Autotrends

Was bringt die Zukunft? Was bringt die Zukunft?

Autotrends

— 25.04.2006

Weiß wird heiß

Auch Autos fahren mit der Mode. AUTO BILD zeigt schon heute, was morgen auf den deutschen Straßen angesagt ist.

Die grauen Tage haben ein Ende

Trends im Automobilbau kommen durch die Hintertür. Erst müssen sie sich in der Mode durchsetzen, dann im Möbelbau erfolgreich sein. Anschließend erhalten sie vielleicht im Automobilbau eine Chance. Einer boxt sich gerade durch. Wir können es im eigenen Kleiderschrank beobachten: die Farbe Weiß! Nach vielen Jahren der Grau-Stimmung und Schwarzmalerei sehen die Farbdesigner von BASF eine leuchtende Zukunft für unsere Autos. Die Aussichten sind glänzend. Auch für Gold und Silber in allen Nuancen.

So klar wie bei den Farben scheint der Trend beim Karosseriedesign nicht zu sein. "Wir sind in einer Übergangsphase. Die Industrie versucht, den Retrotrend zu überwinden und den Absprung in die Zukunft zu schaffen", sagt Prof. Lutz Fügener, Leiter des Studiengangs Transportation-Design an der Fachhochschule Pforzheim. Fast alle Hersteller experimentieren mit schärferen Kanten und maskulineren Formen. Endlich legen auch Kleinwagen ihr weiches Mädchenkleid ab. Verstärkt kommen kleine Geländewagen auf den Markt, auch die Hubräume der Motoren schrumpfen weiter. Die Leistung steigt im Gegensatz dazu an, dank Kompressor und Turbolader.

Bei den Cabrios klappen die Dächer aus festem Blech. Langfristig werden die Designer aber wieder simplere Lösungen suchen. Zum Beispiel flexible Verdecke, die sich mit Reißverschlüssen öffnen lassen. Aber das ist ja in unserem Kleiderschrank nichts Neues.

Der alte Schlüssel hat längst einen Bart

1. Weiß wird heiß Die Farbdesigner sind die Langzeit-Meteorologen der Automobilbranche. Die wissen, was morgen kommt. Und die Farbe der Zukunft heißt Weiß. BASF prognostiziert bis zum Jahr 2009 eine Renaissance der Behörden-Farbe in allen Nuancen. Im vergangenen Jahr waren gerade mal 2,1 Prozent aller Neufahrzeuge in Deutschland weiß. Aktuell sehen die Autofahrer am liebsten Schwarz, Grau und Silber. Das schönste am neuen Modetrend: Es gibt ihn meist umsonst. Zum Beispiel als Campanella für den VW Touareg oder als Diamantweiß für den Ford Focus.

Vor zwanzig Jahren war Weiß das Schwarz von heute mit einem Anteil von über zwanzig Prozent. Was die Farbdesigner sonst noch für die Zukunft sehen: Gold, Kupfer und Platin. Und natürlich weiterhin Silber in allen Abtönungen. Dabei muß der Lack nicht glänzen. Wie bei mehreren Studien gesehen, soll die Auto-Außenhaut ermatten. Oder wollen die Farbdesigner uns nur was weismachen?

2. Schlüssellose Startsysteme Wir müssen uns langsam vom guten alten Zündschlüssel verabschieden. Statt dessen tragen wir einen Sender/Codekarte in der Tasche, den das Auto schon von weitem erkennt. Ein Griff zur Tür, sie entriegelt automatisch. Jetzt nur noch auf den Starterknopf drücken, und der Motor läuft. Kein sperriger Schlüssel mehr, der auf das Fahrerknie zielt. Eine schöne Sache, wenn sie ohne Umwege funktioniert. Was es zunächst nur in der Luxusklasse gab, hält jetzt auch Einzug bei den Kleinen. Nur dort (noch) nicht immer ganz problemlos.

Mehr Schwung, mehr Gänge, mehr 3D

3. Schiebetüren Alter Hut, werden Sie sagen. Schiebetüren hat mein 83er Voyager auch. Doch inzwischen gleiten die pfiffigen Portale auch bei Kleinwagen elegant zur Seite – ganz ohne Beulen am Nachbarauto. Elektrische Antriebe per Fernbedienung steigern den Komfort noch weiter. Konkurrenz dürften künftig gegenläufig öffnende Türen bringen, wie sie bereits der Mazda RX-8 besitzt. Der Clou wären gegen läufige Schiebetüren.

4. Mehr Gänge Drei- oder Vierganggetriebe sind längst Geschichte. Heute schalten wir fünf- oder sechsmal. Und auch die Automaten haben schon sechs oder gar sieben Gänge (Mercedes). Weil mehr Gänge auch niedrigeren Verbrauch und weniger Abgas bedeuten, geht diese Inflation weiter. Denn durch Getriebe mit mehr Gängen laufen die Motoren häufiger und länger in idealen Drehzahlbereichen. Die Krönung stellt demnächst der Lexus LS 460 mit acht Automatik-Schaltstufen dar.

5. Anzeigen mit 3D-Effekt Wichtige Fahrerinfos stehen in der dritten Dimension. Bestes Beispiel für diesen Weiteneffekt ist der aktuelle Honda Civic. Alle wichtigen Angaben stehen hinten, zweitrangige Infos im vorderen Bereich. Damit der Blick möglichst wenig zwischen Straße und Instrumenten wandern muß. Das 3D-Prinzip wendet Saab auch im Konzept AeroX an. Drehzahlmesser und Tacho werden auf eine transparente Acryl-Zone projiziert.

