Autostadt Wolfsburg

Meilensteine aller Marken Meilensteine aller Marken

Autostadt Wolfsburg

— 25.05.2004

Meilensteine aller Marken

Das ZeitHaus in der Wolfsburger Autostadt beschreitet neue Wege: Aus dem Museum wird ein Zuhause der Automobilgeschichte.

Volkswagen verneigt sich vor Konkurrenz

"Citroën und Cadillac, aber mein alter K 70 fehlt. Das ist doch kein VW-Museum", schimpft die Seniorin, als sie den Oldtimer-Tempel in Wolfsburgs Autostadt verlässt. Keine Einzelmeinung, sondern eine Tatsache. Die durchaus im Sinne der Erfinder ist. Denn das ZeitHaus, die Klassiker-Enklave im Erlebnispark des VW-Werks, befindet sich im Wandel – weg von der Historie der eigenen Marke und hin zu Meilensteinen, die die Entwicklung des Automobils besonders geprägt haben.

Ein Anspruch, den die Produkte des ehemals wenig innovationsfreudigen Hauses VW nur sehr lückenhaft erfüllen können. Somit wird der moderne Fünf-Stockwerke-Bau mehr und mehr zum Eldorado der fortschrittlichsten Fahrzeuge aus der ganzen Welt. Honda, Lancia, Ford, Rolls-Royce: Volkswagen verneigt sich tiefer vor den ehemaligen und aktuellen Konkurrenten seiner eigenen Konzernmarken als jeder andere Hersteller. Und zeigt damit wahre Größe. Wenn das keinen Respekt verdient ...

Am 1. Juni 2004 feiert die Autostadt den vierten Geburtstag. Die Miesmacher, die das wohl ehrgeizigste Projekt seiner Art einst als größenwahnsinnig abtaten, sind längst verstummt: Bis zum heutigen Tag haben sich die damals prognostizierten eine Million Besucher pro Jahr – Neuwagenabholer, Ausflügler, Autoverrückte – praktisch verdoppelt.

Auto in Zusammenhang mit der Gesellschaft

"Etwa drei Viertel davon treten bei uns ein, viele sogar regelmäßig. Um diesem Publikum stets neue Reize zu bieten, haben wir ständige Umgestaltungen konzipiert", verrät ZeitHaus-Chef Andreas Hornig. Die bisherige Ordnung – streng chronologisch vom ältesten Exponat unterm Dach bis zum jüngsten Stück im Erdgeschoss – wird inzwischen als überholt betrachtet: "Arg traditionell und ohne konstanten Spannungsbogen", weiß ZeitHaus-Berater Dirk-Michael Conradt heute.

Das künftige System, das derzeit getestet wird, sieht im großzügig verglasten rechten Gebäudeteil so genannte Themeninseln vor, die nach Fahrzeugklassen sortiert sind: Kleinwagen hier, Golfklasse dort, Luxuskarossen hüben, Sportwagen drüben. Die linke Hälfte der Architektur ist für regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen reserviert, die das Auto im Zusammenhang mit der Gesellschaft und – durchaus kritisch – in der Verantwortung der Natur gegenüber zeigen.

Ein Gesamtkonzept, das seinesgleichen sucht. Zumal erhebliche Klimmzüge zu seiner Umsetzung erforderlich sind: Zum derzeitigen Bestand von fast 100 geschichtsträchtigen Autos sollen sich viele weitere gesellen. "Vom günstigen Autobianchi Primula, mit dem 1964 die Bauweise aller heutigen Kompakten debütierte, bis zum sündhaft teuren Cord L 29 – bereits 1929 mit Frontantrieb – weisen unsere Wunschzettel weit über 50 Fahrzeuge aus", erzählt Automobilhistoriker Conradt.

Alle Meilensteine sind fahrbereit

Ebenfalls auf der Einkaufsliste: Legenden wie der Mercedes-Benz 300 SL (1954, Flügeltüren, Einspritzung) sowie die Chevrolet-Modelle Corvette (1953, Kunststoffkarosserie) und Corvair Monza Spyder (1962, Turbolader). Erklärtes Ziel ist, die gesamte Evolution des Autos zu zeigen und dabei den Charakter eines Museums zu vermeiden.

Deshalb wird Mobilität groß geschrieben: Bis auf wenige Ausnahmen – etwa der verschlafene Scheunenfund Lancia Aurelia – werden alle Preziosen mit erheblichem Aufwand fahrbereit gehalten, um auch außerhalb der Autostadt Flagge zeigen zu können. Dass Volkswagen selbst zwischen den vielen schillernden Berühmtheiten untergeht, befürchten die ZeitHaus-Herren nicht: "Mittlerweile gehören Marken wie Lamborghini, Bugatti und Bentley zur Familie, außerdem brachte VW 1967 die erste Einspritzelektronik – um nur einen wichtigen Vorsprung made in Wolfsburg zu nennen", antwortet Hornig.

Modelle wie der K 70, für die zitierte Seniorin sicherlich ein ganz persönlicher Meilenstein, werden indes draußen bleiben müssen. Draußen, das bedeutet in diesem Fall: in der Stiftung Volkswagen-Museum, der wahren Markensammlung. Die findet sich fünf Fahrminuten entfernt, und zwar ganz ohne Wegbeschreibung – der Shuttle dorthin fährt stündlich. Abfahrtsstation: direkt vor der Autostadt.

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