Besuch in der Heimat von Ferrari

Besuch in der Heimat von Ferrari

— 06.06.2006

Pferde, Pasta und Pastoren

"Passione", zu deutsch Leidenschaft, ist angeblich die wichtigste Eigenschaft der Bewohner Maranellos, wo die Luxusmarke gebaut wird.

Pferde als Besucher-Begrung

Andere Orte begren ihre Besucher mit einem Schild. Manche auch mit einem Springbrunnen. In Maranello sieht man zuerst ein Pferd. Stolze fnf Meter hoch, reckt es sich aus dem Verteilerkreis an der stlichen Umgehungsstrae. Zusammengeltet hat es der albanische Knstler Helidon Xhinxha aus 800 Kilogramm Edelstahl-Fetzen und zu nahe sollte man ihm besser nicht kommen. Schner wird es dann jedenfalls nicht mehr.

Aber es pat. Maranello ist nun mal die Stadt des "cavallo rampante", jenes springenden Pferdes, das im ersten Weltkrieg den Doppeldecker des italienischen Kampffliegers Francesco Baracca zierte. Und das dessen Mutter 1923 dem von ihr verehrten Enzo Ferrari vermachte.

Der wiederum erklrte es schon zum Logo seiner Scuderia, als er noch Alfa Romeo fuhr und seine Autos in Modena frisierte. Erst 1943 kaufte Ferrari ein Grundstck an der Via Abetone in Maranello, um dort knftig seine eigenen Autos zu bauen. Da Maranello damit weltweit bekannter werden sollte als etwa Zuffenhausen oder Untertrkheim, ahnte damals noch niemand.

Selbst heute wird nicht auf Anhieb klar, was das 15.000-Einwohner-Stdtchen so speziell macht. Nur zehn Kilometer westlich der Autobahn Modena-Bologna versteckt sich Maranello am Rand einer sanften Hgellandschaft. Architektonische Besonderheiten stehen nur im Zusammenhang mit Ferrari, so etwa der vom Stararchitekten Renzo Piano gestylte Windkanal oder das Werksmuseum, die Galleria Ferrari. Ansonsten dominiert Zweckarchitektur. Renaissance-Bauten wie sonst fast berall in Italien sucht man vergebens.

Straen sind Werkspiloten gewidmet

An jeder Ecke finden sich dafr Hinweise auf Ferrari. Ob Lorenzo Bandini, Luigi Musso oder Piero Taruffi vielen ehemaligen Werksfahrern ist eine Strae gewidmet. An der Via Villeneuve steht sogar ein Denkmal des legendren Kanadiers. Und whrend andere Gemeinden ihre Grnanlagen mit Blumenkbeln verzieren, integriert man in Maranello in die Rabatten auch schon mal eine Frontpartie eines Ferrari 360.

Offenbar sind es die Menschen, die diese Gegend so speziell machen. Das zumindest meint Don Alberto Bernardoni und der mte es wissen. Denn der gebrtige Mailnder ist seit 1997 Pastor in Maranello. "Passione" (zu deutsch: Leidenschaft) ist nach seinen Worten der vorherrschende Charakterzug seiner Schfchen und das war schon immer so.

Wie etwa vor 200 Jahren, als sie die sumpfige Landschaft trockenlegten, dann Landwirtschaft in groem Stil betrieben und anschlieend auergewhnliche Produkte erfanden, nach denen man sich heute weltweit die Finger leckt. Wie beispielsweise ssuerlichen Balsamico, lieblich prickelnden Lambrusco oder deftig brckelnden Kse. Bernardoni: "Die Menschen hier erledigen eine Sache nicht einfach, sie betreiben sie mit Leidenschaft."

Die Sache mit den Motoren kam in der Gegend erst viel spter in Gang. Dann aber richtig und ebenfalls mit molto passione: Ducati in Bologna, Lamborghini in Sant'Agata, Maserati in Modena drei der feinsten italienischen Benzinadressen finden sich im Umkreis von 50 Kilometern rund um Maranello. Genau wie das Geburtshaus des Mannes, der nach dem Tod von Enzo Ferrari (1988) die Marke wieder auf Vordermann brachte: Ferrari-Chef Luca di Montezemolo stammt ebenfalls aus Bologna.

Eine Leidenschaft fr Leckereien

Wir lernen also: Die Konzentration automobiler Genuartikel-Produzenten rund um Modena ist kein Zufall, sondern mentalittsbedingt. Und wer so leidenschaftlich arbeitet, mu natrlich auch gut essen. Zum Beispiel im berhmten "Cavallino" gegenber dem alten Haupteingang des Werks, wo mittags die leitenden Angestellten tafeln.

Oder im "La Montana" am Ortseingang, gleich neben der Teststrecke. Das Ristorante von Rosella und Maurizion Paolucci geniet weltweit Kultstatus und das nicht nur wegen seiner nahrhaften Kche. Von Eric Clapton bis Eros Ramazotti, vom ehemaligen Ferrari-Konstrukteur John Barnard bis zum heutigen Teamchef Jean Todt reicht die Galerie der gerahmten Widmungen an der Wand. Original-Overalls und -Helme der Werksfahrer fllen die Vitrinen, Ferrari-Mitarbeiter und Fans aus aller Welt bevlkern die Tische.

Stamm-, Ehren- und Obergast im "La Montana" aber ist "Meikel", wie Mamma Rosella Michael Schumacher zu nennen pflegt. Schon als blutjungen Benetton-Piloten schlo sie den spteren Champion in ihr groes Herz, heute kocht sie ihre Tagliatelle fr ihn mit mtterlicher Inbrunst. Und Meikel revanchiert sich, indem er Rossella schon mal eine Pole-Position widmet.

Ehemann Maurizio dagegen pflegt auch in seiner Freizeit leidenschaftlichen Kontakt zu Ferrari: In seiner Garage steht ein F360 Challenge. Damit fhrt er gelegentlich zu Nellos Bar am Rathausplatz, wo es nicht nur Campari und Cappuccino gibt. Die Spezialitt des Hauses: "Schumaccheroni" fr 6,50 Euro.

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