Berufsverkehr

Berufspendler unter Druck

— 17.07.2008

Raus aufs Land ist teurer

Teure Mieten in den Städten treiben viele Menschen aufs Land. Doch die Stadtflucht aus Kostengründen kann wegen steigender Spritpreise schnell zur Milchmädchenrechnung werden.

Viele Familien, die sich Haus und Garten in der Stadt nicht leisten können, ziehen deswegen ins Umland. Doch das ist angesichts steigender Energie- und Spritpreise möglicherweise zu kurz gedacht. Nämlich dann, wenn man zur Arbeit pendeln muss. Die Fahrtkosten machen die Ersparnis beim Immobilienerwerb für Autofahrer schon heute innerhalb weniger Jahre zunichte. Und die Spritpreise
werden weiter steigen. Deshalb lohnt sich die Rechnung, was ein Umzug aufs Land tatsächlich kostet.Zunächst zu den Kosten für ein Eigenheim: Käufer mussten in Deutschland im Jahr 2005 laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung für ein Ein- oder Zweifamilienhaus im Schnitt rund 185.000 Euro bezahlen. Faustregel: Für ein Standardhaus müssen Familien in Deutschland im Schnitt das sechsfache Jahresnettoeinkommen bezahlen, in Metropolen sogar das 7,4-fache.

In ländlichen Gegenden kommen Familien dagegen vergleichsweise gunstig ans Eigenheim: In Kreisen wie Barnim, Uelzen oder Oberallgäu beispielsweise müssen sie nur das 5,2-fache hinlegen. Bei den Mieten verhält es sich ähnlich: Eine 100 Quadratmeter große Wohnung kostet auf dem Land rund fünf  Euro pro Quadratmeter und in einer Metropole etwa 6,80 Euro, was 500 beziehungsweise 680 Euro monatlich ergibt. Eine Familie muss in der Stadt also im Monat 180 Euro mehr Kaltmiete zahlen.

Von 35,7 Millionen Erwerbstätigen sind 30,3 Millionen Pendler

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gaben nun von den 35,7 Millionen Erwerbstätigen 30,3 Millionen an, Berufspendler zu sein. Die meisten Pendler wohnen nahe am Arbeitsplatz 52 Prozent mussten weniger als zehn Kilometer zur Arbeit zurücklegen, dennoch nutzten mehr als die Hälfte von ihnen das Auto. Mit zunehmender Entfernung zum Arbeitsplatz bekommt unterdessen das Auto immer größere Bedeutung: Mehr als 80 Prozent der Pendler, die zehn Kilometer oder weiter vom Job entfernt wohnen, setzen sich in den Pkw. Nimmt man nun einen zwei Jahre alten Golf als Beispiel, kostet laut ADAC jeder gefahrene Kilometer 37,5 Cent. Dazu kommen noch mal zehn Cent fürs Benzin.

Geht man davon aus, dass der Arbeitnehmer in einem Umlandkreis wohnt, etwa in Hofheim im Main-Taunus-Kreis, und täglich in die Metropole – in diesem Fall nach Frankfurt/Main – fährt, dann sind das pro Strecke 20 Kilometer. Die tägliche Fahrt von 40 Kilometern mit dem Beispiel-Golf kostet ihn dann 19 Euro am Tag. Bei 20 Arbeitstagen sind das – einen Monat Urlaub abgezogen – 380 Euro im Monat und 4180 Euro im Jahr. Von Quickborn im Umlandkreis Pinneberg bis in die Metropole Hamburg hinein wären es hin und zurück rund 60 Kilometer – macht 28,50 Euro am Tag und 6270 Euro im Jahr. Der durchschnittliche Privathaushalt verfügte laut Statistischem Bundesarat 2005 über ein Nettoeinkommen von 33.700 Euro, monatlich rund 2808 Euro. Die Fahrt zur Arbeit würde bezogen auf die Beispielstädte im Jahr also etwa 1,5 beziehungsweise 2,2 Monatsnettoeinkommen kosten. Rechnet man die Pendlerkosten mit den günstigen Wohnpreisen im Umland gegen, ist deren Vorteil schon nach wenigen Jahren verpufft.

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