So arbeitet der Beulendoktor

Beulendoktor

Der biegt das schon wieder hin

Beulen am Auto sind ärgerlich und verursachen zudem oft hohe Reparaturkosten. Dellen selbst auszubessern, ist jedoch nur bedingt empfehlenswert. Eine günstige Alternative ist die Reparatur beim Beulendoktor. So funktioniert es.
Sie sind nicht schön anzusehen, verringern den Wert des Fahrzeugs und verhageln garantiert die Laune jedes Autobesitzers: Die Rede ist von Beulen und Dellen in der Karosserie. Häufig werden diese hässlichen Schäden jedoch aufgrund der hohen Reparaturkosten nicht beseitigt oder dürftig in Eigenregie bearbeitet. Dabei gibt es genau für diese Problematik den passenden Fachmann: den Beulendoktor. AUTO BILD sagt, was die Reparatur beim Beulendoktor kostet, wann sie sich lohnt und ob zerbeultes Blech mit ein wenig Fingerspitzengefühl auch selbst wieder in Form gebracht werden kann.

So arbeitet der Beulendoktor

Der Beulendoktor drückt, zieht oder hämmert Dellen im Blech mit Spezialwerkzeug heraus.

Zuerst einmal zu den Schönheitschirurgen für automobile Cellulite-Patienten: Beulendoktoren sind speziell ausgebildete Fachmänner, die kleine bis mittlere Schäden wie Parkplatzdellen, Türkantenschläge oder Hagelschäden ausbessern, ohne ganze Karosserieteile auszutauschen oder neu lackieren zu müssen. Um jede Beule entfernen zu können, haben sie eine darauf abgestimmte Ausbildung absolviert, die teilweise mehrere Monate dauert und mehrere tausend Euro kostet. Danach haben sie die Lizenz zum Glätten – und drücken, ziehen oder hämmern Dellen im Blech mit Spezialwerkzeug heraus. All das fällt unter die Smart-Repair-Methode. Das hört sich nach einer cleveren Reparatur an – ist es auch. Die Abkürzung SMART steht für "Small Middle Area Repair Technologie" und meint kleine Ausbesserungsarbeiten am Fahrzeug. Damit lassen sich Reparaturen am Polster, Kunststoff oder am Blech vornehmen, stets ohne den Austausch von Teilen. Es wird lediglich die Schadenstelle bearbeitet. Und neben Steinschlägen an der Windschutzscheibe, Kunststoffreparaturen wie Rissen in der Stoßstange und der Beseitigung von kleineren Kratzern werden eben auch Dellen ausgebessert.

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Für seine Arbeit benötigt der Beulendoktor wenig, dafür aber teures Werkzeug. Mit einer sogenannten PDR-Lampe (Wert: ca. 200 Euro) wird die betroffene Stelle ausgeleuchtet. Dieser optische Effekt unterstützt bei der Beurteilung des Schadens sowie beim eigenen Einwirken. Einige greifen auch zum Spiegel, denn die Delle erzeugt im Spiegelbild eine bestimmte und gut erkennbare Verzerrung. Dann werden noch diverse Hebel benötigt, mit denen man durch konstruktionsbedingte Öffnungen zur Innenseite der Karosserie gelangt, um dort die Dellen zurückzudrücken. So ein mittlerer Hebel kostet durchschnittlich 80 Euro. Zu guter Letzt kommen unter anderem noch verhältnismäßig günstige Helferlein zum Einsatz, so wie eine Klebe- und Wärmepistole, ein Hammer und ein Ausbeulstift.

Beulendoktor: Vorteile und Kosten

Kleine Delle – hohe Reparaturkosten? Muss nicht sein! Schon ab 35 Euro werden Beulen professionell ausgebessert.

