Fahrschülerin und Fahrlehrer

Begleitetes Fahren

— 10.05.2016

Start mit 17

Mit 17 schon Auto fahren, davon träumen viele junge Menschen. Damit das möglich wird, hat der Gesetzgeber das Begleitete Fahren eingeführt. Wie funktioniert das, welche Regeln gelten?

Die Idee hinter dem Begleiteten Fahren mit 17 (BF17) ist einleuchtend. Wenn die Fahranfänger schon ein Jahr Praxis im Straßenverkehr sammeln konnten, fühlen sie sich im Blechgewimmel sicherer und bauen weniger Unfälle. Damit auch alles möglichst glatt läuft, dürfen Fahranfänger nur ins Lenkrad greifen, wenn eine geeignete Begleitperson auf dem Beifahrersitz zugegen ist.

Die Voraussetzungen

Wer beim Begleiteten Fahren mitmachen will, kann sich schon im Alter von 16 Jahren und sechs Monaten mit der ausdrücklichen Zustimmung eines Erziehungsberechtigten in der Fahrschule anmelden. Dabei sollten auf dem Antragsformular schon die späteren Begleitpersonen aufgeführt sein. Allerdings ist es möglich, den Kreis der Beifahrer später noch zu erweitern. Das Prozedere gleicht dem einer normalen Fahrschulausbildung: Der Führerscheinanwärter muss eine gewisse Anzahl an Praxisstunden absolvieren und die theoretische sowie praktische Prüfung bestehen. Neben den Übungsstunden á 45 Minuten, deren Anzahl von Schüler zu Schüler variieren, und vom Fahrlehrer bestimmt werden, schreibt der Gesetztgeber noch zwölf Pflichtstunden vor: fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten und drei Nachtfahrten.

Kfz-Versicherungsvergleich

Ein Service von

Versicherung vergleichen und bis zu 850 Euro sparen!

  • Über 200 Tarife im Vergleich
  • Kostenlos und unverbindlich

Welche Autos darf man fahren

Sobald man die Fahrprüfung erfolgreich absolviert hat, bekommt man die sogenannte Prüfbescheinigung ausgehändigt. Da auf dieser kein Foto des Absolventen zu sehen ist, muss bei den zukünftigen Fahrten immer ein gültiger Ausweis mitgeführt werden. Den echten Führerschein dürfen sich die Teilnehmer dann pünktlich zum 18. Geburtstag auf der Führerscheinstelle abholen. Diesen Termin sollte man einhalten, da die Prüfbescheinigung nur noch drei Monate nach dem 18. Geburtstag gültig ist. Neben den Kosten für die Fahrschule fallen dann auch noch die Gebühren für die Ausstellung der Bescheinigung an: In München werden beispielsweise 43,40 Euro fällig. Dafür sind dann bei der Erteilung des regulären Führerscheins noch 7,70 Euro zu bezahlen. Auch die Überprüfung und das Eintragen der Begleitpersonen ist nicht umsonst, und kostet bis zu elf Euro.

Eine ganz entscheidende Frage ist natürlich, welche Autos man schon mit 17 bewegen darf. Grundsätzlich alle, die auch beim normalen Führerschein der Klasse B erlaubt sind. Ob es ratsam ist, gleich in einem 500-PS-Sportwagen sein Können auf die Probe zu stellen, sei einmal dahingestellt. Es empfiehlt sich aber auf alle Fälle, einen Blick in die Versicherungspolice des Fahrzeugs zu werfen. Wenn darin explizit das Mindestalter eines Fahrers festgelegt ist, könnte es zu Problemen mit der Versicherung kommen. Zwar erlischt nicht automatisch der Haftpflicht-Versicherungsschutz, aber saftige Nachzahlungen (schließlich hat man ja eine Vertragsklausel verletzt) bis hin zur Kündigung durch die Versicherung sind möglich. Ohne Begleitperson, darf man alle Fahrzeuge der Führerscheinklassen AM (z.B. Mopeds und Mofas, die bis zu 50 km/h schnell sind) und Klasse L (zum Beispiel Zugmaschinen) bewegen.

Welche Begleitperson?

Wie der Name schon suggeriert, muss beim Begleiteten Fahren immer ein Copilot an Bord sein. Dieser muss gewisse Voraussetzungen erfüllen und in dem BF17-Antrag aufgeführt sein. Einfach mal einen Kumpel, der schon den echten "Lappen" hat, auf den Beifahrersitz bitten, ist nicht. Die Begleitperson muss eine ganze Reihe von Auflagen erfüllen: Sie muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen im Besitz des Führerscheins Klasse B oder Klasse drei und darf maximal einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg haben.

Harte Strafen drohen

Beim Begleiteten Fahren werden im Grunde die gleichen rechtlichen Maßstäbe angelegt, wie beim regulären Führerschein. Also gibt es auch hier eine zweijährige Probezeit, in der zwischen sogenannten A- und B-Verstößen unterschieden wird. Zu den schwerwiegenden A-Verstößen zählen: Trunkenheit am Steuer (bis 21 Jahre null Promille), Unfallflucht oder illegale Autorennen, aber auch das Fahren ohne Begleitperson. Sobald man dabei erwischt wird, verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre und man muss an einem Aufbau-Seminar teilnehmen. Wiederholungstäter bekommen eine Verwarnung und beim dritten Mal ist der Führerschein für drei Monate weg. Das Bußgeld kommt bei natürlich noch obendrauf.

Zwei B-Verstöße werden wie ein A-Vergehen gewertet. Zu der B-Kategorie gehören zum Beispiel das Handy-Telefonieren am Steuer, wenn man mehr als 20 km/h schneller als erlaubt ist oder bei Rot über die Ampel brettert und dabei erwischt wird. Übrigens kann ein BF17-Fahrer auch Punkte in Flensburg sammeln. Wer die Prüfbescheinigung nicht dabei hat, muss zehn Euro berappen und sie später bei einer Polizei-Dienststelle vorlegen. Im Ausland darf man als BF17 übrigens nicht fahren, eine Ausnahme ist Österreich, da das BF17-Modell fast identisch mit dem deutschen ist.

Begleitetes Fahren lohnt sich

Ein wichtiges Thema beim Begleiteten Fahren ist der Versicherungsschutz. Wie schon gesagt, sollte zunächst genau überprüft werden, ob das Begleitete Fahren in der Kfz-Versicherung abgedeckt ist. Falls Zweifel bestehen, sollte man bei der Versicherung direkt nachfragen und den Vertrag ändern. Das Begleitete Fahren erfüllt seinen Zweck: Eine Studie des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr hat ergeben, dass Führerscheinfrischlinge, die am Begleiteten Fahren teilgenommen haben rund 28,5 Prozent weniger Unfälle und begingen 22,7 Prozent weniger Verkehrsverstöße als herkömmliche Fahranfänger. Das wirkt sich auch in den Versicherungsbeitragen aus: Im Schnitt wird die Haftpflicht für BF17-Absolventen um 20 Prozent billiger und bei der Kasko sind bis zu 14 Prozent drin.

Autor: Wolfgang Gomoll

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.