B-Klasse gegen Altea und Golf Plus

— 26.04.2005

B trifft Kompaktwagen

Kann der neue Mercedes B die Golf-Klasse aufmischen? Vergleich mit zwei XXL-Kompakten aus dem Hause VW.



Kreativität statt einfach nur Platz

Am Anfang ist das Alphabet jetzt ziemlich komplett. Beim Buchstabieren von A bis E stolpern Mercedes-Fans jetzt nur noch bei D. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Bei der Kreativität der Stuttgarter Entwickler vielleicht sogar schon ziemlich bald. Jetzt gilt es erst mal, Mercedes-Fahrern endlich einen kolossalen Hochdach-Kompakten anzubieten.

Sogar der nicht gerade als Trendsetter berühmte VW-Konzern hat schon zwei im Programm: den nagelneuen Golf Plus und den technischen Bruder Seat Altea. Letzterer will, seit etwa einem Jahr, sogar mehr als Platz bieten, das nüchterne Thema würzen mit mutiger Optik (vom Ex-Alfa-Designer), knalligen Farben (Blutorangen-Rot) und blumig betitelten Ausstattungspaketen (Stylance).

Die Marketing-Strategen wecken mit ihrer Kreation allerdings auch hohe Erwartungen an die Variabilität. Technisch basiert der Seat auf dem Golf V, genau wie der neue Golf Plus. Anders als der Spanier wirbt der Wolfsburger ganz sachlich vor allem mit großzügigerem Platzangebot – das allerdings so überzeugend, daß man sich fast fragt, wozu man jetzt noch den normalen Golf braucht.

Raumwunder nach schwäbischer Art

An vantastischer Variabilität bietet der Plus, wie ab Herbst auch der Seat, eine verschiebbare und klappbare Rückbank. Das ist nicht viel in einem Marktsegment, in dem auch mal das Wörtchen Van fällt. Mercedes-Benz geht das Thema kompromißloser an – wohl auch, weil man (noch?) keinen Touran hat: Bei vergleichbaren Abmessungen bietet die B-Klasse eine Anpassungsfähigkeit wie ein richtiger Van.

Wer für 290 Euro Aufpreis das Easy-Vario-System bestellt hat, kann Rückbank und Beifahrersitz nicht nur umklappen, sondern auch ausbauen – nach der Räumaktion bleibt nur noch der Fahrersitz stehen. So tun sich fast Transporter-Dimensionen auf. Das (Raum-)Wunder in Zahlen: 544 bis zu 2245 Liter Kofferraumvolumen. VW (395 bis 1450 Liter) und Seat (409 bis 1320 Liter) können da nicht mithalten.

Auf dem Fahrerplatz kann die B-Klasse den Vorsprung nicht halten. Der auf der A-Klasse basierende "Compact Sports Tourer" (Pressetext) wirkt zwar gewiß nicht eng. Aber auch mangels Ellenbogenfreiheit sind die Platzverhältnisse nicht so fürstlich wie bei den Konkurrenten des VW-Konzerns.

Sportfahrwerke eher kontraproduktiv

Bei der Qualitätsanmutung nehmen sich alle drei nicht viel. Leichte Vorteile sind beim Golf auszumachen, der zumindest in hellbeiger Ausstattung am feinsten, aber auch am bürgerlichsten scheint. Beim Seat ist das Bemühen um eine flotte Linie nicht zu übersehen, während der Mercedes um zeitlose Rationalität ringt.

Auf der Höhe der Zeit ist das Fahrwerk der B-Klasse, dessen Stoßdämpfer ihre Charakteristik je nach Fahrstil automatisch ändern. Und das neue ESP beeinflußt nicht nur Bremse und Gaspedal, sondern auch die Lenkung. Die serienmäßige Technik mag im noch nicht getesteten Extremfall nützlich sein. Die ersten Fahreindrücke waren jedoch vornehmlich geprägt vom aufpreispflichtigen Sportfahrwerk, das dem Mercedes zwar eine bemerkenswerte Handlichkeit beschert – zusammen mit der geschwindigkeitsabhängigen elektromechanischen Servolenkung wieselt die B-Klasse wie ein Kleinwagen durch den Stadtverkehr –, aber auch spürbar den Komfort einschränkt: Der Mercedes rumpelt ziemlich steifbeinig über Unebenheiten.

