Erstes Foto vom Bentley GT Coupé

Bentley GT Coupé Bentley GT Coupé

Bentley GT Coupé

— 11.06.2002

Das Luxus-Kraftwerk

Mit dem ersten komplett neuen Auto unter VW-Regie will sich Bentley mit dem Coupé ab 2003 "nach unten öffnen". Jetzt hat Bentley noch einige technische Details verraten und das erste offizielle Foto präsentiert.

Deutsch-englische Gemeinschaftsproduktion

Wie bereitet sich ein Boss auf seine nächste Aufgabe vor? Franz-Josef Paefgen fuhr vor allem ausgiebig Auto. Noch während seiner Amtszeit bei Audi borgte sich der Oldtimer-Fan für drei Wochen einen Bentley SIII Continental aus. "Ein toller Wagen", schwärmt der Manager, der in diesen Tagen seinen Wohnsitz von Ingolstadt nach Crewe verlegt. "Die Lenkung und die Abmessungen sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber das Flair ist unvergleichlich. Dieses Erlebnis war die perfekte Einstimmung auf mein neues Leben mit Bentley."

Am 1. Januar 2003 werden die Marken Bentley und Rolls-Royce getrennt. Bentley kommt gemeinsam mit Bugatti, VW und Skoda zur Nordgruppe des Volkswagen-Konzerns. Rolls-Royce kehrt unter Führung von Tony Gott zurück zu BMW. Mit diesem Akt ist für RR ein Ortswechsel verbunden: Das neue Hauptquartier entsteht in Goodwood, südlich von London. Bentley bleibt in Crewe, einer farblosen Industriestadt unweit von Manchester.

Weil die Kapazität der altehrwürdigen Fabrik für die neue Modellreihe nicht annähernd ausreicht, entschied man sich für einen deutsch-englischen Werkverbund. Die Rohkarossen für die Baumuster BY 611 und 614 werden bei VW in Mosel gefertigt und dann zur Endmontage nach Großbritannien transportiert. Dort will man im Rahmen eines flexiblen Manufakturkonzepts ausgefallene Kundenwünsche (Lack, Leder, Holz) prompt erfüllen.

Coupé-Markteinführung Mitte 2003

Die neue Produktfamilie hört auf das Kürzel MSB – mid-size Bentley. Der Begriff mid-size erscheint allerdings relativ: Das GT-Coupé ist knapp unter fünf Meter, die ST-Limousine deutlich über fünf Meter lang. Damit konkurrieren die neuen Modelle direkt mit den klassischen Bentley wie Continental und Arnage. Mittelfristig wird es deshalb einen neuen full-size Bentley (FSB) geben, der die Größenverhältnisse wieder zurechtrücken soll. Für das Design von MSB und FSB ist der von Skoda nach England gekommene Chefdesigner Dirk van Braeckel zuständig.

Dem Belgier ist es auf Anhieb gelungen, den prinzipbedingt für einen Bentley viel zu langen vorderen Überhang geschickt zu kaschieren. Weil der Motor wie im VW Phaeton direkt über der Vorderachse sitzt, ergeben sich untypische Proportionen und eine im Verhältnis zum Innenraum stattliche Außenlänge. Für das entsprechende optische Gegengewicht sorgt das elegante Fließheck mit den dreidimensional herausgearbeiteten Kotflügeln, die nicht von ungefähr an das Original aus den 50er Jahren erinnern. Das Gepäckabteilist über eine kurze Klappe gut zugänglich. Alle vier Seitenscheiben lassen sich vollständig versenken.

Die Produktion des Coupés beginnt im März 2003. Die Markteinführung startet in der zweiten Hälfte 2003. Im April 2004 folgt der Viertürer. Hier standen zwei Entwürfe zur Diskussion: ein sportlich-elegantes Fastback mit Anklängen an den klassischen Flying Spur und ein eher konventionelles Stufenheck, das bei Kundenbefragungen besser ankam. Bei diesen Kliniktests zeigte Bentley neben dem GT auch die direkten Wettbewerber, den Ferrari 550, den Mercedes CL 600 und den Aston Martin DB7. Mit einem Preis von knapp 150.000 Euro liegt der Bentley ungefähr auf halber Höhe zwischen DB7 und Maranello. Interessantes Detail am Rande: Um Gewinn zu machen, muss der MSB Absatz im Mittel über 7000 Stück pro Jahr betragen.

Stärkster Serienmotor mit 500 PS

Ursprünglich sollten GT und ST mit einem 5,0-Liter-V8 bestückt werden. Geplant waren drei Leistungsstufen: Green Label/450 PS, Red Label/500PS, Black Label/575 PS. Dieser Vorschlag ist inzwischen vom Tisch. Stattdessen wird es vorläufig nur eine einzige Motorisierung geben, den 6,0-Liter-W12 von VW – allerdings in stark modifizierter Form. Mit Hilfe von zwei Turboladern werden gut 500 PS erreicht, heißt es nun offiziell. Es handelt sich bei dem Motor um einen der leistungsstärksten, der je in einem Serienfahrzeug zum Einsatz gekommen ist.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h wird um die fünf Sekunden betragen, die Höchstgeschwindigkeit mehr als 285 km/h, so der Hersteller. Zum Fahrwerk gehören eine Mehrlenkerachse hinten, doppelte Dreieckslenker vorn sowie eine elektronische Dämpfereinstellung. Für die Kraftübertragung an alle vier Räder ist eine manuell schaltbare Sechsgangautomatik zuständig. Kommentar aus Wolfsburg: "Der W12 ist in der Herstellung nur 2250 Euro teurer als der V8, aber er bringt am Markt fast 15.000 Euro mehr als ein Achtzylinder." Der MSB übernimmt zwar den Allradantrieb, die Luftfederung sowie Elemente der Karosseriestruktur vom VW Phaeton, doch die Radaufhängung aus Leichtmetall ist ebenso eine Spezialanfertigung wie Lenkung und Bremse.

Obwohl Bentley kein Vorreiter in Sachen Hightech sein will, hat die Marke uneingeschränkt Zugriff auf das Know-how und die Aggregatebank von VW/Audi. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es den MSB mittelfristig auch als V8 oder V10 (FSI und TDI) geben wird. Die Weiterentwicklung der Produktpalette verspricht viel Spannung für die nächsten vier bis sechs Jahre. Dies sind die Schwerpunkte: • Erweiterung der MSB-Palette. Neben GT und ST ist ein viersitziges Cabriolet im Stil des Java Show Car angedacht. Gute Chancen hat angeblich auch ein Shooting-Brake-Edelkombi mit höhenverstellbarem Fahrwerk im Stil des Audi allroad quattro. • Neue FSB-Baureihe mit Limousine (auch als Langversion), Coupé und Cabriolet. • W16-Hochleistungssportwagen als Straßen-Pendant zum Le-Mans-Auto.

Von wegen strafversetzt: Auf den neuen Bentley-Boy Franz-Josef Paefgen wartet ein echter Traumjob.

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