Beginn der Rallye-Schottersaison

Beginn der Schottersaison

— 16.04.2002

Peugeots Anti-Belag?

Die Rallye-WM geht in Zypern auf Stein, Kies und Geröll weiter. Loser Grund für feste Hoffnungen der Gegner des Weltmeisterteams

Ist Peugeot noch zu stoppen?

Drei Siege in Folge, in der Tabelle mehr als doppelt so viele Punkte wie der Zweitplatzierte Ford. Ist Peugeot in der Rallye-Weltmeisterschaft noch zu stoppen? "Auf jeden Fall", glaubt Subaru-Teammanager George Donaldson. Die Hoffnung von Donaldson und seinen Kollegen von Ford, Mitsubishi, Hyundai, Citroën und Skoda: Auf Schotter war Peugeot bisher nie so überlegen wie auf dem Schnee von Schweden (Sieger Grönholm) oder dem Asphalt von Korsika und Spanien (Panizzi).

Nun wechselt die WM das Parkett: Zypern bildet vom 19. bis 21. April den Auftakt für insgesamt fünf WM-Läufe auf hartem Geröll. Peugeot-Piloten erinnern sich ungern an diesen "Anti-Belag": In Zypern, Argentinien und Griechenland gab es 2001 null Punkte. Bei der "Safari" in Kenia magere sechs. Karge (Aus-)Beute für die Löwen. Nur auf weichem Schotter wie in Finnland, Australien oder Großbritannien (Sieger Grönholm) zeigten die Franzosen der Konkurrenz letztes Jahr das Heck, machen sich diesmal aber nach ihrem Traumstart selbstsicher auf den steinigen Weg.

Ob der Markenweltmeister seine Schotter-Schwäche inzwischen überwunden hat, hängt auch vom Fortschritt der Reifen ab. Aber das Wissen über die Walzen wird gehütet wie die Kronjuwelen. Ob Härte der Gummi-Mischung oder der Aufbau - die Hersteller schweigen hartnäckig. Fakt ist: 2001 waren die Pirelli von Ford und Subaru dem restlichen Feld (alle auf Michelin) auf steinigem Terrain überlegen.

Zypern könnte Peugeots Siegeszug bremsen, zumal Peugeots 206+ WRC Reglements-bedingt in unveränderter Form aufläuft. Und einige Gegner, wie Subaru und Ford mit neuesten Evo-Versionen in die Schotter-Runde starten.

Alle Rallye-Teams und ihre Stärken

1. Peugeot Peugeot geht nahezu mit dem Vorjahresauto in die Schotter-Phase. Fahrwerk, Dämpfer und Federn bleiben gleich. Nur die aktiven Differenziale haben die Peugeot-Tüftler angepasst. Unklar: Wie gut sind elektrohydraulisches Fahrwerk und aktive Stabilisatoren auf Geröll? Reifen: Michelin. WM-Punkte: 52

2. Ford Das Team aus Dovenby Hall fährt auf Risiko, sucht noch nach der richtigen Strategie. Beweis: der Testcrash von Sainz (Spanien). Ursache war ein Defekt in einer Experimental-Lenkung. Nach Colin McRaes Unfall (Korsika, Überrollkäfig extrem beschädigt) hält sich das Gerücht, Ford spare inzwischen an gefährlichen Stellen Gewicht ein. Reifen: Pirelli. WM-Punkte: 25

3. Subaru Bestes Allround-Auto. Muss sich deswegen oft den Spezialisten auf Asphalt bzw. Schotter geschlagen geben. Die auf Korsika präsentierte Impreza-Evolutionsversion unterscheidet sich lediglich in Details (Motor, Frontspoiler) vom Vorgänger. Bei Tests in Spanien für Schotter abgestimmt (Differenziale, Fahrwerk). Reifen: Pirelli. WM-Punkte: 20

4. Mitsubishi Konstruktionsfehler an der Vorderachse - Spur und Sturz verstellen sich unter Belastung. Chefingenieur Bernard Lindauer hofft, dass sich das auf Schotter weniger negativ auswirkt als auf Asphalt, wo präzise Radführung Erfolg garantiert. Jani Paasonen verstärkt das Team, ist auf Schotter schneller als François Delecour oder Alister McRae. Reifen: Michelin. WM-Punkte: 6

5. Skoda Das Team zieht alle Register, um auf Schotter vorne dabei zu sein: Neuer Motor (vom VW-Tuner Lehmann), neue Stoßdämpfer (Reiger) und neue Federn (H+R) sollen den Octavia auf Schotter konkurrenzfähiger machen. Zumindest die komplette Fahrerpalette fühlt sich auf Schotter-Belag wohler als auf glattem Asphalt. Reifen: Michelin. WM-Punkte: 3

6. Hyundai Mit der neuesten Evolutionsversion des Accent dabei - und neuen Ingenieuren für die Abstimmung auf Schotter, an Geometrie, Kinematik, Radaufhängung. Probleme machen die Stoßdämpfer (Proflex). Armin Schwarz: "Die werden wir künftig sicher selbst entwickeln." Auch Motor und Reifenverschleiß sind zu verbessern. Reifen: Michelin. WM-Punkte: 1

7. Citroën Bestreitet 2002 nur sieben WM-Läufe, ist erst in Kenia und Finnland wieder dabei. Aber zum Trainieren reisen die Werksfahrer bei allen Rallyes an. Hoher Testaufwand. Sogar in Argentinien sind umfangreiche Probefahrten angesetzt. Citroën umgeht so das lokale Testverbot für Werke, die jeweils am Start sind. Reifen: Michelin. Ohne WM-Wertung

"Grönholm kann nichts erschüttern"

Ähnlich dominierend wie Peugeot in der Marken-Wertung der WM ist Marcus Grönholm (34) als Fahrer. 21 Punkte hat der 2000er-Weltmeister schon eingefahren - und damit 17 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2001. Dabei kommt seine Spezialität erst noch: Schotter-Rallyes. Denn Grönholm stammt aus Espoo in (Süd-)Finnland, dem Land der 1000 Seen. Teer und Asphalt sind dort Luxus. Jede Fahrt zum Bäcker wird also zur Schotterprüfung. Als Junge ist er mit Freunden in alten Autos auf dem Bauernhof der Eltern um die Wette geblasen. Vorteile, die skandinavische Fahrer verbinden. Diese "Grund"-Ausbildung können die Piloten aus Großbritannien oder Frankreich kaum bieten.

Pech für Grönholm 2001: Die Technik ließ ihn im Stich, er unterlag im Titelkampf trotz zwei Siegen Richard Burns (damals Subaru). Der Brite ist jetzt Teamkollege - und schärfster Konkurrent. "Eine Stallregie wird es nicht geben", hat Teamchef Corrado Provera seinen Stars schon "Feuer frei" gegeben. Sein Vertrauen vor allem in Grönholm ist grenzenlos: "Den Kerl kann nichts erschüttern."

Marcus Grönholm Mit Tempo 160 driften, das Heck ganz weit heraushängen lassen, das Auto ständig im instabilen Zustand - dabei fühlt sich Grönholm am wohlsten. Auf losem Untergrund kennt er (acht WM-Siege auf Schotter/Schnee) nur einen Gegner - die Technik des 206 WRC. Wahrscheinlich lässt der Weltmeister von 2000 weitere Schotter-Erfolge folgen. WM-Stand: 21 Punkte

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