Autositze im Crashtest

Autositze im Crashtest

— 27.04.2007

Sicheitsrisiko Sitz

Ein neuer Crashtest beweist: Jeder zweite Autositz ist nicht vollkommen sicher. VW muss Kritik für die Sparpolitik einstecken. BMW trat zweimal gar nicht erst an.

Wäre Biorid II in der Lage, Gefühle zu zeigen, er würde wohl voller Angst rufen: Bitte, bitte, setzt mich nicht in einen BMW-Sitz! Doch Biorid II ist ein stummer Crashtest-Dummy, der im britischen Thatcham einen Heckaufprall nach dem anderen über sich ergehen lassen muss. Hier prüft eine internationale Arbeitsgruppe von Versicherern zur Schleudertrauma-Prävention namens IIWPEG jährlich die Sitz-Kopfstützen-Kombination quer durch alle Marken und Fahrzeugklassen. Die neuesten Ergebnisse sind ernüchternd. Die Fortschritte beim Schutz der Halswirbelsäule im Falle von Auffahrunfällen sind im Vergleich zum Vorjahrestest nur gering. Jeder zweite der 185 Sitze wurde mit "mäßig" oder "schlecht" beurteilt. Der Sitz bleibt ein Sicherheitsrisiko. Das Testverfahren besteht aus zwei Teilen:
• einer statischen Prüfung der Sitzgeometrie, die beurteilt, wie gut sich die Kopfstützen einstellen lassen,
• dem Heckaufprall-Crashtest, der einen Auffahrunfall mit etwa 32 km/h simuliert.

Während es bei den Kompakt- und Geländewagen zu deutlichen Verbesserungen kam, besteht bei Kleinwagen und Minivans der größte Verbesserungsbedarf, so die IIWPEG. Noch immer sind zwei Drittel aller Kleinwagenmodelle und 60 Prozent aller Minivans mit mäßigen oder gar schlechten Sitzen und Kopfstützen ausgerüstet. "Das ist nicht hinnehmbar", findet Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Während Hersteller wie Audi oder Mercedes bei den Versuchen gut abschnitten, wurden zwei deutsche Hersteller von den Testern besonders kritisiert. BMW-Sitze bekamen wie in den vergangenen Jahren fast durchweg schlechte Noten. Für das 3er Cabrio und das 3er Coupé wurden den Testern die Sitze gar nicht erst zur Verfügung gestellt.

Das miserable Ergebnis erklärt BMW damit, "dass wir noch keine serienmäßig verbauten aktiven Kopfstützen anbieten". Dem Sicherheits-Defizit werde man demnächst durch eine erweiterte Serienausstattung entgegenwirken. Bei VW beklagte der GDV die Sparpolitik auf Kosten der Sicherheit. So wurde beim 2007er Modell des Golf V die aktive Kopfstütze zugunsten einer "crashoptimierten", einfacheren Variante mit dicken Polstern geopfert. Der auch im Eos eingebaute Sitz wurde als "mäßig" bewertet. "Eine sichere Sitz-Kopfstützen-Kombination ist wichtiger als der fünfte oder sechste Airbag", mahnte Brandenstein. Dass Sicherheit nicht teuer sein muss, zeigt das Ergebnis beim Sitz im Daihatsu Cuore, der als durchweg "gut" beurteilt wurde. Die komplette Ergebnisliste finden Sie hier.

Autor: Hauke Schrieber

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