Barockstraße im BMW 502 Cabriolet

Barockstraße Barockstraße

Barockstraße im BMW 502 Cabriolet

— 18.09.2009

Ein Fest der Formen

In der Serie "Deutsche Straßen entdecken" erkundet AUTO BILD die schönsten Straßen der Republik – und zwar mit dem dazu passenden Auto. Den Anfang macht der "Barockengel" BMW 502 Cabriolet.

Plötzlich wird alles zu Gold. Abends um kurz vor halb neun fängt es an, zuerst mit den vier Scheinwerfern auf den umliegenden Häuserdächern. Dann gehen die zierlichen, fünfköpfigen Straßenlaternen an, die den Platz umfassen. Und schließlich dringt ein warmer Schimmer durch die großen Kirchenfenster nach draußen. Die Ludwigskirche in Saarbrücken erstrahlt jetzt gänzlich in goldener Farbe. Der Anblick ist so bezaubernd, so herzergreifend, dass man gar nicht mehr wegschauen mag, diesen Ort nie mehr verlassen möchte. "Ein lichter Punkt in einem so felsig, waldigen Lande", notierte Johann Wolfgang von Goethe bei seinem Besuch in Saarbrücken.

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Das bildschöne BMW 502 Cabriolet wurde in den Fünfzigern von Karossier Baur für die Gewinner des Wirtschaftswunders entwickelt.

Das größte Schmuckstück aber, das steht weiter vorn auf dem Ludwigsplatz. Ein BMW 502 Cabriolet von 1955, wegen seiner geschwungenen Formen "Barockengel" genannt. Nur 57 Exemplare des damals 21.900 D-Mark teuren Cabrios hat die Stuttgarter Karosserieschmiede Baur 1955 und 1956 über die BMW-Händler auf den Markt gebracht, eines davon trägt uns jetzt über die Barockstraße Saar-Pfalz. Die Themenstraße führt unter anderem durch Saarbrücken, Blieskastel, Zweibrücken und Ottweiler, konzentriert sich dabei auf die Zeit von 1650 bis 1800.
Technische Daten BMW 502 Cabriolet
V8-Motor • Hubraum 2580 cm³ • Leistung 75 kW (100 PS) bei 4800/min • max. Drehmoment 180 Nm bei 2500/min • Hinterradantrieb • Viergang- Lenkradschaltung • L/B/H 4730/1780/1560 mm • Vmax 160 km/h • Neupreis 1955: 21.900 D-Mark • Versicherungswert heute: rund 102.000 Euro

Die Front feiert eine wahre Orgie aus Chrom

Den Barock zeichne üppige Prachtentfaltung aus, heißt es, und das Gleiche kann man auch über den Barockengel sagen. Allein die geschwungene Linie an der Seite: Sie beginnt schüchtern am hinteren Kotflügel, steigert sich auf dem Weg nach vorn und endet furios am vorderen Kotflügel. An der Front feiern Stoßstange, Grill, Spiegel und Scheinwerfer eine Orgie aus Chrom. Das runde Heck wirkt dagegen fast schon wieder bescheiden, sieht man mal vom großen V8-Logo ab, das den BMW 502 kennzeichnet – den ersten deutschen Achtzylinder nach dem Krieg. Was für ein Aufsehen muss das Auto erregt haben, als es 1951 auf der IAA vorgestellt wurde, damals noch als BMW 501 mit Zweiliter-Sechszylinder. Und wie kühn war es von BMW, den im Straßenbild vorherrschenden Vorkriegsautos, Zweirädern und Kleinstwagen so einen Ausdruck von automobiler Pracht entgegenzusetzen. Der Barockengel war eine exklusive Angelegenheit, und das schlug sich in den Stückzahlen nieder: In der zwölfjährigen Bauzeit entstanden nur rund 22.000 Exemplare.

