Drei Kompakte im Vergleich

Mercedes-Benz B 200 CDI Mercedes-Benz B 200 CDI

B 200 CDI, C-Max 2.0 TDCi, Golf Plus 2.0 TDI

— 23.05.2005

Wie genial ist Plan B?

Jetzt hat auch Mercedes einen kompakten Van. Die B-Klasse fordert Ford C-Max und VW Golf Plus heraus. Vergleich der Zweiliter-Diesel Mercedes B 200 CDI, Ford C-Max 2.0 TDCi und VW Golf Plus 2.0 TDI.

Vielleicht fahren wir demnächst ja alle rückwärts. Oder Dieselpartikel kurieren Krebs. Entschuldigung, aber meine Welt steht gerade Kopf. Mercedes-Benz bringt eine B-Klasse, die mehr können soll als andere Kompakte. Und das mit dem Namen "B", der nach zweiter Liga, nach Kreisklasse oder B-Lizenz klingt. Doch der Schritt von der A- zur B-Klasse ist logischer, als es im ersten Moment erscheint. B basiert auf A, was die Entwicklungskosten im Rahmen hält. Mit B geht das Mercedes-Einstiegsmodell in die Verlängerung und streckt es auf Kompaktwagengröße (4,27 m). Eine 1A-Lösung, zumindest aus Herstellersicht.

Aber was kann der neue Mercedes Sports Tourer, was die anderen nicht können? Nicht so viel, daß es den Preis von 30.206 Euro rechtfertigen würde. Er kostet in der Basisausstattung rund 5000 Euro mehr als VW oder Ford, ohne dabei hübscher oder intelligenter zu sein. Im Gegenteil: Zwar arbeitet das Klappsystem im Fond tadellos, es fehlt aber der Guck-und-Staun-Effekt wie beim Golf Plus oder C-Max. In dem Wagen klappt alles ganz klassisch, zuerst die Sitzpolster hinter die Vordersitze, anschließend die Lehnen zum Boden. Immerhin: Für 290 Euro Aufpreis lassen sich alle Sessel bis auf den Fahrersitz ausbauen – was wir so auch schon aus der A-Klasse kennen.

Ein vertrautes A-Erlebnis auch auf den Sitzen. Durch den hohen Boden sitze ich extrem flach mit nahezu ausgestreckten Beinen. Das ist unbequem und ermüdet auf Dauer. Das Lenkrad läßt sich in Höhe und Weite variieren, wobei für die Längsverstellung doch tatsächlich 156,60 Euro Aufpreis verlangt werden – ein Unding bei dem hohen Grundpreis. Überhaupt kostet auch bei diesem Mercedes fast alles extra, selbst der Partikelfilter (545,20 Euro), der erst ab Sommer Serie sein soll.

Betriebskosten und Garantien

Beim Fahren gefällt der 140 PS starke Diesel, der deutlich leiser und mit 6,9 Liter Verbrauch auch sparsamer ist als der Vierzylinder von VW (7,4 Liter). Allerdings mag ich die stufenlose CVT-Automatik nicht, die den Diesel unnötig hochdrehen läßt. Die elektromechanische Parameterlenkung arbeitet für meinen Geschmack zu unpräzise, reagiert bei schnellen Richtungswechseln verzögert. Beeindruckend dagegen, wie souverän die B-Klasse schlechtes Pflaster absorbiert. Kein Vergleich mit der doch recht harten A-Klasse. Allerdings können die kurzen Federwege keine Wunder vollbringen. Grobe Wellen oder Unebenheiten bringen mächtig Unruhe in die B-Klasse.

Sportlicher treibt es Ford. Hier werden Familienväter durch eine direkte Lenkung motiviert, sich auf jede Kurve zu freuen. Auch wurde das Fahrwerk recht straff abgestimmt. Das macht dem Fahrer Spaß, aber ob die Passagiere sich auch über die knochentrockene Federung freuen? Prima gefallen hat mir die präzise Schaltung mit dem hochgesetzten Hebel neben dem Lenkrad. Daß es für den 136-PS-Diesel keine Automatik gibt, hat mich nicht gestört. Überrascht war ich dagegen vom ESP. Der elektronische Schleuderschutz läßt dem Fahrer viel Freiheit, regelt erst sehr spät, dann aber heftig.

Ich bezweifele, daß diese Auslegung für einen Familienwagen richtig ist. Zumal der C-Max noch am ehesten die Rolle eines Vans spielt. Die weit nach vorn gelegte A-Säule steigert das Raumgefühl, begrenzt aber den Blick auf die Straße. Im Fond läuft alles prima. Die äußeren Sitze lassen sich diagonal zurück nach innen schieben (ergibt fürstliche Beinfreiheit), wegklappen und sogar ausbauen – und das ohne Aufpreis, meine Herren von Mercedes!

Technische Daten, Fahrleistungen, Wertung

Eine etwas andere Linie verfolgt Volkswagen mit dem Hochdach-Golf. Zur aufrechten Sitzposition bietet er eine trickreiche Rückbank. Sie läßt sich in der Länge um 16 Zentimeter verschieben, asymmetrisch teilen und flachlegen. Das schönste daran: Es funktioniert so simpel wie beim Domino. Einfach die schwarzen Laschen an den Polstern ziehen, und schon fallen Sitzkissen und Lehnen nacheinander um und legen sich flach. Eine wirklich ebene Ladefläche ergibt sich aber erst mit dem doppelten Ladeboden für 150 Euro extra. Beim Fahren bleibt der Plus ganz Golf, bewegt sich aber aufgrund des höheren Schwerpunkts ein wenig behäbiger. Lenkung, Bremsen – alles Golftypisch gut.

Wer schon einmal in einem VW gesessen hat, fühlt sich auch im Plus sofort zu Hause. Wichtig: VW hat die Armaturen überarbeitet und die Qualität noch einmal verbessert. Das sieht wirklich gut aus und fühlt sich hochwertiger an als im "Normal-Golf". Weniger schön ist die beigefarbene Innenausstattung unseres Testwagens – vom Handschuhfach bis zu den Fußmatten. Da zieht schon nach wenigen Tagen ein Trauerflor ein. Auch für den Golf Plus gilt: Er federt überraschend hart über Bodenwellen, über kurze wie lange. Das 15 Millimeter tiefergelegte Sportfahrwerk zusammen mit den 16-Zoll-Reifen paßt zum vanartigen Charakter des Autos wie ein Familienvater in die Singlebörse – eine wirklich komische Kombination.

Besser harmoniert das aufpreispflichtige DSG-Getriebe, das eine Revolution beim automatischen Schalten ist. DSG schaltet so sanft, daß der Fahrer den Gangwechsel besser hören als fühlen kann. Der 140-PS-TDI läuft rauh, dafür mit ordentlich Mumm. Beim Beschleunigen von null auf 100 km/h in 9,4 Sekunden zieht er den Konkurrenten davon. Auch am Ende des Vergleichstests. Der C-Max kann gut folgen, die neue B-Klasse hat hier keine Chance. Und das liegt nicht nur am hohen Preis.

Autor: Margret Hucko

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