Benzinpreis-Explosion

Benzinpreise: Hoch zu Ostern

Benzinpreis-Explosion

— 12.04.2006

Alle Jahre wieder

Der Osterausflug könnte ein teures Vergnügen werden: Die Öl-Branche nutzt die Reiselust der Deutschen wieder für einen Rekordversuch.

"Konzerne zocken Oster-Urlauber ab"

Pünktlich zur Oster-Reisewelle 2006 kletterten die Benzinpreise auf neue Jahres-Höchststände. Experten werfen den Mineralölkonzernen deshalb Abzocke vor. Gerd Lottsiepen, Sprecher vom Verkehrsclub Deutschland, zur "Bild"-Zeitung: "Die Konzerne nutzen die Zeit der Urlaubsfahrten regelmäßig aus, um die Preise zu erhöhen. Zu Lasten der Verbraucher werden so Sonderprofite eingefahren." Die Begründungen für die steigenden Preise seien "an den Haaren herbeigezogen".

Die Benzinpreise wurden in den letzten Wochen um acht Cent erhöht. Ein Liter Super kostet im Schnitt schon 1,33 Euro, Benzin 1,31 Euro – rund 13 Cent mehr als vor einem Jahr. Der ADAC schließt zu Ostern einen weiteren Preisanstieg nicht aus. Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst: "Eine Entspannung ist nicht in Sicht, die Preise bleiben auf hohem Niveau."

Am billigsten kommen nach den jüngsten ADAC-Erhebungen Autofahrer in Bremen und Nürnberg davon, die für den Liter Super etwa 1,28 Euro bezahlen müssen. Auch bei Diesel ist Bremen mit 1,08 Euro pro Liter vorn. Erfurter und Kieler dagegen haben schlechte Karten, dort kostet Super-Benzin bereits jetzt um 1,33 Euro pro Liter, Diesel 1,15 bzw. 1,16 Euro. Die regionalen Preisunterschiede seien stärker ausgeprägt als noch vor wenigen Wochen. So beträgt der Preisunterschied beim Diesel ganze sieben Cent, obwohl die beiden Städte Kiel und Bremen nur knapp 200 Kilometer voneinander entfernt liegen. Der ADAC rät darum Autofahrern, in Hochpreiszonen nur das Nötigste zu tanken und dann später bzw. im preisgünstigeren Ausland nachzufüllen.

Vier Fragen an Markt-Expertin Sandra Ebner

Über das heiße Thema Ölpreise sprach AUTO BILD mit Sandra Ebner, Ölmarkt-Expertin der Deka-Investment-Bank in Frankfurt/Main.

AUTO BILD: Rohölimporte waren im abgelaufenen Jahr um 38,3 Prozent teurer als 2004. Warum? Sandra Ebner: Die wichtigsten Gründe sind der Atomstreit mit dem Iran und die politische Situation zum Beispiel im Irak oder in Venezuela. Da fast alle Ölländer an der Kapazitätsgrenze fördern, können Produktionsausfälle kaum noch abgefedert werden.

Wird Sprit dadurch teurer? Benzin und Diesel werden nicht im gleichen Maße teurer, da sich die Zapfsäulenpreise zu etwa zwei Drittel aus Steuern zusammensetzen. Und die werden kurzfristig nicht erhöht.

Wie ist Ihre Prognose für 2006? Ich rechne damit, daß wir im Sommer einen neuen Höchststand haben werden. Zahlen kann man noch nicht nennen. Denn es ist unklar, ob die Hurrikan-Saison in den USA so verheerend wird wie 2005. Fallende Ölpreise sind rein theoretisch möglich, wenn die Nachfrage im Weltmarkt sinkt oder die Fördermenge steigt. Ein Nachfragerückgang aber ist wegen des starken Energieverbrauchs vor allem in China und Indien unwahrscheinlich. Und in höhere Förderkapazitäten wird zur Zeit ebenfalls nicht ausreichend investiert.

Werden wir jemals wieder billigen Sprit zapfen können? Das ist in den nächsten Jahren sehr unwahrscheinlich – auch wenn es immer mal wieder Phasen mit niedrigeren Preisen geben wird.

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