Betrug im Internet

Betrug im Internet

— 30.01.2003

Vorsicht, Falle!

Bauernfnger locken mit Traumautos Einstiegspreis: 498 Euro und drei weitere Opfer.

Dubiose Versprechen haben Hochkonjunktur

Knnte Papier sprechen, dann msste man sich bei den dreieinhalb Seiten aus 04680 Colditz (Sachsen) schleunigst die Ohren zuhalten: "Einmalige Gelegenheit!!!", brllt der per E-Mail versandte Text und verspricht: "Sie sparen sich folgende Kosten!!! Keine Kosten mehr fr Wartung, Service oder Kundendienst." Auch das Auto dazu gibt es kostenlos, und einen Haufen Geld bekommt man ebenfalls.

Das glauben Sie nicht? Wir auch nicht. Fakt ist aber: Versprechen wie dieses haben zurzeit Hochkonjunktur. Im Internet, per E-Mail oder Fax werben Unternehmen wie "joblohnenswert. de", "eMotion World GmbH", "G.M.A. Vertriebsgesellschaft" oder "Auto-Club-Vertrieb-GmbH" fr kostenloses Autofahren. Ein, gelinde gesagt, uerst dubioses Angebot.

Wer sich durch allerhand Geschwafel ber die Neuregelung des EU-Automarktes und die Auslastungsquoten der Autovermieter qult, entdeckt (hoffentlich) irgendwann den Haken: Man muss Mitglied werden, und das kostet. Bei "job-lohnenswert.de" 498 Euro, bei "eMotion" 350 Euro Aufnahmegebhr und jhrlich 148 Euro Beitrag so viel will auch die "Auto-Club-Vertriebs-GmbH" haben. Zufall?

Hertz schaltet Rechtsabteilung ein

Damit aber nicht genug: Man muss mindestens drei weitere Mitglieder werben, die dann wiederum drei Mitglieder werben, die dann ihrerseits ... Na, Sie wissen schon. "Alles Weitere luft fast von ganz allein", verspricht der Text aus Colditz, "in sptestens sechs Monaten fahren Sie eine S-Klasse von DB oder einen 7er-BMW und verdienen zustzlich noch monatlich 5-stellige Eurobetrge."

Der ADAC-Jurist Ulrich May hat eine Werbeveranstaltung der "eMotion World GmbH" besucht und warnt: "Es drfte sich dabei um ein System handeln, das nur den Ersten in der Kette etwas bringt und erfahrungsgem nach krzester Zeit zusammenbricht."

Ist irgendwie logisch. Doch die Aussicht auf Traumautos zum Nulltarif vernebelt leicht die Sinne. Zumal die Anbieter den Eindruck vermitteln, sie arbeiteten mit Autovermietern wie Europcar, Hertz oder Avis zusammen. Bei denen stehe zirka jedes zweite Fahrzeug ungenutzt auf dem Hof, und fr diese Fahrzeuge habe man "enorme Rabatte" aushandeln knnen. So vermelden es (fast) wortgleich "G.M.A. Vertriebsgesellschaft" und "Auto-Club-Vertriebs-GmbH".

Mal abgesehen davon, dass das noch nicht viel erklrt es stimmt auch nicht: "Wir haben mit dem Geschftsgebaren von G.M.A. und der Auto-Club-Vertriebs-GmbH nichts zu tun. Wir haben daher unsere Rechtsabteilung eingeschaltet, weil wir das Vorgehen der Firmen fr imageschdigend halten", sagt Hertz-Geschftsfhrer Remy Keijzer. Gegen die "eMotion World" ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft Koblenz. Der Verdacht: Versto gegen Paragraph 6c des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Der handelt von "progressiver Kundenwerbung". Der Volksmund bezeichnet so etwas als Schneeball-System ...

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