf ber drei Honda und sechs BMW bis zum VW Sharan von 2001. Das Publikum: rund 120 Bieter aus allen Lndern und Schichten. Verhltnis von Hndlern zu Privatleuten: zirka 40 zu 60. Nach zwei Stunden Besichtigung startet die Auktion. "Wer bietet mehr? ... Was, nicht mal nen Tausender? ... Ein wunderschner Wagen! ... Habt ihr heute Stacheldraht in der Tasche?"

Michael Meyer, der Senior mit dem Hmmerchen, ist ein Vollprofi, der genau wei, wie die Meute angeheizt werden will. Bei manchen Aufrufen schieen die Bieterkarten im Sekundentakt hoch, andere sind so wenig begehrt wie Semmeln von vorgestern. Nach nur 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Die Kufer strmen zur Kasse, lhnen bar oder per bankbesttigten Scheck. Andere Zahlungsmittel sind ausgeschlossen.

Hchster Erls: 14.500 Euro fr den Sharan TDI mit 76.000 Kilometern auf der Uhr. Macht 19.340 Euro inklusive Umsatzsteuer und Aufgeld (Verdienst des Auktionators). Was ziemlich genau dem Marktwert entspricht. Ein Nissan Patrol von 1993 liegt sogar leicht ber den erfahrungsgemen Kursen. Wohlgemerkt: Probefahrten sind nicht mglich, Vergleiche mit der oft zitierten Katze im Sack durchaus berechtigt.

Nicht immer sind es Schnppchen

Andere Autos hingegen sind echte Schnppchen: Der BMW 525i, Modelljahr 95, erzielt statt der marktblichen 6300 Euro nur 2670, der 88er 535i bringt mit 670 Euro lediglich ein Viertel des realistischen Kurses. Und Ali Durak Bozok? Zunchst ist er zufrieden. Denn der Suzuki spingt spontan an und luft wie die Feuerwehr. Doch beim Telefonat ein paar Tage spter ist der Trke schlauer: "Nach wie vor ein gutes Auto. Aber auf dem freien Markt wre es drei-, vierhundert Euro gnstiger gewesen."

Eine Erkenntnis, die fr Auktionsneulinge nicht ungewhnlich ist. Das besttigt auch Olaf Meyer. Immerhin knnen 13 der 18 Autos als preiswert bis billig gelten. Gewhrleistungen oder Garantien sind allerdings gem den gesetzlichen Auktionsbedingungen ausgeschlossen. "Trotzdem sind wir in Hrtefllen sehr kulant, bei Besichtigungen geben wir immer die Schlssel raus und lassen unsere Kunden die Motoren starten", sagt Meyer.

So viel Entgegenkommen, erfahren wir von anwesenden Profi-Bietern, ist durchaus nicht blich. Zwei Stunden nach Auktionsende sind alle Autos vom Hof, Olaf Meyer macht das Licht aus. Whrend wir muffig sind, weil wir nicht mehr Bargeld mitgenommen haben. Beim Rausgehen rgern wir uns schlielich richtig: Vorletzten Monat, berichtet der Junior, sei ein 79er Scirocco als Nachlassstck weggegangen. Aus erster Hand und echte 18.000 gelaufen. Zuschlagpreis: 450 Euro.

Autoversteigerungen so geht das ab

Von der Haushaltsauflsung bis zur kompletten Schiffswerft: Das Auktionshaus Meyer in Hamburg (www.auktionshausmeyer.de) versteigert alles Mgliche wie zahlreiche andere Unternehmen auch. Eine grobe bersicht bietet die Homepage www.rws-verlag.de (Link: INDat), allerdings muss hier nach Autos langwierig gesucht werden.

Besser: Die rtlichen Versteigerer in den Gelben Seiten finden und anrufen. Bei vielen kann man sich als Interessent registrieren lassen und wird benachrichtigt, sobald die nchste Autoauktion ansteht. Das Aufgeld auf den Zuschlagpreis betrgt mindestens 15, bei manchen bis 18 Prozent.

Wichtig: Vor dem Bieten klren, ob die Mehrwertsteuer vollstndig (Regelbesteuerung) oder nur fr das Aufgeld (Differenzbesteuerung) gezahlt werden muss der Unterschied betrgt etwa ein Sechstel des Gesamtkaufpreises. Bei Interesse an einem hochwertigen Fahrzeug manchmal mglich: eine Probefahrt vorab.

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