Continental GT von Mansory

Mansory Bentley Continental GT Mansory Bentley Continental GT

Bentley Continental GT von Mansory

— 16.03.2005

Das Gesamt-Kunstwerk

Das hätte sich Walter Owen Bentley wohl nicht träumen lassen: Der Mansory Bentley Continental GT basiert auf Wolfsburger Technik – und erhält von einem gebürtigen Perser in der Oberpfalz seinen edelsten Schliff.

High-End-Tuning auf persisch

Bentley. Ein Name wie Donnerhall. In Jahrzehnten zur Legende gereift. Zwischenzeitlich am Rand der Bedeutungslosigkeit angekommen. Und jetzt – Ferdinand Piëch sei Dank – wieder eine starke Marke im Schoß der großen Mutter Volkswagen, die der britischen Adoptivtochter zu neuem Charme verhilft.

Zu ihren stärksten Stücken zählt zweifellos der Continental GT. Ein Auto mit einem legendären Namen. Ein stilistisches Monument, dem trotz seiner wuchtigen Erhabenheit die Eleganz aus allen Fugen quillt. Ein Coupé, das nicht beschnitten wirkt, sondern mit seinen klassischen Formen und üppigen Abmessungen ein selbstbewußtes Statement abgibt: Hier stehe ich – und wer mich nicht mag, sorry, der kann mich mal.

Ganz ehrlich: Es fällt schwer, den Continental nicht zu mögen. Schließlich hat ihm die Wolfsburger Mutter so gut wie alles mitgegeben, was ihn edel und teuer macht: sechs Liter Hubraum, zwölf Zylinder, zwei Turbolader, 560 PS, 650 Newtonmeter, Allradantrieb, Sechsstufen-Automatik und fast alle erdenklichen elektronischen Hilfsmittel. Dazu einen luxuriösen Innenraum, wundervolle Sessel, erlesene Materialien. Fehlt eigentlich nur noch der offene Kamin. Ein solches Auto kann man nicht besser machen. Dachten wir.

Zwölfzylinder im Carbon-Mantel

Andere denken da anders. Zum Beispiel Kourosh Mansory. Der fleißige Mann, seit 15 Jahren in der Veredlerzunft aktiv, residiert mit seiner Firma im Fichtelgebirge nahe Bayreuth und hat mit dem hier vorgeführten Exemplar des Continental GT erstmals seine ganz persönlichen Vorstellungen von High-End-Tuning verwirklicht. Mit einem Programm, das sich oberflächlich ganz normal liest: Bodykit, Chiptuning, Radsatz, Innenausstattung – banale Begriffe für das, was sich in diesem Fall dahinter verbirgt.

Okay, die sportlich, aber nicht aufdringlich gestylten Front- und Heckschürzen bestehen auch bei Mansory aus simplem Polyurethan-Kunststoff. Doch die Akzente machen den Unterschied. Passend zum Kühlergrill gestaltete Lüftungsgitter aus verchromtem Edelstahl lockern die mächtige Frontpartie optisch ebenso auf wie die Ringaufsätze für die serienmäßigen Scheinwerfer und die in rohrförmigen Chromhüllen versteckten Nebellampen.

Verchromter Edelstahl setzt auch anderswo die Akzente. So beispielsweise an den Seitenschwellern, die im hinteren Bereich durch eine Zierblende betont werden – und am Heck, wo vierkantige Endrohre die Abgase entlassen. Damit der Fahrtwind besser strömt, spendiert Mansory dem Continental einen zusätzlichen Spoiler auf dem Heckabschluß.

Die letzten Zweifel des staunenden Publikums an der besonderen Exklusivität des Mansory-Bentley zerstreuen jedoch die Räder: Verchromte 20-Zoll-Räder mit sieben Speichen bilden die passende Basis für Yokohama-Pneus im Format 275/35 ZR 20. So exorbitant wie die Abmessungen des rollenden Guts sind auch ihre Kosten: Der komplette Radsatz schlägt mit 5681 Euro zu Buche.

Meßwerte und Preise

Noch nicht festgelegt wurde dagegen bislang der Preis für eine weitere optische Delikatesse des Mansory-Bentley, die sich allerdings erst bei tieferer Betrachtung offenbart. Denn wer die mächtige Motorhaube aufklappt, traut zunächst seinen Augen nicht: Statt der normalerweise selbst bei Premium-Mobilen gängigen Kunststoff-Verkleidungen im Motorraum erstreckt sich hier ein Kohlefaser-Panorama, das in Anmutung und Verarbeitung jedem Innenraum zur Ehre gereichen würde. Doch anstatt Armaturenbrett und Mittelkonsole kleidsam zu verhüllen, dient das edle Carbon-Zierwerk hier nur zur Krönung des Kraftwerks unter der Haube. Mansory-Geschäftsführer Michael Stein: "Das können Sie im Moment noch nicht kaufen. Wir müssen erst mal testen, ob und wie das Material auf die Temperaturen im Motorraum reagiert."

Wie dagegen der Motor auf die Änderungen in der Steuerelektronik reagiert, wissen wir schon jetzt: Ein Zuwachs von 70 PS und 100 Newtonmetern schraubt die Leistung auf satte 630 PS, das Drehmoment auf runde 750 Nm. Das sollte genügen, um die zweieinhalb Tonnen zu beschleunigen. Und das tut es auch: Kaum senkt sich der Gasfuß, erhebt sich ein bedrohliches Grummeln aus den Tiefen des Motorraumes – und dann geht die Post ab. Nicht schlagartig, sondern eher sanft, aber mit unerhörtem Nachdruck. Vergleichbar etwa mit dem Abheben einer Saturn-V-Trägerrakete in Cape Canaveral, aber mit deutlich weniger Rauchentwicklung.

Die Mansory-Angabe von optimistischen 4,5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 verfehlt der schwere Wagen zwar, aber 4,9 Sekunden sind auch nicht schlecht für einen Zweieinhalbtonner – und außerdem war die Piste bei unseren Messungen nicht hundertprozentig trocken. Witterungsbedingt konnten wir auch die Herstellerangabe von 327 km/h für die Höchstgeschwindigkeit (Serie: 318 km/h) nicht überprüfen, doch die ist bei einem solchen Auto wohl eher sekundär. Viel mehr als auf nackte Zahlen kommt es bei einem Automobil diesen Zuschnitts darauf an, wie sich der Vortrieb anfühlt. Und dafür gibt es in diesem Fall nur ein einziges passendes Attribut: souverän.

Kohlenstoff statt Walnußwurzel

Die Urgewalt, mit der der schwere Bentley jeden Tritt aufs Gaspedal in unbändigen Vortrieb umsetzt, nötigt Fahrer und Passagieren hohen Respekt ab. Respekt auch vor der ungeheuren Masse, die sich da in Bewegung setzt und von den serienmäßigen Bremsen wieder eingefangen werden muß. Doch auch in dieser Disziplin gibt es nichts zu meckern: Die mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern wahrhaft riesigen Scheiben garantieren, daß der Bremsweg aus Tempo 100 in jedem Fall unter der kritischen 40-Meter-Marke bleibt. Trotzdem beschleicht den Chauffeur vornehmlich bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn bisweilen ein flaues Gefühl. Motto: Wie lang würde wohl die Schneise ausfallen, die ein solcher Brocken nach dem Abkommen von der Fahrbahn in den Wald schlüge?

Doch soweit muß es ja nicht kommen. Genießen wir lieber die ausgesprochen komfortabel ausgelegte Luftfederung und die Tatsache, daß man schnell fahren könnte, aber nicht unbedingt muß. Speziell auf kurvenreichen Landstraßen fährt sich der Continental trotz seines überraschend neutralen Fahrverhaltens behäbig und verleitet eher die Insassen zur Bewunderung des Interieurs als den Chauffeur zur Raserei. Und zu bewundern gibt es tatsächlich allerhand. Denn hier handelt es sich um das wahre Meisterstück von Mansory.

Sämtliche Flächen, die man in einem Bentley in Walnußwurzelholz erwarten würde, sind hier in Kohlefaser ausgeführt: Armaturenbrett und Mittelkonsole erstrahlen ebenso in dem High-Tech-Kunststoff wie das Lenkrad – das Ganze in einem Farbton, der durchaus an Holz erinnert, aber eben keines ist. Statt einer natürlichen Maserung sorgt das gleichmäßige Wechselspiel zwischen braunen und honiggelben Fasern für ein absolutes Aha-Erlebnis. Puristen werden spätestens jetzt die Nase rümpfen, und man muß es auch nicht unbedingt schön finden. Aber bemerkenswert ist es allemal, und vor allem absolut perfekt verarbeitet: Präzise Anschlüsse in den Fugen, wunderbar gearbeitete Kanten und ein abgrundtiefer Glanz zeugen davon, daß hier Meister ihres Fachs am Werk waren.

Fazit und technische Daten

Besonders deutlich wird das am Lenkrad, das sich wie eine Skulptur vor dem Fahrer aufbaut. Trotz der unerhörten Dicke des Lenkradkranzes wirkt es dank der hochglänzenden Carbon-Oberfläche und der Einlagen aus gefühlsechtem, schwarzem Nappaleder fast schon wieder filigran. Massiv dagegen ist sein Preis: Allein für das Lenkrad berechnet Mansory 2482 Euro.

Nicht billig ist auch die Lederausstattung vom Bugatti- und Maybach-Lieferanten Dräxlmaier: Vor den seidenweich gegerbten Rinderhäuten im Mansory-Bentley wäre vermutlich sogar der alte Mister Connolly in die Knie gegangen – und man ertappt sich unwillkürlich immer wieder beim Nachfühlen: Kann es wirklich sein, daß sich Leder so anfühlt? Da sage noch einer, man könne einen Bentley nicht mehr verbessern.

Fazit von AUTO BILD TEST & TUNING-Redakteur Hermann J. Müller Neue Ideen, perfekte Umsetzung: Wir ziehen den Hut vor dem Erstlingswerk des Herrn Mansory. Vor allem der ebenso virtuose wie professionelle Umgang mit Leder und Kohlefaser hat uns schwer beeindruckt. Vor diesem Hintergrund relativieren sich auch die stolzen Preise. Perfektion kostet nun mal. Stören könnte es die solvente Kundschaft allerdings, daß Mansory nur Teile und keine Komplettfahrzeuge verkauft.

Kontakt: Mansory Cooperation GmbH, Telefon: 09236/ 96 98 80, www.mansory.com

Autor: Hermann J. Müller

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.