Autosalon Paris 2012: die Studien

Autosalon Paris 2012: Die Studien

— 28.09.2012

Merci, Peugeot!

Früher waren sie das Salz in der Messesuppe, in Paris sind sie Mangelware: die Studien. Aber die, die da sind, haben es in sich – wie beispielsweise der Peugeot Onyx.

Holt die Sehhilfen raus! Paris ist auch nicht mehr das, was es mal war. Studien muss man auf dem Autosalon mit der Lupe suchen. Ja wollt ihr denn alle vernünftig werden? Nein, nicht alle, eine kleine gallische Gemeinde trotzt der Übermacht der Gehirnautos – unser lautes "Merci" geht an Peugeot für den Onyx, der komplett aus recyclebaren Stoffen gebaut ist. Davon haben die Designer gleich jede Menge verbaut, denn der ultraflache Zweisitzer hat die Ausmaße eines Supersportlers. Tatsächlich stammt der Dieselhybrid-Antrieb aus dem Le-Mans-Renner der Marke und leistet, vor der Hinterachse eingebaut, runde 600 PS.

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Großmaul: Die Studie Lexus LF-CC zeigt einen deutlich überdimensionierten Kühlerschlund.

Besitzt denn wenigstens die Karosserie aus Kupfer und Kohlefaser irgendwelche Alltagsnähe? "Der scharf gezeichnete Grill und die vertikalen Scheinwerfer zeigen, wie wir das Markengesicht weiter entwickeln wollen", verrät Designchef Gilles Vidal. Schluss also mit dem Riesenmaul der letzten Peugeot. Das haben die Franzosen offensichtlich an Lexus weitergereicht, wo die Studie LF-CC einen Grill trägt, in dem locker ein Kleinwagen parken könnte. Das lässt sich ab 2014 ausprobieren, dann soll das Coupè im Format des Audi A5 auf den Markt kommen. Vermutlich nicht mit den abenteuerlichen Blechfaltungen im Origami-Stil, aber sicher mit den beeindruckenden Proportionen und kraftvollen Flächen, die einem Lexus lange gefehlt haben. Unter dem Blech steckt die Technik des nächsten Toyota IS, darunter auch ein neuer Benzin-Hybrid mit rund 200 PS Leistung. Als Verbrauch streben die Techniker einen Wert von unter 100 Gramm CO2 je Kilometer an, das wären rund 4,x Liter.

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Fabelverbrauch versprochen: Der Hybride Panamera Sport Turismo soll sich mit 3,5 Litern zufrieden geben.

Fabel-Verbräuche verspricht auch Porsche für seinen Sport Turismo. So nennen die Stuttgarter ihren Versuchsballon eines Panamera als Shooting Brake – also mit dem Hinterteil eines Kombi-Coupés, was unmöglich klingt, aber ziemlich gelungen aussieht. Das könnte auch daran liegen, dass ein Panamera durch jedwede Blechkur eigentlich nur schöner werden kann, trotzdem wissen Porsches Planer noch nicht, ob sich der Edellaster ausreichend verkaufen würde. Die Technik des Sport Turismo geht sicher in Serie: Der Benzin-Hybrid aus einem 3,0-Liter-V6 und einem 70 kW starken Elektromotor leistet über 410 PS, soll rund 30 Kilometer weit rein elektrisch fahren können und laut Norm weniger als 80 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Zuhause lädt die Batterie an der Steckdose – die sogenannte Plug-in-Technik will Porsche mit dem Facelift des Panamera 2013 vorstellen.

Auch Audi verkauft uns als Studie, was garantiert auf die Straße kommt. 2014 ist die Zeit überreif für ein kleines Edel-SUV unterhalb des Q3, dessen Vorbote Crosslane heißt. Bullig der Body, kleine Glaskanzel, dazu ein Targadach zum Herausnehmen – was vor Jahren als Irrsinn galt, wird morgen modisch. Nach SUV-Coupés nun also SUV-Cabrios, in dieser Boomnische ist scheinbar alles erlaubt. Und möglich. Nebenher zeigt der Crosslane, wie Audi sein Riesenmaul langsam zurückschrauben will: etwas kleiner, die Kontur weicher, na geht doch.

Erster Messevergleich: Der neue Golf gegen den neuen Auris

Eine Auto wie aus dem Vollen gefräst: Der Sbarro Eight ist eine Designstudie ohne jegliche Serienchance.

In derselben Halle, versteckt hinten in der Ecke, fand ich schließlich mein persönliches Gegenstück zum modischen Q2: einen rauen, eckigen, wie aus dem Klotz grob gehauenen Hotrod. Schlicht "Eight" nennen Designstudenten von Sbarro ihren Entwurf eines Ur-Mobils, das scheinbar Unvereinbares in eine hinreißende Form gießt: den kantigen Charakter eines Wildwest-Autos der Dreißiger mit moderner Entertainment-Technik. Im Cockpit des Eight leuchten gleich zwei Tablet-PC und ein Mitteldisplay – harter Kontrast zum Antikleder der Schalensitze und dem ohrenbetäubenden Lärm des Maserati-V8, der frei von Schalldämpfern offen aus einem kurzen Auspuff röhren darf. Das Schicksal dieses faszinierenden Unsinns steht fest: Er wird immer Studie bleiben, im wahrsten Sinne des Wortes. "Der landet als Anschauungsobjekt in der Mensa", sagt Projektleiter Benjamin Dubois. Gestandene Designer sind herzlich eingeladen. Gerne auch mit Sehhilfe.

Autor: Joachim Staat

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