Besteuerung von Dienstwagen — 23.05.2011

Das Ende der Oberklasse?

Geht es nach einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums, könnten Dienstwagen künftig nach dem CO2-Ausstoß besteuert werden. Der VDA ist skeptisch, nennt das Gutachten "realitätsfremd".

Luftig, lückenhaft oder leer. So würden Deutschlands Dienstwagen-Garagen aussehen, wenn Firmenautos nach ihrem CO2-Ausstoß besteuert werden sollten. Genau das sieht ein Gutachten des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (Fifo) der Universität Köln im Auftrag des Bundesumweltministeriums vor. Mögliche Folge: Statt in raumgreifenden Benz und BMW fahren Deutschlands Manager in Kleinwagen wie Fiat 500 und Polo vor. Entscheidend für die Höhe der Abschreibung gegenüber dem Finanzamt soll laut Studie nämlich nicht mehr allein der Kaufpreis, sondern auch der Kohlendioxidausstoß sein. Für Stinker sollen nur noch 50 Prozent des Listenpreises von der Steuer abgesetzt werden können, bei überdurchschnittlich niedrigen Schadstoffemissionen 150 Prozent. Auch die sogenannte Ein-Prozent-Regel hält das Fifo für "zu grob" und "sehr niedrig". Danach darf ein Arbeitnehmer seinen Dienstwagen privat nutzen, muss hierfür aber monatlich ein Prozent des Listenpreises pauschal als Einkommen versteuern.

News und Tests: Alle Marken und Modelle im Überblick

Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen: "Eine Neuregelung ist überfällig."

Eine ökologische Dienstwagen-Steuerreform träfe viele. Rechnet man etwa Vorführ-, Miet- und auf Hersteller zugelassene Wagen heraus, sind rund ein Fünftel aller Neuzulassungen klassische Dienstautos. Jürgen Trittin hält die bisherige Regelung für "unökologisch und unsozial". Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag tritt für eine "nach dem CO2-Ausstoß gestaffelte Abschreibung" ein. Auch um Innovationsanreize für spritsparende Limousinen zu setzen. "Besonders klimaschädliche Fahrzeuge werden besonders hoch gefördert", so Trittin. Er meint damit zum Beispiel dicke SUV und Limousinen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kann das nicht nachvollziehen. Nur 1,5 Prozent aller neuen Firmenwagen seien Oberklasse-Modelle, rund die Hälfte Kompakt- und Mittelklasseautos. Etwa ein Vertreter-Passat oder der Peugeot Partner eines Klempners.

Hier geht es zum Kfz-Steuerrechner von autobild.de

Eckehart Rotter, Verband der Automobilindustrie: "Das bringt der Umwelt nichts."

"Das Fifo-Gutachten ist realitätsfremd", sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Anstoß nimmt der Auto-Lobbyist vor allem daran, dass laut Gutachten Dienstwagen zu drei Vierteln privat genutzt würden. "Dieser Anteil ist viel zu hoch angesetzt. Wer in der Woche ständig unterwegs ist, macht am Wochenende keine Spritztouren", so Rotter. Zudem sei der CO2-Ausstoß neu zugelassener Firmenwagen mit 4,9 Prozent in den ersten Monaten des Jahres 2011 stärker gesunken als im Durchschnitt aller Neuwagen (3,8). "Schon um die Kosten zu senken, schaffen viele Unternehmen sparsame Modelle an", so Rotter. Eine Öko-Steuer für Dienstwagen würde das ohnehin schon ziemlich schwierige Firmenautogeschäft deutlich verteuern. Andererseits sind dicke Firmenwagen für viele Firmen deshalb bezahlbar, weil sie mit Steuergeld subventioniert werden. Nach Fifo-Berechnungen lassen sich mit der Stinker-Steuer für Dienstwagen rund 4,5 Milliarden Euro mehr einnehmen. Angesichts knapper Kassen ein gutes Argument. Daher lässt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Fifo-Gutachten derzeit genau auswerten.

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Kommentare zum Artikel (7)

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moso
24.05.2011, 10:15Uhr

Sehr gute Idee, aber sicherlich nicht mit genügend Rückhalt, um Durchsetzung zu finden. Wenn man sich nur anschaut, wie erst kürzlich Brüderle den völlig unsinnigen Energiepass für Autos eingeführt hat, dann braucht es nicht hellseherische Fähigkeiten, um abzusehen, dass es mit der Dienstwagenbesteuerung über CO2-Ausstoß entweder über den ohnehin nutzlosen Energiepass abgefangen wird oder es nie dazu kommt. Das Gutachten wird letztendlich in den Schubladen der Ministerien verschwinden. Es sei denn, Grün bekäme mal Regierungsmacht.

derJoerch
24.05.2011, 08:58Uhr

Mehr als überfällig!

Warum sollte die Sekretärin mit ihren Steuern die fette Protzkarre des Chefs finanzieren ?
Wer einen dicken Dienstwagen fahren will soll auch dafür bezahlen und sich das nicht von der allgemeinheit finanzieren lassen!

Dirk
23.05.2011, 17:34Uhr

Die Idee ist überfällig.

Ich ärgere mich seit Jahren, daß ich über meine Steuern die Dienstwagen der ohnehin gut verdienenden Angestellten mitfinanziere.

Logisch erschien mir das noch nie.

Wenn nun wenigstens nicht der Preis, sondern der CO2-Ausstoß besteuert wird, werden die Dienstwagen eben im Durchschnitt etwas kleiner und mein Steuer-Anteil sinkt.

sgt
23.05.2011, 16:17Uhr

Wie ist die das mit dem Dienstwagen (Firmenwagen) geregelt?

Die dicken Protz-UAVs (Urban Attack Vehicle) sind doch i.d.R. als Firmenwagen zugelassen, damit die Leistungsträger in diesem Lande auch nicht zu viel Steuern bezahlen.
Die bezahlen dann ein % vom Wert ... als Geldwerten Vorteil. Die Benzinkosten u.s.w. zahlen dann wieder alle Steuerzahler.
Zitaut aus Wikipedia: Beim Modell des Rentsharing werden die Leasingkosten des betrieblichen Kraftfahrzeugs auf Arbeitgeber und -nehmer aufgeteilt, so dass keine geldwerten Vorteile entstehen.

carscout
23.05.2011, 15:25Uhr

2/2...Und subvenstionieren in dem Bereich (wovon ich überhaupt nichts halte) sollte der Staat erst recht nicht solang unsere hochgelobten deutschen Autobauer mehr und mehr im Ausland investieren und Arbeitsplätze hier im Inland vernichten und nur billige Zeitarbeiter einstellen um Gewinn zu machen den sie zum Grossteil nicht mal versteuern müssen, was leider die traurige Wahrheit ist und von der Lobby-Politik unterstützt wird!!!

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