Bio-Beimischungen im Kraftstoff

Bio-Beimischungen im Kraftstoff

Bio-Beimischungen im Kraftstoff

— 07.11.2003

Was bringt das neue Spritrezept?

Die EU will Biokraftstoffe als Zusatz in Diesel und Benzin erlauben. Unproblematisch ist die Sache nicht.

Biokraftstoff aus Schlachtvieh

Die Biowelle schwappt in unsere Autos. Weil die EU Biokraftstoffe fördern will, soll es bald erlaubt sein, Mineralölkraftstoffe mit Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen zu mischen. Das heißt: Diesel mit Biodiesel und Normal- oder Superbenzin mit reinem Alkohol (Ethanol) bald an unseren Tankstellen. Start ist spätestens im Frühjahr 2004.

Dann wird das Mineralölsteuergesetz geändert und die Steuervergünstigung für Biokraftstoff bis Dezember 2009 festgeschrieben. Gemäß DIN EN 590 dürfen dann bis zu fünf Prozent Biosprit eingeblendet, also untergemischt werden. Mehr ist nach Meinung der Mineralölbranche auch technisch nicht möglich. Denn die Biozusätze machen Probleme: Biodiesel und Ethanol sind hygroskopisch, ziehen also Wasser an.

Sie sammeln es bei Transport und falscher Lagerung. Der Motor verbrennt es später mit. Weiteres Problem: Die Biokraftstoffe dürfen aus allen biologisch vergärbaren Stoffen gewonnen werden – auch aus Restmüll, Schlachtabfällen oder Klärschlamm. "Das machen wir auf keinen Fall", sagt Dr. Günter Strempel, Direktor der Aral- Forschung.

Obstler für den Otto-Motor

Sinnvoll sei nur Biosprit aus nachwachsenden Rohstoffen. Nur er sei CO2-neutral; es entsteht beim Verbrennen also nicht mehr Kohlendioxid, als die in ihm verwertete Biomasse beim Wachsen in Sauerstoff umgewandelt hat. Aral will in seinen Raffinerien deshalb nur Rapsöl-Methyl-Ester (RME), also Biodiesel, in den Diesel mischen.

Weil dessen Qualität auf dem freien Markt stark schwankt, müssen die Mineralölkonzerne diesen Rapsdiesel selbst herstellen. Ganz schwierig wird es mit dem Ethanol im Normal- und Superbenzin. Ottomotoren vertragen neben den Mineralölkraftstoffen maximal fünf Prozent Bio-Ethanol, zum Beispiel reinen (99,5-prozentigen) Obst- oder Weizenbrand. Doch kein 150-PS-Motor darf sich einfach so einen Schluck aus der Pulle genehmigen.

Der Motor läuft nur, wenn der Bioschnaps mit einem so genannten Lösungsvermittler in den Mineralöl-Sprit eingepasst wird, damit sich der Cocktail im Tank nicht mehr entmischen kann. Weil bislang niemand den Bio-Alkohol in ausreichender Menge und Qualität produzieren kann, kommen mittelfristig nur Dieselfahrer in den Genuss des Misch-Kraftstoffs. Sein Vorteil: Die Steuerbefreiung für Biodiesel macht ihn billiger.

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