Der Besuch beim Beulendoktor bietet einige Vorteile: Durch die professionelle Ausbesserung bleibt der Originallack bestehen. Eine zeit- und kostenintensive Neulackierung ist nicht erforderlich – das schont Geldbeutel und Umwelt zugleich. Beim Ausbeulen werden zudem keine Teile der Karosserie ausgebaut oder gar ersetzt, und der Aufwand ist im Vergleich zu anderen Reparaturmethoden geringer. Dies spiegelt sich auch im Preis wieder. So beginnen die Preise für kleine Dellen bei etwa 35 Euro. Im Schnitt werden für Beulen in der Größe eines Zwei-Euro-Stücks 60 bis 100 Euro fällig, natürlich abhängig von Anzahl, Tiefe und Position. Dafür ist der Schaden danach nicht mehr sichtbar. Was sich spätestens beim Verkauf des Autos lohnen könnte. Der Beulendoktor ist aber auch kein Zauberer. Wer bei ihm wegen einer riesigen Delle um Hilfe bittet, wird enttäuscht: Ist der Schaden zu groß, muss auf klassische Reparaturmethoden zurückgegriffen werden.

Dellen und Beulen selbst ausbessern

Um Kosten zu sparen, wollen einige Autobesitzer kleinere Dellen oder Beulen selbst beseitigen. Dafür werden unzählige Do-it-yourself-Anleitungen und Reparatur-Sets angeboten. Ausbeul-Reparatur-Sets gibt es schon ab 15 Euro. Meist enthalten diese lediglich eine Heißkleberpistole, dazugehörige Klebestifte sowie Poliertücher. Legt man noch rund 100 bis 150 Euro drauf, gibt es hochwertigere und umfangreichere Sets mit Gleithammer, Zieheinheiten mit gummierten Abstützfüßen sowie Kunststoffschabern für die Entfernung der Kleberreste. Einige behelfen sich beim Ausbessern mit hauseigenem Equipment, das eh meist vorhanden ist: einer Heißkleberpistole, einem Fön, Saugnapf oder Gummihammer. Unabhängig für welche Utensilien man sich entscheidet: Ist die Delle sehr klein, ohne Knicke und von beiden Seiten zugänglich, können handwerklich versierte Autobesitzer diese vorsichtig in Eigenregie bearbeiten.

Methoden zum Entfernen von Dellen

Zur eigenständigen Entfernung von Beulen gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder mittels eines starken Saugnapfes, der auf die Delle gesetzt wird und beim Herausziehen das eingedrückte Blech durch Zugkraft zurückzieht. Oder mit einer Klebepistole. Dabei wird ein passender Klebeknopf gesucht, auf den eine entsprechende Menge heißen Klebers aufgetragen wird, der dann an die Karosserie gedrückt wird. Beim Herausziehen wird die Beule dann hochgezogen. Hier ist darauf zu achten, dass sich das Blech nicht überdehnt. Dies gilt auch für die Arbeit mit einem Gummihammer, mit dem sich geschädigte Fahrzeughaut ebenfalls begradigen lässt. Unser Tipp: Damit der Lack nicht absplittert und elastischer wird, kann die entsprechende Stelle vor jeder Behandlung vorsichtig mit einem Fön bearbeitet werden.
Für Anfänger sei gesagt: Ausdellen ist eine Kunst für sich. Zu beherzte Hammerschläge können das Blech in die Gegenrichtung überdehnen, der Lack darf auch nicht überstrapaziert werden. Profis arbeiten sich stets vom Rand in die Mitte der Beule heran, "massieren" den Schaden gezielt heraus, Neulinge fangen meist direkt im Zentrum des Übels an. Damit können Schäden entstehen, die selbst der Fachmann nicht mehr ausbessern kann. Wer sein Auto noch mehr schädigt, kann die Reparaturkosten durch seine misslungenen Versuche erhöhen. Vergleicht man Zeit und Kosten mit der Reparatur beim Beulendoktor, dann lohnt sich die Reparatur in Eigenregie meist nicht. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass es nicht nur um die oberflächliche Optik, sondern auch um den Werterhalt des Autos geht.

Hände weg von diesen Beulen

Dellen in Sicken sind besonders schwer und sollten von ungeübten Bastlern besser nicht in Eigenregie behoben werden.

