Autos zum Sparen, Teil 1

Hyundai Getz Hyundai Getz

Autos zum Sparen, Teil 1

— 28.10.2002

Kleine K(l)asse aus Korea

Daewoo Kalos und Hyundai Getz – zwei günstige Fern-Ost-Flöhe fordern den Ford Fiesta heraus.

Ein Land von der Größe Ungarns, in dem der Autobau gerade erst 40. Geburtstag feiert, und das mit einem Kompaktwagen namens Pony 1991 zum ersten Mal deutsche Autobahnen unter die Räder nahm. Schon erkannt? Genau, wir reden von Südkorea. Jenem Land, das letztes Jahr über 2,5 Millionen Autos ausspuckte und jetzt mit Vollgas Richtung automobile Weltliga steuert. So, wie die japanischen Nachbarn es vor 30 Jahren vorgemacht haben. Die jüngsten Boten koreanischer Kraftfahrzeugkunst setzen dabei auf das Motto: Kleine Autos für ganz kleines Geld.

Kleine Autos für ganz kleines Geld

Der Elchtest bringt die Autos ans Limit – und den Daewoo Kalos schnell darüber hinaus.

Für sensationelle 9990 Euro gibt's den Daewoo Kalos 1.4 SE, für 11.790 Euro den Hyundai Getz 1.3 GLS. Als Maßstab für modernen Minimalismus fährt der frischeste Kleinwagen hierzulande mit, der Ford Fiesta 1.4i für 12.640 Euro. Wobei die Preise zwar in allen Fällen für das Basismodell gelten, es aber durchaus unterschiedliche Vorstellungen von automobiler Grundversorgung gibt.

Während der Fiesta tatsächlich recht nackt antritt (viel Handarbeit), schmückt sich der Kalos schon mal mit den sinnvollsten Extras, während der Getz kaum noch Wünsche offen lässt. Selbst Kopfairbags vorn und Nebelleuchten gehören hier zur Serie – Koreaner begreifen eben schnell, was anspruchsvolle Europäer wünschen.

Giugiaro-Design für 9999 Euro

Und das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Verpackung. Schlecht in Form präsentiert sich keiner der drei kleinen Strolche. Bediente sich Daewoo noch der Hilfe des italienischen Edelschneiders Giugiaro, formte Hyundai den Getz in Eigenregie – und speziell für Europa. Das Ergebnis kann sich in jedem Fall sehen lassen – vor dem forschen Fiesta müssen die Koreaner sich nicht verstecken.

Ein echtes Lob gebührt auch den Innenarchitekten. Obwohl alle Kandidaten mehr (Kalos) oder weniger (Fiesta) große Fertigungstoleranzen erkennen lassen und bei den Materialen überwiegend auf billiges Hartplastik setzen, fühle ich mich in keinem der Zwerge unwohl.

Auch von hinten hübsch: Der Getz gefällt rundherum. Zierleisten schützen vor ungewollten Parkremplern. Echter Hingucker: die Rücklichter.

Im Kalos empfangen mich eine elegante Mittelkonsole und zwei hübsch gezeichnete Instrumente in schwarzen Plastikhöhlen. Nein, kein Vergleich mit Alfa, aber nett anzusehen. Weniger zuvorkommend die Mini-Manie der Daewoo-Designer. Die winzigen Hupknöpfe am Lenkrad findet man immer erst zu spät. Das XS-Handschuhfach dürfte selbst mit Fell-Fäustlingen überfordert sein. Und die ZV, die nur über die Fahrertür funktioniert, bringt Eltern mit Kind im Arm ins Schwitzen. Als Entschädigung protzt der Kalos im Fond, anders als beim winzigen Kofferraum, mit dem üppigsten Platzangebot. Und damit wir dort auch wirklich menschenwürdig reisen, liegt die Sitzfläche bequeme 37 Zentimeter über dem Wagenboden.

Hyundai Getz: vorne hui, hinten pfui

Im Getz, der auch vorn spürbar kleiner ausfällt, hocke ich dagegen fünf Zentimeter tiefer und fühle mich wie ein Huhn auf der Stange. Konkret: Um mich herum bleibt zwar genug Luft zum Lümmeln, die miserable Sitzposition raubt mir aber schnell den Spaß – sowie Hyundai etliche Punkte beim Platzangebot hinten.

Also steigen wir lieber vorn ein. Hier verwöhnen bequeme Polster und ein modern modelliertes Cockpit mit gut ablesbaren Instrumenten in Silberrähmchen. Würde das Auge gleichzeitig nicht mindestens drei verschiedene Plastikfarbtöne ertragen müssen, Getz wäre ein kleines Schmuckstück.

