BAR-Honda

Jenson Button

BAR-Honda

— 27.04.2005

Betrugsverdacht gegen BAR

Für BAR-Honda könnte es ganz dick kommen: Wenn die FIA die Verwendung eines Zusatztanks nachweisen kann, droht das WM-Aus.

BAR 007 beim Nachwiegen zu leicht

Erst im Rückblick mutet das heitere Fazit suspekt an. "Tag und Nacht haben wir geschuftet", hatte Jenson Button nach seinem dritten Platz beim Formel-1-Grand-Prix von San Marino drauflos geplaudert, "jetzt ist es ein anderes Auto und ich denke, wir werden weiter Forschritte machen." Ein Trugschluß womöglich, denn Buttons Rennstall BAR-Honda soll den Boliden in Imola mit einem geheimen, unerlaubten Zusatztank modifiziert haben.

Dem Briten droht nun der Verlust seiner sechs WM-Punkte – und seinem Team im schlimmsten Fall sogar die Streichung sämtlicher Zähler in dieser Saison. Der Automobil-Weltverband FIA wird den Fall am 4. Mai, vier Tage vor dem Großen Preis von Spanien, in Paris verhandeln. Dort muß sich BAR-Honda, mit zehn WM-Zählern derzeit nur auf Rang sieben in der Konstrukteurswertung geführt, schwerer Vorwürfe erwehren. Bereits am Sonntag nach dem Rennen hatte es erste Anzeichen auf Unregelmäßigkeiten gegeben.

Beim Wiegen mit geleertem Tank soll der Bolide mit 594,6 Kilogramm unter dem erlaubten Minimum von 600 gelegen haben. Der Schweizer Chef-Kommissar Paul Gutjahr ließ sich von BAR-Honda anhand der Telemetriedaten zunächst überzeugen und gab grünes Licht – die FIA jedoch legte ihr Veto ein.

Während man bei der FIA Betrug wittert, reagierte das Team British American Racing (BAR), an dem Honda als einer der weltgrößten Motorenhersteller mit 45 Prozent beteiligt ist, entgeistert. "Wir werden die gleichen Daten vorlegen wie den Rennkommissaren, und wir sind zuversichtlich, daß wir einmal mehr beweisen können, daß unser Auto in allen Punkten den Regeln entspricht", so Teamchef Nick Fry.

Tyrell verlor 1984 sämtliche Punkte

Möglich ist jedoch, daß BAR-Honda die Regeln umgangen hat. Das gesamte Rennwochenende über muß ein Formel-1-Auto samt Fahrer, Öl und Wasser mindestens 600 Kilogramm wiegen. Aber: Je leichter es ist, desto schnellere Rundenzeiten sind möglich: So würden etwa 20 Liter Benzin weniger 0,6 Sekunden Vorteil pro Runde bringen. Beim letzten Tankstop dann könnte neben dem regulären Tank auch der Zusatztank mit einigen Litern Sprit gefüllt werden – und schon hat der Bolide das vorgeschriebene Gewicht.

Laut FIA-Regularien muß der Tank eines Formel-1-Wagens indes aus einem Stück bestehen. Fragen, die von der FIA zu klären sind: Ist der vermeintliche Zusatztank im BAR-Honda illegal – oder hat das Team das Paragraphen-Dickicht der PS-Branche lediglich am Rande des Erlaubten umfahren? Wurde der Tank vorsätzlich zum Zwecke des Betrugs eingebaut – oder erfüllt er regelkonforme Zwecke?

Unliebsame Bekanntschaft mit der Härte der FIA machte 1984 bereits das britische Tyrrell-Team. Kommissare entdeckten in den Tanks unerlaubte Bleikügelchen. Die Wagen waren zuvor zu leicht gewesen – die einzige Möglichkeit, mit den Turbos der Konkurrenz mitzuhalten. Tyrrell wurden sämtliche Saisonpunkte abererkannt.

Sollten sich die Vorwürfe gegen BAR-Honda tatsächlich bewahrheiten, klingen Jenson Buttons Aussagen vom Wochenende um so dreister: "Wir litten ein wenig unter dem vielen mitgeführten Benzin. Als der Sprit weniger wurde, waren wir sehr konkurrenzfähig."

Autor: Burkhard Nuppeney

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