Selbst mit viel Fingerspitzengefühl und Talent sollte vor flächigen Beulen, die sich über mehrere Autoteile erstrecken, Abstand genommen werden. So auch von Beschädigungen an Sicken und Mehrschicht- oder Metallic-Lackierung sowie von sehr tiefen Dellen oder solchen, an denen der Lack beschädigt ist – hier kann sich Rost bilden. Ist die Stelle schwer zu erreichen, weil Verkleidung entnommen werden muss (wie an der Tür), sollte ebenfalls nicht aufs eigene Handwerk vertraut werden. Bei Cabrios sind Ausbesserungsarbeiten an Türen noch komplizierter. Der Grund dafür ist das Dach. Denn textile Faltverdecke und feste Stahldächer sichern den Fahrgastraum selbst im geschlossenen Zustand nicht so wie ein herkömmliches Dach. Damit die Insassen trotzdem bestmöglich geschützt sind, wird bei Cabrios die Fahrgastzelle verstärkt. Und um all die verstärkenden Streben und Rahmen muss man bei der Beulenausbesserung an einer Tür hindurch. Quetscht man hier seinen Hebel zwischen Verkleidung und Karosserie und beschädigt dabei das Seitenfenster oder die Sensorik, hat man plötzlich neben der Beule ein weiteres Problem.

Was zahlt die Versicherung

Eine Delle im Blech fällt in die Kategorie "Bagatellschaden". In solchen Fällen lohnt es kaum, diese über die Versicherung abwickeln zu lassen. Der Blick in die Police sowie die Kontaktaufnahme zur Versicherung schadet zwar nie, aber meistens ist der Weg zum Beulendoktor der günstigere. Hat ein Hagelschaden die Dellen verursacht, müssen die Kosten bis zur Höhe der gewählten Selbstbeteiligung aus eigener Tasche gezahlt werden, die Teil- oder Vollkasko übernimmt lediglich den Restbetrag. Eine Rückstufung in der Vollkasko und damit höhere Beiträge muss man in diesem Fall nicht fürchten. In der Teilkasko gibt es ohnehin keine Rückstufung. Bestehen Dellen aufgrund von Vandalismus oder Parkremplern, greift die Vollkasko, sofern der Verursacher nicht ermittelt werden kann. Der Autobesitzer muss hier jedoch mit einer Zurückstufung in der Schadenfreiheitsklasse und damit mit höheren Beiträgen rechnen. Der Einzelfall ist jedoch immer zu prüfen, da es spezielle Versicherungspakete gibt, hohe oder keine Selbstbeteiligung und unzählige Sondersituationen.
Ist das Fahrzeug nur haftpflichtversichert und ein Verursacher des Schadens kann nicht ermittelt werden, muss die Reparatur selbst gezahlt werden. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Kommt die Beule von herabfallenden Dachziegeln oder Ästen, kann beispielsweise der Grundstückbesitzer zur Verantwortung gezogen werden. Dafür muss jedoch nachgewiesen werden, dass dieser seine Versicherungspflicht verletzt und lose Ziegel am Dach oder morsche Äste am Baum hingenommen hat. Im Zweifel bedeutet das juristischen Ärger mit Anwalt, Gutachtern und hohen Kosten. Auch hier kann eine Ausbesserung über einen Beulendoktor der schnellere, einfachere und günstigere Weg sein.
AUTO BILD hat einem Beulendoktor bei der Arbeit über die Schulter geblickt. In der Bildgalerie erfahren Sie, wie die Reparatur Schritt für Schritt abläuft!

So arbeitet der Beulendoktor

Adele Moser

Fazit

Wer Dellen an seinem Auto entfernen will, kann dies entweder im Alleingang selbst machen oder durch einen Profi erledigen lassen. Mit handwerklicher Erfahrung und Geschick können kleine und unproblematische Beulen selbst entfernt werden. Das Ausbessern beim Beulendoktor ist verglichen mit anderen Reparaturmethoden die günstigere Variante. Hier können Qualität und Preise jedoch stark schwanken. Deshalb empfiehlt AUTO BILD, sich vorher im Internet nach erfahrenen Betrieben zu erkundigen und dort einen Kostenvoranschlag einzuholen.

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