So erweist sich das sachliche, in elegantem Schwarz gehaltene Interieur des Fiesta als wohnlichste Stube. In der zudem auch noch vernünftige Platzverhältnisse herrschen. Doch bevor die Kölner jetzt anfangen, ihre(n) Fiesta zu feiern, noch ein paar Fragen: Wo bleiben die Haltegriffe? Warum liegt der Tank links? Wieso ist die Fondbank einteilig (wie Kalos)? Und warum gibt es für den Basis-Fiesta kaum Extras? Wer Antworten weiß, bitte melden.

Fahrwerke: knackig bis kritisch

Auf der Piste bleibt der kleine Kölner dagegen nichts schuldig. Letzte Zweifel zerschellen am souveränen Fahrwerk, der direkten Lenkung und am knackigen Komfort. Hier hat der Fiesta die Nase vorn.

Auf stramme Federn und gute Balance vertrauen auch die Hyundai-Fahrwerker. Weil die Lenkung im Getz aber eine Spur teigiger wirkt und nicht ganz so zielgenau reagiert, erfordert das Umkurven imaginärer Elche höheren Fahrereinsatz.

Dem Kalos hilft in kritischen Kurven eigentlich nur noch professioneller Beistand. Was im normalen Verkehr kaum auffällt, entlarvt die Teststrecke. Straff gefedert, dafür aber spürbar unterdämpft taumelt der Daewoo über die Bahn. Die Hinterachse verliert in schnellen Kurven schon mal den Kontakt zur Basis, das Heck drängt mitunter schon beim Einlenken nach außen, die Servolenkung vermittelt wenig Gefühl fürs Geschehen. Wer hier nicht schnell und exakt am Steuer kurbelt wie ein Rennfahrer, dreht sich anschließend um sich selbst.

In Sprint und Spitze gleichauf

Ein totes Rennen liefern sich die drei Minis auf der Messstrecke, letztendlich liegen die Kleinen fast so dicht zusammen wie Schumi und Barrichello in Indianapolis. Knapp 13 Sekunden bis Tempo 100 und etwa 170 km/h Spitze – deutlich langsamer als die Ferrari-Feger, für rund 80 PS aber nicht schlecht.

Am entspanntesten wirkt bei der Hetzerei der 1,4-Liter von Ford. Lässig und vor allem leise schiebt der Vierventiler den Fiesta durch den Verkehr. Der angenehm hoch platzierte Schalthebel flutscht dabei sauber durch die Gänge, und der Verbrauch bleibt fast einen Liter unter dem der Korea-Knirpse.

Ebenfalls 1,4 Liter groß, geht der Daewoo-Antrieb deutlich knurriger zu Werke und schlägt fast schon sportliche Töne an. Ein Versprechen, das bei hohen Drehzahlen aber so schnell vergessen ist wie Politiker-Phrasen nach der Wahl. Also umdenken, was im Kalos den Griff zur hakeligen Fünfgangbox bedeutet.

Überraschend schließlich der Getz. "Bis auf den schlappen Motor nicht schlecht" – so kommentierten etliche Kollegen (Autor eingeschlossen) die erste Probefahrt. Um anschließend eines Besseren belehrt zu werden. Der 1,3-Liter liegt nämlich immer knapp vor seinen Mitstreitern. Ursache dieser Täuschung: Der Dreiventiler schnurrt so brav und belanglos dahin, dass man ihm einfach nicht mehr zutraut. Ein fataler Fehler. Denn egal wie unauffällig die Korea-Karossen auftreten, sie zu unterschätzen wäre dumm.

Fazit und Technische Daten

Fazit Kleine Autos, großer Auftritt. Was die Minis hier bieten, verdient wirklich unseren Respekt. Wobei am meisten überrascht, wie viel die Koreaner in ihrem relativ kurzen Auto-Leben gelernt haben. So schafft es der Hyundai Getz am Ende tatsächlich, sich vor den Ford Fiesta zu schieben. Obwohl der Kölner technisch und fahrdynamisch immer ein wenig erwachsener und ausgereifter wirkt, kann er den Preisvorteil des Getz nicht wettmachen. Beim Daewoo Kalos wurde die Sparwut dagegen zu weit getrieben, macht der Rotstift den Koreanern bei der Fahrsicherheit einen Strich durch die Rechnung. Bitte nachbessern – auch wenn das Geld kostet.

Kosten und Ausstattungen

Die beste Serien-Ausstattung bietet der Getz. Der kleine Hyundai hat sogar Kopfairbags an Bord.



Die Koreaner gehen mit dem Sprit leider etwas zu sorglos um, Werte über acht Liter sollten bei einem 80-PS-Mini eigentlich nicht mehr sein. Wie es geht, zeigt der Fiesta. Sparfüchse fahren den kleinen Kölner mit einer Fünf vor dem Komma, alle anderen freuen sich über 7,3 l/100 km und die recht großzügige Reichweite.

Wertung und Ergebnis

Der Getz bietet das beste Preisleistungsverhältnis und kommt vor dem Fiesta ins Ziel.

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