Das gilt auch für die Konkurrenten, die ebenfalls mit Sportfahrwerken ausgerüstet sind. Eine kontraproduktive Strategie, taugen die Großraum-Kompakten allen Marketing-Sprüchen zum Trotz eher zum faulen Räkeln und Reisen als zum Rasen.

Seat zeigt, was im Van-Format möglich ist

Der Altea mit Sport-up-Paket (17-Zoll-Alus, Sportsitze und -fahrwerk für 750 Euro) demonstriert immerhin eindrucksvoll, was mit einem Auto im Van-Format möglich ist: Mit kaum spürbarer Seitenneigung saust der Seat durch Kurven, er klebt auf dem Asphalt wie ein Sportcoupé. Keine Frage, es macht mehr Spaß, den Grenzbereich von Serpentinen zu testen, als den der Laderaumkapazität. Die Sitze (Foto) halten den Fahrer dabei sanft, aber nachdrücklich fest wie ein Spanier seine Rotweinflasche.

Der Golf Plus mit derselben Fahrwerkskonstruktion verhält sich ähnlich, wenn auch etwas weniger holperig. Die Komfortsitze bieten nicht soviel Seitenhalt, stellen abseits von Rennstrecken aber die rückenschonendste Option in diesem Vergleich dar.

Mercedes-Benz verbaut in der B-Klasse dasselbe Gestühl wie in der A-Klasse – mithin eines, das nicht viel mehr Rücksicht auf die menschliche Anatomie nimmt als eine Warte-Bank beim Einwohnermeldeamt. Das Sitzkomfortpaket für 128 Euro (unter anderem mit verstellbarer Lordosenstütze) ändert daran nur wenig. Die Sitze wären selbst im Auto eines Allerwelts-Herstellers enttäuschend. Erst recht in einem mit gehobenem Anspruch.

Die Ausstattungen: von gut bis geizig

Gehobenem Anspruch realisieren die Schwaben aber bei der Ausstattung: Sie ist komplett, umfaßt sogar eine serienmäßige Klimaanlage. Als unverzichtbaren Aufpreisposten muß man nur ein Radio einkalkulieren. Und, kein Scherz, für 157 Euro die Längsverstellung der Lenksäule. Serienmäßig ist nur die Höhenverstellung.

VW (Foto) gibt sich noch geiziger bei der Ausstattung. Aufpreise für eine zweifache Lenkradverstellung gibt es hier zwar nicht. Aber die Wolfsburger halten für eine Klimaanlage die Hand auf – jedenfalls in der Basis-Version Trendline. Das Cool & Sound-Paket, das kühlt und klingt, kostet dafür nur 750 Euro. Da kann man gleich den Comfortline mit Serienklima nehmen. Als 2.0 TDI steht er mit 23.600 Euro in der Preisliste.

Am besten ist der Seat Altea ausgestattet. Zumindest in der Stylance-Version, die bei stärkeren Motoren Pflicht ist. Klimaautomatik, Radio, Aluräder, all das kommt serienmäßig. Als 140 PS starker 2.0 TDI kostet der Altea 22.870 Euro, kaum mehr als der spartanische Golf Plus 2.0 TDI Trendline (22 190 Euro). Preis-Tip: Bei www.eseat.de gibt es den Seat Altea 2.0 TDI Stylance für günstige 21.540 Euro. Wie nicht anders zu erwarten, schießt Mercedes den Vogel ab: Als B200 CDI mit 140 PS soll die B-Klasse 27.956 Euro bringen. Mehr als ein vergleichbarer neuer VW Passat.

