Bentley Continental GT

Bentley Continental GT Bentley Continental GT

Bentley Continental GT

— 25.09.2002

Das stärkste Stück VW

Tradition verpflichtet. 50 Jahre nach dem legendären Bentley Continental R bringen die Briten ein neues Coupé, das wie damals Maßstäbe setzen soll.

Erster komplett neuer Bentley von VW

Ein neuer Bentley ist immer wie ein Naturereignis. Er kommt selten, aber gewaltig. Und duldet keinen Widerspruch – jedenfalls wenn es um Leistung und Luxus geht. So verhält es sich auch jetzt wieder mit dem Continental GT. Dass es dieses Mal dennoch ganz anders ist und ein völlig neues Licht auf die britische Traditionsmarke wirft, liegt nicht an dem Auto selbst, sondern an seinen investitionswilligen Vätern. Die kommen aus Niedersachsen und sprechen in erster Linie deutsch.

Vor vier Jahren übernahm der VW-Konzern Bentley und Rolls-Royce, verkaufte kurz darauf die Rolls-Royce-Markenrechte an BMW und konzentriert sich seitdem auf die sportlichere Marke Bentley. Vier Jahre Durststrecke sind jetzt vorbei, das erste vollkommen neue Auto unter VW Regie ist fertig. Fast jedenfalls. Denn offiziell ist der neue Bentley nur ein "Concept Car", eine Studie ohne Serienreife. Aber Raul Pires, verantwortlicher Designer für das Exterieur, beruhigt: "Der Wagen kommt zu 99,9 Prozent so, wie er hier steht, auf den Markt." Was fährt da also auf uns zu?

Auf jeden Fall kein automobiler Riese wie in der Vergangenheit. Der "kleine Bentley" übt sich äußerlich in vornehmer Zurückhaltung. Das wunderschön geschwungene Coupé mit Anleihen beim ruhmreichen Vorgänger aus den 50ern streckt sich gerade mal auf gut 4,80 Meter. Was angesichts von sonst üblichen Bentley-Maßen (5,40 Meter) wirklich bescheiden ist. Doch keine Angst: Auch dieser Bentley begibt sich damit nicht etwa in die Tiefen des normalen Autofahrer-Luxus. Er lässt sich nur um eine einzige Stufe hinab, um immer noch deutlich oberhalb eines Mercedes CL seine Käufer zu suchen.

Mindestens 150.000, höchstens 175.000 Euro

"Der Preis wird unterhalb eines Arnage liegen, aber höher sein als bei anderen günstigeren Luxusautos", erklärt Bentley-Chef Dr. Franz-Josef Paefgen die Abgrenzung zum absoluten Luxussegment der großen Rolls-Royce- und Bentley-Limousinen. Konkret: mindestens 150.000 Euro, höchstens 175.000. Wofür es ein einziges Modell mit Vollausstattung gibt. Wer Extrawünsche hat, muss sich auf Farben und Ledersorten konzentrieren. Und da gibt es reichlich Möglichkeiten. Immerhin müssen pro Fahrzeug bis zu zwölf Kühe ihre Haut opfern.

Die Innenverarbeitung selbst verspricht höchsten Standard. "Jeder wird diese Qualität im Auto als einmalig erkennen", ist sich der Bentley-Chef sicher. Und er muss es wissen. Schließlich kennt er als Ex-Audi-Chef die super Verarbeitung von A8 und VW Phaeton sehr genau. Aber das ist nur eine Stärke des neuen Continental.

Bentley-Fahrer sind auch in puncto Leistung durstig. Und daher schenkt das neueste Modell kräftig ein: zwölf Zylinder, zwei Turbolader, mehr als 500 PS, schneller als 290 km/h. Alles bequem über eine Sechsgangautomatik und vier angetriebene Räder auf die Straße gebracht. Das kommt natürlich nicht nur aus der Bentley-Küche, die Briten haben sich beim Technik-Cocktail kräftig bei VW bedient. "Wo Komponenten unsere Ansprüche erfüllten, haben wir sie aus dem Regal genommen. Wo nicht, haben wir sie verändert oder neue eingebaut", verrät Dr. Paefgen die Rezeptur.

Leichtbau, aber Stahl- statt statt Alukarosse

So stammen der Zwölfzylinder und das Luftfederfahrwerk von VW, Allrad und Automatik von Audi. Nur bei der Karosserie selbst konnte Bentley sich nicht an Mutters Rock festhalten. Sie ist eine Eigenentwicklung, die allerdings in Deutschland gefertigt und zur Endmontage nach England geliefert wird. Dass die deutsch geführte englische Edelfirma dabei weiter auf Stahl setzt und nicht zum leichteren Aluminium greift, hat einen einfachen Grund: VW kann das nicht. Paefgen diplomatisch: "Bereits sehr früh ist aus Zeitgründen die Entscheidung für eine Stahlkarosse gefallen."

Eigentlich schade. Denn gerade bei der Frage nach dem endgültigen Gewicht des eleganten Coupés zögert der Bentley-Chef mit der konkreten Zahl: "Wir wollen unter 2200 Kilogramm bleiben. Was angesichts der äußerst üppigen Ausstattung nicht leicht wird." So beschränkt sich der intelligente Bentley-Leichtbau auf Aluminium- und Kunststoffteile im Bereich Fahrwerk und Karosserie. Was echte Bentley-Fans aber kaum wirklich interessieren dürfte.

Sie können sich auf ein liebevoll eingerichtetes Hochleistungscoupé freuen (der Viertürer ist bereits in Arbeit, eine offene Variante bietet sich später an), das neben höchster Handwerkskunst vor allem Spitzentechnik und Platz für vier auch auf längeren Reisen bietet. Und diese Kombination ist auch heute noch selten wie ein Naturereignis.

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