"Grüner" Tourismus

Es sind natürlich die barocken Eindrücke, die eine Fahrt über die saarländische Mottostraße prägen, es ist ein Fest der Formen. Der 1773 erstmals erwähnte Annahof bei Blieskastel etwa, heute ein Hotel und Restaurant im Besitz der Familie Kaffke. Oder die 1776 errichtete Ölmühle in Berschweiler, in der noch bis 1939 Öl aus Raps gepresst wurde. Und das Barockmenü im Restaurant Zur Linde in Mainzweiler, bei dem die Kellnerinnen (ab acht Personen und nach Voranmeldung) die Speisen in zeitgemäßer Kleidung servieren. Gelegentlich hält dort auch Reichsgräfin Catharina von Ottweiler Hof, die in ihrem bürgerlichen Leben Brigitte Meister heißt. Wer die Augen offen hält, der macht entlang der Barockstraße jedoch noch eine andere Entdeckung – und sieht eine Region im Wandel. Der Steinkohlebergbau, der in Spitzenzeiten bis zu 50.000 Menschen in den saarländischen Bergwerken beschäftigte, weicht dem grünen Tourismus.

Draisine fahren auf alten Schienen, Abenteuer erleben im Hochseilgarten

Natur erleben: Bei Großdrosseln kann man die alten Schienenwege des Kohlebergbaus mit der Draisine befahren.

Bei Großrosseln etwa, nah der französischen Grenze, kann man die für den Kohletransport gebauten Schienenwege am Wochenende mit Draisinen befahren – und dabei ganz viel Natur erleben. "Man lernt nette Leute kennen, ist in Bewegung und sieht unterwegs viele Tiere", sagt Draisinenführerin Stefanie Janßen-Holldiek (22). Und im Saarbrücker Stadtteil St. Johann kombiniert der "AbenteuerPark-Saar" Naturerlebnis mit Sport und Pädagogik: Auf dem 56 Stationen umfassenden Waldhochseilgarten geht es vor allem darum, gemeinsam Herausforderungen zu überwinden. "Im Vordergrund steht die Pädagogik", sagt Mitbetreiber Volker Frohnhoff, "die Anlage selbst ist dafür nur ein Werkzeug." Schaut man den Chemie-Doktoranden zu, die da oben gerade in bis zu zwölf Meter Höhe herumturnen, bekommt man aber den Eindruck, dass das Ganze auch eine Menge Spaß macht. Nach drei Tagen auf der Barockstraße rollt der 502 jetzt auf den Anhänger, er geht zurück zu BMW Classic nach München. Wir verabschieden uns von unserem Barockengel – und behalten das gleiche warme Gefühl zurück, das wir schon an der Ludwigskirche in Saarbrücken verspürt haben.
Barockstraße: Tipps und Adressen entlang der Route
Ottweiler Pavillon Ein barockes Kleinod ist der Pavillon inmitten eines prachtvollen Rosengartens, nahe der heutigen Bundesstraße 41. Tourist-Info Ottweiler, Schlosshof 5, Telefon: 06824/3511.
Waldpark Schloss Karlsberg In Homburg/Saar erinnern der Karlsberger Hof sowie die Ruine der Orangerie an die einst prachtvolle Barockresidenz. Führungen auf Anfrage. Karlsberger Hof, Telefon: 06841/173052.
Traditionsreiches Landgestüt Zweibrücken Edle Pferdestärken sind bei zahlreichen
Veranstaltungen zu bestaunen. Gutenbergstraße 16, Telefon: 06332/17556.
Barocke Altstadt in Blieskastel Neben dem alten Markt, dem Paradeplatz sowie Herkules-und Napoleonbrunnen finden sich barocke Bauwerke wie Rathaus, Orangerie oder die Schlosskirche mit imposanter
Portalfassade. Verkehrsamt Blieskastel, Zweibrücker Straße 1, Telefon: 06842/9261314.
Ludwigskirche in Saarbrücken Als Herzstück einer Place-Royal-Architektur und Krönung des Schaffens des Barockbaumeisters F. J. Stengel bildet sie mit dem umliegenden Palais ein schönes Ensemble. Tipp: Der "Stengel-Rundgang" von dort zum St. Johanner Markt bis hin zum Saarbrücker Schloss.


Weitere Tipps und Übernachtungsangebote zur Barockstraße finden Sie unter: www.kurz-nah-weg.de/barock.


Autor: Alex Cohrs

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