Die gucken aus schlauen Augen

6. Intelligente Scheinwerfer und Rückleuchten Leuchtdioden bringen im Automobilbau schon länger Licht ins Dunkel (Blinker, Tagfahrlicht), demnächst dürften sie auch beim Fahrlicht für mehr Durchblick sorgen. Durch die Vielzahl kleiner Lichtquellen anstatt nur einer wie bisher läßt sich die Verteilung flexibler gestalten. Denkbar sind spezielle Stadt-, Autobahn- oder Schlechtwetterverteilungen, bei denen sich die Ausleuchtung gezielt an die aktuelle Fahrsituation anpaßt.

LED-Bremslichter gibt es ebenfalls schon länger. Sie werden künftig aber nicht nur mehrstufig und in Abhängigkeit von der Bremsintensität aufleuchten, sondern eventuell auch grafische Botschaften wie Stoppzeichen oder Gefahrensymbole für den Hintermann beinhalten.

7. Kantige Kleinwagen Nichts gegen Frauen, ganz im Gegenteil. Doch im Autobau sind runde, weibliche Formen einfach total out. Hier zählen scharfe Kanten, klare Linien und dynamische Schnauzen. Und das nicht nur bei großen, schweren Geländewagen, sondern auch bei Kleinwagen. In den USA gehören kantige Kisten wie Scion Xb oder Honda Element längst ganz selbstverständlich zum Straßenbild. In Genf zeigte Dodge mit dem Hornet, wie knackig so ein Mini sein kann. Schöner Nebeneffekt des Kastenaufbaus: viel Platz im Innenraum. Also her damit.

Mehr Leistung, weniger Hubraum

8. Kleine Motoren mit großer Leistung Downsizing, also Verkleinern, heißt das Mittel, mit dem unsere Antriebe in Zukunft aufpoliert werden. Kleinere Hubräume und künstliche Beatmung per Kompressor, Turbolader oder beidem gleichzeitig sorgen für besseren Verbrauch bei mehr Leistung. Für den Motor gelten schließlich keine modischen Prinzipien. Allein Abgaswerte, Wirtschaftlichkeit und Produktionskosten weisen den Weg. So gilt für das Innenleben eines Motors: kleiner ist leichter ist billiger. Denn weniger innere Reibung trägt zum besseren spezifischen Verbrauch einer Maschine bei.

So wie VW es mit der TSI-Technik (AUTO BILD 11/06) vormacht. Die Wolfsburger setzen auf einen relativ kleinen 1,4-Liter-Vierzylinder, der per Misch-Aufladung auf ein günstigeres Drehmoment-Verbrauchsverhältnis getrimmt wird. Auch BMW vertraut dem zweiten Atem des Turboladers. Mit einer neuen Generation von Sechszylinder-Turbomotoren will man das Leistungs- und Drehmomentspektrum der größeren Achtzylinder abdecken. Bei gleichzeitig geringerem Spritkonsum.

Für die Diesel gilt: Sie werden noch sauberer. Aber sie bleiben auch weiterhin teuer. Harnstofftechnik (Mercedes Bluetec), verfeinerte Einspritzsysteme (Piezo-Elemente, zum Beispiel bei Audi) oder Stickoxyd-Katalysatoren (Toyota D-Cat) werden in allen Klassen die wirksamen, aber auch kostspieligen Waffen im Kampf gegen Schadstoffe.

Nicht alle Trends haben eine Zukunft

9. Langfristig werden die Dächer wieder einfacher An die Klappdächer haben wir uns inzwischen gewöhnt, mit dem VW Eos dürften sie aber ihren Höhepunkt erreichen – aufwendiger wird es wohl kaum noch. Langfristig bekommem eher einfachere und vor allem billigere Varianten ihre Chance. Neben Targa und T-Roof denken die Autobauer da auch an Reißverschlußlösungen. Der aktuelle Trend zu großen, verdunkelbaren Glasdächern wird weiter wachsen. Verfeinert wird das Ganze durch persönliche Grafiken oder Ornamente im Dach.

10. Mehr Möglichkeiten im Innenraum Kein Auto wie meins: In Zukunft sollen Kunden ihren Wagen einrichten k.nnen wie die eigene Wohnung. Möglichst individuell, mit weniger Teilen von der Stange. Peugeot bietet im Kleinwagen 1007 bereits Farbdekore an, die mit wenigen Handgriffen austauschbar sind. Der Hersteller bezeichnet diesen Baukasten für Lüftungsdüsen, Türverkleidungen und Stoffabdeckungen der Armaturen als Caméléo-Prinzip. Mini wendet diesen Trick bereits für die Fassade an. Unterschiedliche Dächer- und Außenspiegelmotive machen den Kleinwagen zu einem persönlichen Stück.

… und das ist out: • schwülstiges Retrodesign wie beim Chrysler PT Cruiser • festes Spoilerwerk • massive Keilform wie früher beim Alfa 164 • Kassettenradios • Klarglasrückleuchten, die nach D&W-Katalog aussehen • Fensterkurbeln • runde Flächen, wie noch beim ersten Hyundai Coupé • Sitzkühlung • Diesel ohne Partikelfilter • offene Ablagen • starke Holzmaserungen • rauhbeinige Pumpe-Düse-Diesel • Blautöne • Klappscheinwerfer • Stahlräder

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.