Autos zum Sparen, Teil 2

VW Golf gegen Peugeot 307 und Fiat Stilo VW Golf gegen Peugeot 307 und Fiat Stilo

Autos zum Sparen, Teil 2

— 29.10.2002

Wir sind das Volk

Hier haben wir es mit echten Volks-Vertretern zu tun. Drei Kompakte-Basismodelle, die viel mehr bieten als automobile Grundversorgung – und dennoch bezahlbar bleiben.

Auf den den Spuren des VW Käfer

Der Käfer war so einer. Egal ob als Brezel-Käfer mit 24,5 oder als 1200 L mit 50 PS – das kleine Krabbeltier machte seinem Namen Ehre: Volks-Wagen. Einer für Arbeiter genauso wie für Beamte, für Hausfrauen wie für den Landarzt. Und im Sommer juckelten sie mit Kind und Kegel plus Koffern auf dem Dach über den Brenner nach Rimini. Auf den VW war Verlass.

Über 20 Millionen gebaute Käfer sprechen für sich. So einen (Er-)Volkswagen hätte heute jeder gern im Programm. Was den Verkaufs-Rekord angeht, gilt wieder ein VW als aktueller Maßstab: der Golf. Gegen ihn treten Fiat Stilo und Peugeot 307 mit neuen Basismotoren und attraktiver Grundausstattung an. Fiat und Peugeot verlangen für die viertürige Volks-Bewegung jeweils 14.500 Euro, der Golf kostet schon 15.890 Euro. Ist das noch volksnah?

Die Ausstattung spiegelt dabei das Minimum dessen wider, womit Preis- und Zubehörlisten ansonsten locken. Es gibt keine Klimaanlage und keine Alu-Räder. An Sitzheizung, Navigationssystem oder Xenon-Leuchten wollen wir gar nicht erst denken. Radio bietet immerhin der Fiat serienmäßig, eine Fernbedienung für die Zentralverriegelung nur der 307.

ESP hat nur der VW Golf an Bord

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Unsere drei Basismodelle sind keineswegs ärmlich ausgestattet. Alle verfügen ab Werk über elektrische Fensterheber, zumindest vorn (Golf auch hinten), Servolenkung, in Höhe und Tiefe verstellbares Lenkrad, höhenverstellbaren Fahrersitz, eine asymmetrisch geteilte Rückbank und Zentralverriegelung. Der Stilo bietet zusätzlich Nebelscheinwerfer, Durchreiche in der Rückbank und eine Ablage unter dem Fahrersitz. So ändern sich die Zeiten. Beim guten alten Käfer galt selbst die Tankuhr als Luxus. Unvorstellbar.

Auch bei der Sicherheit liegen die Standards heute höher. Was in Ober- und Luxusklasse steckt, gehört auch in Kompakte: Front-, Seiten- sowie Kopf- oder Window-Airbags, ABS, Bremsassistent und Antriebsschlupfregelung sind so selbstverständlich wie Hupe oder Blinker. Doch nur VW spendiert seinem Grundmodell das lebensrettende Anti-Schleuder-Programm ESP. Für Stilo oder 307 gibt's das weder für Geld noch gute Worte. Ein dicker Minuspunkt für beide.

Kopfschütteln und Unverständnis erzeugt aber auch VW. Beim Golf müssen dritte Kopfstütze und dritter Dreipunktgurt im Fond noch extra bezahlt werden. Macht 160 Euro. Das ist nicht die Welt, aber ziemlich kleinlich. Aufpreis kosten auch die hinteren Türen. 800 Euro bei Fiat und Peugeot, 965 bei VW. Singles mögen darauf verzichten können – Familien nicht. Und genau die werden für bequemes Ein- und Aussteigen dankbar sein, denn kein noch so gutes Easy-entry-System kann hintere Türen wirklich ersetzen.

Unterm 307 rumpelt und poltert es

Aber Vorsicht, Schwiegermama auf dem Golf-Rücksitz neigt zum Klagen. Über zu wenig Platz für die Beine und zu wenig Ellenbogenfreiheit. Im Fond kneift der Golf gewaltig. Peugeot und vor allem der Stilo zeigen sich da spürbar großzügiger. An genau diesem Punkt erkennen wir, dass der Golf in die Jahre gekommen ist. Fiat und Peugeot haben ihren Neubauten ein paar Zentimeter mehr an Länge, Breite und Höhe spendiert, setzen neue Maßstäbe im Raumangebot der Kompaktklasse. Mal sehen, ob der Golf V (kommt 2003 kurz nach der IAA) da mehr bietet.

Vielleicht versöhnt es die im Golf leidenden Hinterbänkler, dass sie in keinem anderen Kompakten auf so guten Sitzen (straffe Polster, große Auflagen, guter Seitenhalt) reisen. Federung, Straßenlage, Geräuschdämmung sowie die VW-Qualität gehören ohnehin zum Besten, was es gibt.

Auf hohem Qualitäts-Niveau auch der 307. Da passt ebenfalls alles, drinnen klappert nichts. Peugeot bietet zudem viel fürs Auge. Besonders die gut ablesbaren Anzeigen, die Chromverzierungen im und am Cockpit sowie das frische Design gefallen. Die Sitze vermitteln fast Golf-Komfort, die Federung schluckt Unebenheiten gelassen. Gewöhnungsbedürftig nur, dass es unter dem Auto trotzdem ständig rumpelt und poltert. Klingt, als gäbe es bei uns keine Asphaltstraßen mehr.

Fiat-Verarbeitung deutlich verbessert

Klappern, Scheppern und eine nachlässige Verarbeitung haben wir vor elf Monaten noch einem Stilo 1.9 JTD angekreidet. Fiat hat reagiert. Bis auf leise knisternde Verkleidungen und eine schief eingepasste Heckklappe alles bestens. Geht doch, Fiat!

Doch es bleibt noch einiges zu tun. Der vom Design her gelungene Stilo verdient ein passendes Cockpit. Weniger trist, weniger klobig. Dazu Sitze, die den Rücken stützen, statt ihn zu verbiegen. Eine Lenkung, die sich nicht anfühlt, als würde man in einem Fass Sirup rühren. Vor allem aber bessere Bremsen. Über 40 Meter Bremsweg aus Tempo 100 sind einfach zu viel.

Bleiben die Motoren. Wunderdinge sind von den Basismotoren natürlich nicht zu erwarten. Aber die Fahrleistungen reichen völlig. Auch mit dem behäbigen Vierzylinder des 307. Eine unspektakuläre Maschine, die im Schnitt mit 7,8 Litern auskommt. Recht agil dagegen der kernig klingende 1300er von Fiat, der acht Liter nimmt und als Einziger über sechs Gänge verfügt. Elastischer und vor allem sparsamer (7,4 Liter) als seine Konkurrenten läuft der VW-Motor. Genau die Tugenden, die wir von einem Einstiegsmotor erwarten. Und das bestätigt, was wir schon immer wussten: Der wahre Käfer-Nachfolger ist nicht der New Beetle, sondern der Golf.

Fazit und Technische Daten

Fazit Gewinner ist in jedem Fall der Kunde. Spätestens jetzt ist klar, dass der Begriff Basis im Zusammenhang mit einem Kompaktwagen nichts mit "Arme-Leute-Auto" zu tun hat. Dafür steckt in ihnen zu viel Technik, Qualität und Ausstattung. Und das zu erschwinglichen Preisen. Auch wenn der Golf zunächst teuer scheint, gleicht er das allein durch das ESP aus. Seine guten Bremsen sind eh unbezahlbar – und der Golf hier unschlagbar. Peugeot glänzt mit Platz, Komfort und frischem Design – Rang zwei. Fiat bietet nette Ausstattungsdetails und verbesserte Qualität, trotzdem nur Platz drei.

Kosten und Ausstattungen

Der Golf hat ESP ab Werk. Die Basis-Versionen des 307 und des Stilo bieten das Anti-Schleuder-Programm nicht einmal als Extra an.

Wertung und Endergebnis

Der VW Golf das Rennen. Besonders beim Fahrverhalten und -komfort ist er nicht zu schlagen. Hinzu kommen die starken Bremsen.

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