Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer

Berliner Raser: BGH prüft Mord-Urteil

— 01.02.2018

Raser-Urteil zur Revision beim BGH

Zwei Berliner Raser wurden vor einem Jahr wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt befasst sich der BGH mit dem Fall. Ein Urteil gibt's im März.

Online-Voting

'Mord: Das Raser-Urteil von Berlin finde ich ...'

(dpa/brü/cj) Zwei Jahre nach einem illegalen Autorennen über den Berliner Ku'damm , bei dem ein Unbeteiligter um Leben kam (Foto von der Unfallstelle oben), hat am 1. Februar 2018 vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe der Revisionsprozess gegen zwei junge Raser begonnen. In einem bundesweit einmaligen Urteil hatte das Berliner Landgericht die beiden Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurde den damals 24 und 26 Jahre alten Fahrern für immer der Führerschein entzogen. Die Männer hatten dagegen Revisionen eingelegt. Die Verteidiger forderten von den Karlsruher Richtern zu Beginn der Verhandlung eine Aufhebung des Urteils wegen mehrerer Rechtsfehler. Vor dem BGH ist auch der Sohn des getöteten Autofahrers als Nebenkläger erschienen. Ein Urteil wird das höchste deutsche Gericht nach eigenen Angaben am 1. März 2018 sprechen (4 StR 399/17).

Raser zu lebenslanger Haft verurteilt

Beim Prozess vor dem Berliner Landgericht wurden zwei Angeklagte wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Berliner Landgericht war am 27. Februar 2017 den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt, die auf lebenslang wegen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung plädiert hatte. Die Anklage hatte im Prozess argumentiert, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Juristen nennen so etwas bedingten Vorsatz. Die Verteidiger hatten dagegen Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert. Den Angeklagten wurde auch der Führerschein auf Lebenszeit entzogen. Ein Urteil mit diesem Strafmaß für Raserei mit tödlichem Ausgang ist bislang einmalig. Bundestag und Bundesrat haben inzwischen ein schärferes Gesetz beschlossen, das illegale Rennen mit Todesfolge mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Allerdings ist dies nicht auf zurückliegende Fälle anwendbar.

Wofür es die höchsten Bußgelder setzt

Jeep mit Tempo 170 gerammt

Auf den Tag genau vor zwei Jahren waren die beiden Männer kurz nach Mitternacht in ihren PS-starken Autos mit bis zu 170 Stundenkilometern über den Kurfürstendamm gerast. Bei ihrem nächtlichen Wettrennen über elf Kreuzungen mit mehreren roten Ampeln erfasste der Ältere mit seinem Wagen an der Ecke Tauentzienstraße/Nürnberger Straße den Geländewagen eines 69-Jährigen, der mit seinem Jeep bei Grün in die Kreuzung fuhr. Sein Auto wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert; der 69-Jährige starb noch an der Unfallstelle. Der Unfallort glich einem Trümmerfeld, Granitblöcke wurden herausgerissen, Fahrzeugteile flogen durch die Luft. Zeugen dachten zunächst an ein Bombenattentat. Bei dem furchtbaren Geschehen wurde auch die Beifahrerin des 24-Jährigen schwer verletzt, die beiden Raser kamen mit leichten Blessuren davon. Beide – der Ältere hörte auf den Spitznamen "Transporter" nach einem Actionhelden, der Jüngere lebte dafür, die Straße zu "ficken" – waren schon zuvor als notorische Verkehrssünder ohne Unrechtsbewusstsein auffällig geworden.

Ähnlicher Prozess nach Unfall in Köln

An dieser Stelle kam bei einem illegalen Autorennen in Köln eine unbeteiligte Radfahrerin zu Tode.

Am 6. Juli 2017 hatte der BGH in einem ähnlichen Prozess ein Urteil des Kölner Landgerichts teilweise aufgehoben, weil die Haftstrafen gegen zwei angeklagte Männer zur Bewährung ausgesetzt waren. Das Gericht habe sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt, wie sich die Bewährung auf das Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirke, hieß es damals in der Urteilsbegründung. Zu berücksichtigen sei auch die Zunahme illegaler Autorennen in Innenstädten und die Tatsache, dass die Männer die Gefährdung durch ihre aggressive Fahrweise bewusst herbeigeführt hätten. Das Verfahren wurde im Dezember 2017 vor einer anderen Strafkammer des Kölner Landgerichts wieder aufgenommen, dann aber wegen Befangenheit eines Schöffen abgebrochen. Eine erneute Wiederaufnahme ist für Anfang dieses Jahres geplant.
Illegale Autorennen: So ticken die Täter
Politik verschärft Strafen für Raser

Die damals 21 und 22 Jahre alten Männer hatten sich im April 2015 ein spontanes Rennen geliefert. Bei Tempo 95 in der Stadt schleuderte eines der Autos aus der Kurve und traf auf dem Radweg eine 19 Jahre alte Studentin, die später starb. Die Kölner Richter verurteilten den Fahrer des Unfallwagens zu zwei Jahren und den zweiten Raser zu eindreiviertel Jahren Haft auf Bewährung. Dies hielt der BGH-Prüfung nicht stand. Die Höhe der Strafen beanstandeten die Richter nicht, ebenso blieb es beim Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung. Eine Anklage wegen Mordes wie im Fall der beiden Berliner Raser stand nicht zur Debatte.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen