"Benzingipfel": Entscheidung

Zapfsäule mit E10-Hinweisschild Zapfsäule mit E10-Hinweisschild

"Benzingipfel": Entscheidung

— 08.03.2011

E10 fließt weiter!

Entscheidung auf dem Benzingipfel: Der Bio-Sprit E10 wird nicht abgesetzt, auch nicht vorübergehend. Tankstellen sollen die Autofahrer mit E10-Listen informieren.

(dpa) Bundesregierung, Auto- und Mineralölindustrie wollen die Millionen verunsicherter Autofahrer möglichst schnell über den Biosprit E10 aufklären. Das ist das Ergebnis des "Benzin-Gipfels" vom 8. März 2011. Die Regierung hält trotz des Boykotts vieler Verbraucher an dem Super-Benzin mit zehn Prozent Ethanol fest. Nach tagelangen gegenseitigen Schuldzuweisungen verständigten sich die Teilnehmer des "Benzin-Gipfels" auf folgende Punkte:
• Die Autofahrer sollen an den Tankstellen in Listen sehen können, ob ihr Auto den Biosprit Benzin verträgt.
• Mineralöl- und Autowirtschaft werben verstärkt für E10.
• Deutsche Fahrzeughersteller und Importeure erklären ihre Angaben zu E10 für rechtsverbindlich.
• Die Autobranche will ein Internetportal einrichten, wo Autofahrer mit ihrer Fahrzeug-Identifikationsnummer nachsehen können, ob ihr Auto E10 verträgt.
• Autohersteller und Kfz-Gewerbe händigen Händlern und Herstellern die Verträglichkeitsliste aus, um Kunden besser zu informieren.

Checken Sie hier: Verträgt mein Auto Super E10?

Umweltminister Röttgen nach dem Benzingipfel: "Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit von Öl zu verharren."

"Wir sind der Überzeugung, dass die Tankstelle der Ort ist, an dem der Verbraucher Klarheit haben muss", sagte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Er verteidigte die Einführung des neuen Sprits als Beitrag zu mehr Klima- und Umweltschutz und geringerem Ölverbrauch. "Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit von Öl zu verharren." Ein Tempolimit lehnte er als Lösung ab. Mit Blick auf Garantien der Automobilbranche sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie, Klaus Bräunig: Die sogenannte DAT-Liste über die Verträglichkeit von E10 für die Fahrzeugtypen sei rechtsverbindlich. "Das Zivilgesetzbuch gilt auch für die deutsche Automobilindustrie", sagte er, ohne weitere Angaben zu Garantien für eine Unverträglichkeit zu machen.

Alle Fakten zum Bio-Sprit E10

Die Mineralölwirtschaft wies den Vorwurf der Blockade zurück. Es habe sich keineswegs um einen Einführungsstopp gehandelt, aber logischerweise werde man die Raffinerien nicht weiterlaufen lassen, wenn die Läger voll würden, sagte der Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard. Jetzt gehe es darum, die Kundenakzeptanz für E10 möglichst rasch zu steigern. "Denn die Läger sind voll."
Zitate vom Benzingipfel
„Das Produkt wartet.“
Der Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, am Dienstag
nach dem „Benzingipfel“ zum bisherigen Ladenhüter E10.
„Wir sehen jeden Tag Herrn Gaddafi, der sein Volk bombardiert.“ Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zu den Alternativen zu E10.
„Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit von Öl zu verharren.“
„Die Tankstelle ist der Ort, wo der Verbraucher Klarheit haben
muss.“
Röttgen zur neuen Informationsoffensive - an allen Tankstellen
sollen nun Listen ausgelegt werden, welche Autos E10 vertragen.
„Das ist kein Staatsbenzin.“ Röttgen zu Vorwürfen, man zwinge die Wirtschaft E10 einzuführen.
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: "Ich glaube, dass wir damit einen großen Beitrag geleistet haben, dass die Verunsicherung abgebaut wird." Von Regierungsseite waren außerdem Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba beteiligt, zudem der Bauernverband und Verbraucherschützer. Der ADAC begrüßte das Festhalten an der Einführung von E10. "Wir müssen die Verbraucher bei diesem sensiblen Thema allerdings viel besser mitnehmen und zeigen, dass Politik, Industrie und Ölkonzerne ohne Einschränkung hinter dem neuen Kraftstoff stehen", teilte ADAC-Präsident Peter Meyer mit.

Fast drei Millionen Autos vertragen E10 nicht, zudem gibt es große Zweifel an den Klimaschutzvorteilen. Unterschiedliche Informationen zur Verträglichkeit haben dazu geführt, dass Millionen Fahrer mit E10-tauglichen Autos auf das acht Cent teurere Super Plus ausweichen. Brüderle hatte sich zuvor offen gezeigt, die Einführung des Biosprits für eine "Atempause" auszusetzen.

E10 wurde bisher an rund 7000 der bundesweit 15.000 Tankstellen eingeführt. Da Raffinerien auf vollen E10-Tanks sitzen, wurde die Einführung an weiteren Orten vorerst gestoppt. Mit mehr Biosprit will die Regierung das Klima schützen und Deutschland unabhängiger vom Öl machen. Die Einführung geht auf die Biosprit-Richtlinie der EU von 2009 zurück – allerdings schreibt die EU nur vor, dass bis 2020 zehn Prozent der im Transportsektor verbrauchten Energie erneuerbar sein muss. Wie das Ziel erreicht wird, ist Sache der Regierungen.

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