Bentley Bentayga trifft Suzuki Ignis

Bentley Bentayga/Suzuki Ignis: Test

— 12.05.2017

Ich mach dich nass, Dicker!

Aufruhr im Schlamm! Der Suzuki Ignis spuckt Seiner Auto-Majestät Bentley Bentayga ans Blech. AUTO BILD wagt den unmöglichen Vergleich.

Hätte Queen Elizabeth II. gesehen, was wir von AUTO BILD in einer Schlammkuhle in der Nähe von Rom veranstalten, sie hätte womöglich ihre Corgis auf uns gehetzt. Fass, diese Deutschen sind böse! Was, um Himmels willen, würde der Queen einen Zacken aus der Krone brechen? Nun, sagen wir so: Wir wollten da was probieren, wie Jungs halt so ticken, wenn sie 435 PS unterm Hintern haben und ausblenden, dass auch Autos für 174.335 Euro kaputtgehen können.

Der Luxus-Trumm geht auch im Gelände ganz ordentlich

Majestätsbeleidigung? Mitnichten! Auch abseits befestigter Straßen schlägt sich der Bentayga gut.

Und dann passiert das: Wir prügeln einen nagelneuen Bentley durch Matsch und Schlamm, so einen Bentayga, den auch die Queen fährt. Patsch, Wasser spritzt, peng, Steine schlagen gegen den Unterboden, dann kommt von hinten dieser Suzuki Ignis angewackelt, lässt kurz sein 1,2-Liter-Motörchen aufheulen, zieht am Bentley vorbei und schießt ihm dabei 'ne ordentliche Ladung Dreckwasser gegen die Seite. Ich mach dich nass, Dicker! Jedenfalls dürfen wir vorerst nicht mehr auf die Rennstrecke – dieser Schmutz. Unser Testwagen hat 21-Zoll-Räder mit 285er-Puschen, die Pampe sitzt in jeder Ritze. Wenn wir jetzt losfahren, könnten wir gleich den städtischen Kehrwagen hinterherjagen. Also lieber auf den Anhänger kriechen mit den beiden Schlammbrüdern und abkärchern. Zeit für uns, mal unters dreckige Blech zu gucken. Fangen wir beim Ignis an, das 3,70-Meter-Kerlchen ist ja schön kurz, da sind wir schnell rein und wieder raus.
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Kostensenkung dominiert die Anmutung des Ignis-Cockpits

Sparsam: Nicht nur im Vergleich zum Testgegner fällt das Interieur des Ignis deutlich ab.

Wo wir da so drinsitzen und auf Cockpit sowie Türverkleidungen klopfen – klong, klong –, verdichtet sich unsere Vermutung: Suzukis Rechenschieber müssen einen ordentlichen Restposten Hartplastik eingekauft haben und zwicken das Zeugs jetzt massenweise in die Autos. Mensch, Leute! Wenn ihr da mal ein bisschen mehr weichen Kunststoff und Amore reinstecken würdet, der Kleine wäre ja der Herzensbrecher vor dem Herrn, der erste Zwergen-SUV, mit dem Schneewittchen über die sieben Berge düsen würde. Diese hohen Blechflanken! Diese prallen Proportionen! Diese fette C-Säule! Jeder, der sagt, SUVs seien dicke Dreckschleudern, sollte sich mal den Ignis angucken, dieses Kerlchen von der Kürze eines VW Up und der Sitzhöhe eines BMW X1. Grandios! Das trifft übrigens auch auf das Sitzkonzept zu. Ab der Ausstattung Comfort sind die Rücksitze einzeln verschiebbar. Das geht ganz fix mit einer Hand; vor und zurück, je nachdem, ob im Fond ein dreijähriger Zwerg hockt und dahinter ein großer Karton in den Kofferraum muss oder gar kein Gepäck, aber sich ein langer Lulatsch in den Fond quetscht. Alles ist möglich, auch die beiden Lehnen einzeln in der Neigung zu verstellen.
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Und hier sind wir schon beim automobilen Liebling Ihrer Majestäten, der Ölmultis, Oligarchen, Lottomillionäre oder Steinreichen-Tanten-das-Geld-Abjager. Ähm, Geld? Läppische 174.335 Euro Grundpreis für das 2,5-Tonnen-Trumm in der Ausstattung "Nackte Hütte"? Pah, spielt doch keine Rolex! Ach, die Uhr. Vorn im Cockpit, überm Navi und zwischen den Lüftungsdüsen, tickt 'ne Breitling.

Auf den hinteren Plätzen fehlt dem Bentley die Opulenz

Der Duft der großen, edlen Welt: Im Bentayga steckt so ziemlich alles, was gut und teuer ist.

Wir riechen den Luxus der großen weiten Welt. Und er schmeckt gut. Allein das fein gesteppte Leder! Die Kuh, die dafür sterben musste, wurde wahrscheinlich totgestreichelt. Wir wollen jetzt nicht zu jubelig werden. Denn der Bentayga-Fond ist zwar Queen-tauglich, die 1,63-Meter-Dame thront hinten königlich. Aber spätestens aus 1,91-Meter-Prinz William könnte heraussprudeln: "What? In jedem Skoda Superb ist mehr place!" Die Einzelsitze im Fond lassen sich zwar elektrisch nach vorn und hinten fahren, und auch die Lehne ist verstellbar, aber die Beine über Kreuz schlagen ist nicht. Und 484 Liter Kofferraumvolumen sind jetzt auch nicht die Welt. Der Ignis hat 204 Liter, und das ist echt wenig. Wenn du die Lehnen umklappst, hast du eine hässliche Stufe, aber auch 1086 Liter Volumen, mehr als doppelt so viel wie im Bentley. Und der ist zehnmal so teuer. Sie merken: Wir kleinen Leute können uns auch die mickrigste Hütte schönschreiben. Und haben dem süßen Fratz mit dem lustigen Nähmaschinen-Motörchen nicht mal die Sporen gegeben.

Gegen den Bentayga hat der Suzuki natürlich keine Schnitte

Eher gemächlich: Selbst bei Vollgas wirkt der Ignis, als hätte er hinten den Bentayga am Haken.

Aber jetzt! Schluss mit Kärchern, jetzt ist Bleifuß König! Wenn man das im Ignis so sagen darf. 120 Nm Drehmoment, und die erst bei 4400 Touren, kommen dir vor, als hänge hinten der Bentley am Haken, die Lenkung ist so gefühllos wie ein englischer Banker, der dir Lehman-Brothers-Aktien andrehen will, kurzum: Du tust dem Nippon-SUV wirklich keinen Gefallen, wenn du ihn von der Stadt (guter 10-Meter-Wendekreis!) auf die Schnellstraße lotst. Merkt auch Kollege Ivo, der den Bentayga pilotiert und einfach mal einen Krampf im rechten Fuß simuliert. Paff, der Bentley stürmt mit 900 Nm knapp über Leerlaufdrehzahl nach vorn, knack, die Achtstufenautomatik ist so schnell wie Speedy Gonzales nach 'ner Dose Red Bull, und uff, nach 4,8 Sekunden steht die Nadel bei 100 km/h, nach der ersten Kurve keine Spur mehr vom neuen Diesel-Dampfhammer. Unfassbar, wie ein so dicker Brocken derart nach vorn peitscht, so stabil in der Spur bleibt, unglaublich, dass so eine Schrankwand fährt wie ein tief geduckter Sportwagen, dank Luftfederung den Spagat aus Dynamik und wolkenweichem Komfort meistert.

Was tun? Anruf bei Martin Braun von AUTO BILD Allrad. Warum ist der Bentley so gut? "Tja", sagt der Kollege, "steckt eben ein Audi Q7 drunter." Und dass wir auf gar keinen Fall in steiniges Gelände fahren sollen, da würde der Brite mit seiner Wandlerautomatik und dank der hohen Bodenfreiheit nämlich hochkraxeln, der Suzuki mit dem Unterboden hängen bleiben. Also wieder in den Schlamm? "Ja", sagt Martin, "da ist Suzi stark!" Da spielt dieses halbe Hähnchen seine Stärken aus. Kurz vor Tagesschau, der Bentayga torkelt über den Schlamm, von hinten kommt der Ignis angewackelt, stürmt auf die Pfütze zu. Ich mach dich nass, Dicker! Sorry, Frau Queen, wir dürfen das, wir sind AUTO BILD.

Technische Daten Bentley Bentayga Diesel: • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3956 cm³ • Leistung: 320 kW (435 PS) bei 3750/min • max. Drehmoment: 900 Nm bei 1000/min • Vmax: 270 km/h • 0–100 km/h: 4,8 s • Antrieb: Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Tankinhalt: 85 l • L/B/H: 5140/1998/1722 mm • Kofferraum: 484–1774 l • Leergewicht: 2506 kg • EU-Mix: 8,0 l Diesel/100 km • Abgas CO2: 210 g/km • Preis: ab 174.335 Euro

Technische Daten Suzuki Ignis 1.2 Dualjet Allgrip: • Motor: Vierzylinder, vorn quer • Hubraum: 1242 cm³ • Leistung: 66 kW (90 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 120 Nm bei 4400/min • Vmax: 165 km/h • 0–100 km/h: 11,9 s • Antrieb: Allradantrieb, Fünfganggetriebe • Tankinhalt: 30 l • L/B/H: 3700/1660/1595 mm • Kofferraum: 204–1086 l • Leergewicht: 945 kg • EU-Mix: 5,0 l Super/100 km • Abgas CO2: 114 g/km • Preis: ab 15.990 Euro
Andreas May

Andreas May

Fazit

Was für 'ne Schlammschlacht! Sorry, Bentley, sorry, England. Dass wir den Bentayga derart besudelt haben, grenzt an Majestätsbeleidigung, denn einen edleren SUV gibt es zurzeit nicht. Aber es gibt auch keinen cooleren SUV als den Suzuki Ignis. Und mit dem sind wir heavy in love. Denn Suzi zeigt uns, dass zehn Prozent des Bentley-Preises reichen, um Herzrasen zu kriegen.

Stichworte:

SUV

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