Die Ausstattungen Mercedes Seat Volkswagen
Modell B 200 CDI Altea 2.0 TDI Golf Plus 2.0 TDI
ABS/ESP/Bremsassistent •/•/• •/•/• •/•/•
Airbags: Front/Seite vorn •/• •/• •/•
Airbags: Seite hinten/Kopf vorn/hinten 389/•/261 –/•/• 265/•/•
Anhängerkupplung abnehmbar 748 2003) 665
Außenspiegel el. verstellbar/heizbar •/• •/• •/•
Außen-/Innenspiegel autom. abblend. –/3547) –/65 –/1557)
Automatikgetriebe 17051) 1400 (DSG) 1700 (DSG)
Bordcomputer 155
Dachreling
Dritte Sitzreihe
Fahrer-/Beifahrersitz höhenverst. •/128 •/• •/107
Fensterheber elektr. vorn/hinten •/371 •/• •/•
Klimaanlage manuell/automatisch •/574 –/• 750/10508)
Kopfstützen an allen Sitzplätzen
Lenkrad verstellbar in Höhe/Weite •/157 •/• •/•
Lederausstattung ab 1456 1320
Leichtmetallräder 820
Metalliclackierung 493 385 430
Multifunktionslenkrad 1204)
Navigationssystem ab 2030 2500 2410
Parkpilot vorn/hinten 650 2505) 3405)
Radio mit CD-Laufwerk ab 499 525
Regen-/Lichtsensor 157 1557)
Reifendruckkontrolle 50
Rücksitzlehne geteilt umklappbar
Rußfilter 545
Schiebedach elektrisch 17052) 490 815
Sitzheizung vorn 325 190 3759)
Sportfahrwerk 238 7506) 205
Tempomat 290 270 185
Xenon-Scheinwerfer 1346
• = Serie; – = nicht lieferbar; Daten beziehen sich auf die Basisaustattung. 1) Stufenloses Getriebe, 2) Lamellenschiebedach, 3) Vorrüstung, Anhängekupplung im Zubehör lieferbar, 4) nur in Verbindung mit Audiosystem CD2, 5) nur hinten, 6) Sportpaket mit 17-Zoll-Rädern und Sportsitzen, 7) Licht- und Sicht-Paket mit Regensensor und autom. Lichtfunktion, 8) Pakete je mit CD-Radio, 9)Winterpaket u.a. mit Scheinwerferreinigungsanlage

Die Motoren: am besten Zweiliter-Diesel

Die Zweiliter-Diesel sind in allen drei Fällen die drehmomentstärksten Motoren, bei Golf und Altea sind sie zudem technisch identisch. Sie bieten ausreichend Laufkultur und bulligen Durchzug bei günstigen Verbräuchen – und gelten daher als empfehlenswerteste Motorisierungen.

Wer mit preiswerteren Motoren liebäugelt, sollte auf phlegmatisches Gemüt gefaßt sein. Alle drei Autos bewegen sich in der Gewichtsklasse von 1,4 Tonnen und stemmen dem Fahrtwind Karosserien von rund 1,6 Meter Höhe entgegen. Nicht einmal der 2.0 FSI mit 150 PS des Altea kann da überschäumendes Temperament entwickeln. Dafür schon ab Tempo 140 km/h deutlich hörbare Windgeräusche. Fahrer der B-Klasse, die den neuen 200er Turbo unter der Haube haben, müssen ihre Ladung dagegen ordentlich festzurren – 193 PS machen ihn zum Renntransporter.

Fazit, technische Daten und Kosten

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Autor Detlev Hammermeister In einem Punkt ist die B-Klasse Maßstab: Weder Golf Plus noch Altea haben so variable Innenräume. Fahrkomfort und Sitze sind aber bestenfalls Durchschnitt – bei astronomischem Preis. Mehr Klasse und Komfort, schlicht mehr Mercedes-Feeling, gibt’s bei VW – und faire Preise bei Seat.

Autor: Detlev Hammermeister



Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Anzeige
Adventskalender 2014

Adventskalender 2014

Im autobild.de-Adventskalender 2014 gibt es Preise im Gesamtwert von über 250.000 Euro.

Jetzt mitmachen und gewinnen!

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote