Bentley Continental Supersports (2017): Fahrbericht

Bentley Continental Supersports (2017) im Test: Fahrbericht

— 21.02.2017

Mit 710 PS in den Ruhestand

Der Supersports ist die letzte Ausbaustufe des Bentley Continental. Sein W12 mit 710 PS ist der bislang stärkste Bentley-Motor. Fahrbericht!

710 PS und 1017 Nm sind schon eine Ansage. Aber selbst der bislang stärkste Bentley-Motor macht aus dem Topmodell der inzwischen zwölf Jahre alten Conti-Familie keinen leichtfüßigen Kurvenkünstler. AUTO BILD war mit dem Über-Bentley unterwegs!
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Tschüss, Chrom! Am Topmodell werden die sonst glänzenden Anbauteile geschwärzt.

Erster Eindruck: Im Bentley Continental Supersports ist alles dran, alles drin. Carbon, nicht gramm- sondern kiloweise. Flächendeckend Leder und Alcantara, auf Wunsch dreifarbig, kreuz und quer abgesteppt, gerne mit Kontrastnähten und Kedern. Vier opulente Sitze auf der Grundfläche eines großzügigen Zweisitzers. Mehr Lautsprecher als das Tonstudio von Kanye West. Und ein Lenkrad, so konservativ wie das alte Geld, das um diesen Bentley einen großen Bogen machen dürfte. Denn die meisten der 710 Supersports-Kunden wollen auffallen mit dem auf Überholspur-Bösewicht getrimmten Sondermodell. Zu diesem Zweck gibt's Splitter, Schürzen und Spoiler satt. Ganz zu schweigen von fetteren Endrohren, dunkel lackierten Felgen und viel Glanzschwarz statt Chrom. Den prolligen Heckflügel kann man beim Coupé abwählen, das Cabrio muss ohnehin auf das hintere Luftleitblech verzichten. Ein Fall für die Geschmackspolizei ist das zweifarbige X-Paket, das dem perfekt proportionierten Zweitürer ein fragwürdiges Harlekin-Gewand überstreift.

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Der Supersports bleibt klassisch

Im Cockpit gibt's flächendeckend Leder und Alcantara, auf Wunsch dreifarbig.

Mangels Keyless Go feiert der Zündschlüssel im Conti ein spätes Comeback. Einmal drehen aktiviert die Zündung, der kurze Druck auf den Startknopf verwandelt den Zwölfzylinder in ein leise wummerndes Schnurrwerk. Der Sechsliter-Motor ruht in sich, die auf 800 Nm fixierte Nadel des Drehzahlmessers ist der primäre Arbeitsnachweis. Man kann zwar über die Schaltpaddel die Gänge manuell vorwählen, doch die je nach Fahrzustand sanft bis engagiert schaltende Achtstufen-Automatik besorgt das mit ähnlichem Taktgefühl. Das etwas zu hektisch abgestimmte Sportprogramm bevorzugt den Schnelldurchlauf – gepaart mit einem künstlich erzeugten Auspuffblaffen, das sich in diesen Kreisen eigentlich von selbst verbieten sollte.

Mit über zwei Tonnen Gewicht kein Rennwagen

Der Spoiler des Bentley Continental Supersports Coupé kann optional abbestellt werden.

Der Supersports bringt 2280 Kilo auf die Waage. Trotzdem zeitrafft uns das allradgetriebene Coupé in nur 3,5 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 336 km/h, den Mixverbrauch wollen die Bentley Boys mit 15,7 Liter gemessen haben. Wer das Auto ausfahren will, der muss den Luftdruck ab 200 km/h in zwei Stufen erhöhen, denn 58 Prozent des Gewichts lasten auf der Vorderachse, was beim Bremsen und Einlenken die Pirelli P Zeros auf die Probe stellt. Trotzdem heizen sich die 21-Zöller (275/35er rundum) auf der Rennstrecke nicht so schnell auf wie befürchtet. Auf der Rennstrecke? Die Start-und-Zielgerade des F1-Kurses in Estoril ist zwar gut für draußen gesetzwidrige 265 Sachen, aber in den engen Kurven tut sich der kopflastige Supersports relativ schwer. Trotz Torque Vectoring ist der Weg zum Scheitelpunkt gepflastert mit kleinen Fluchten. Nur wer Geduld aufbringt und erst spät Stoff gibt, kann die Ideallinie einigermaßen halten. Auch die Bremse hat ihre liebe Not mit der Masse und dem Moment – Kräfte, die selbst von den serienmäßigen Carbon-Keramik-Scheiben im Klodeckel-Format nur mit Mühe in Zaum zu halten sind. Keine Frage: Der Parcours zwischen Startampel und Zielflagge ist bestenfalls die dritte Heimat des Vollbluts aus Crewe.

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Der Nachfolger steht bereit

Dafür federt dieser Bentley besser als die meisten seiner Hardcore-Konkurrenten, frei nach der Formel "Gewicht + Radstand = Komfort". Lange Wellen schluckt der ab 264.775 Euro teure Gleiter mit Bravour, kurze Irritationen werden nonchalant weggebügelt. Selbst Längsrillen und Schlaglöcher bringen das inklusive Spiegel über 2,22 Meter breite Coupé nicht aus dem Konzept. Das Infotainment ist mittlerweile zwar einigermaßen auf Stand, in Bezug auf die Assistenzsysteme hat der Fortschritt um die Conti-Baureihe aber einen großen Bogen gemacht. Gleiches gilt für Hightech-Goodies wie die Hinterachsenkung oder den aktiven Wankausgleich. Das wird sich erst mit dem Nachfolger ändern, den Bentley auf der IAA 2017 (14. bis 24. September) präsentiert. Wie bei der ersten Generation markiert damit auch diesmal der Supersports den Höhepunkt einer erfolgreichen Karriere. Mit abgezählten 1017 Nm, über 90 Lack-Optionen und 17 verschiedenen Lederfarben trifft dieser Bentley zielgenau die goldene Mitte aus Angasen und Angeben.

Bentley Continental Supersports (2017): Fahrbericht


Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Ein gebrauchter Supersports der ersten Serie ist kaum weniger emotional, ein neuer GT Speed kaum langsamer. Doch der größte Feind des bärenstarken Gleiters ist wohl die ab Herbst 2017 lieferbare dritte Auflage des Bentley-Bestsellers!

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