Bitter CD

Bitter CD Bitter CD

Bitter CD

— 19.03.2003

Das Beste aus drei Welten

Die Zutaten zum edlen CD auf Basis des Opel Diplomat stammten aus Deutschland, Italien und aus den USA. Erich Bitter mixte 1973 daraus einen superteuren Luxus-Opel.

Ami-V8 mit schwäbischer Machart

Mehr als 4,80 Meter lang, fast 1,90 Meter breit, ordentlich Hubraum unter der Haube – alles war aus dem Vollen geschnitzt. Und dann so ein kompakter Name: CD. Ganz schön knapp für so viel Auto. Aber es passt. Denn wie sich unter dem in rassige Formen gepressten Blech handfeste GM/Opel-Technik verbirgt, so steckt auch hinter dem Namen wohlklingende Substanz.

CD steht als Kurzform für "Coupé Diplomat" – und die diplomatischen Bemühungen von Erich Bitter sorgten für Aufsehen im Jahr 1973, als er auf dem Opel-Stand bei der IAA in Frankfurt das Beste aus drei Welten präsentierte: italienische bella Figura, Heavy Metal aus den USA und deutsche Gründlichkeit. Formal erinnert er ein wenig an Maserati Ghibli und Ferrari Daytona, die Ursprünge aber stammen aus amerikanischer Feder.

Charles "Chuck" Jordan, einstiger Designchef bei Opel, hatte für die IAA 1969 die Ur-Studie entworfen, Pietro Frua hatte anschließend beim "Strada"-Prototyp nochmals den Stift angelegt. Bevor Erich Bitter und der Stuttgarter Karosserie-Spezialist Baur die elegante Studie mit der maschinellen Unbedarftheit eines Ami-V8 und der Technik des Oberklassen-Opel Diplomat kombinierten und sie anschließend in formbaren Stahl und schwäbische Machart pressten.

Fiat-Rückleuchten und Corvette-Maschine

"Den italienischen Faktor" nennt CD-Fahrer und Designer Peter Stark diesen Wesenszug seines imposanten Silberlings, Baujahr 1974, die laufende Nummer 103 von 395 produzierten Exemplaren, der für unseren Fotografen posiert. Als "ein Auto für alle, die nicht italienisch mit ihrem Wagen reden wollen", bezeichnet ihn Nationalelf-Verteidiger Paul Breitner damals, als er seinen ersten CD in Empfang nimmt. Und beide meinen das Gleiche. Sich ganz tief in breiten, eleganten Fauteuils zu lümmeln und am gleichen Dreigangautomatik-Hebel zu ziehen, der damals auch im D-Rekord dünn und nüchtern aus der Konsole wuchs.

Sich an der hinreißenden Rasanz der fließenden, durch klare Kanten getrennten Linien zu ergötzen und am Heck Fiat-Rückleuchten zu finden. Sich beruhigt über glänzende Corvette-Ventildeckel zu beugen und zu wissen, dass der gleiche Grauguss-Klotz auch Pick-ups befeuerte. Das trifft es ungefähr. Schwer und satt liegt der Wagen auf dem Asphalt, souverän agiert die anspruchsvolle De-Dion-Achse im Heck, komfortabel gibt sich die um 16 Zentimeter gekürzte Variante eines Fahrwerks, das schon den Spender Diplomat über die Stuttgarter Konkurrenz erhob.

Gelassen laufen die fast zwei Tonnen Stahl und Glas auf Wunsch bis zu 220 Stundenkilometer schnell, in knapp zehn Sekunden wuchtet der V8 das Coupé von null auf 100 km/h. Dank des hinter der Vorderachse installierten Motors wirkt das Auto sogar recht wendig, wobei wir fairerweise hinzufügen, dass die Rad-Reifen- Kombination nicht mehr dem Originalzustand entspricht: Seinerzeit rollte der CD auf mickrigen 7x 14-J-Felgen, heute verrichten hier größere Räder ihren Dienst.

Technische Daten Bitter CD

Alles in allem ein tolles Auto. Zur Vollbremsung führte jedoch am Ende die Einstellung des Basismodells: Nachdem Opel ab 1979 keine Diplomaten mehr produzierte, waren dem CD die Grundlagen entzogen.

Technische Daten V8-Motor, vorn längs • zwei Ventile je Zylinder • Hubraum 5354 cm3 • Leistung 170 kW (230 PS) bei 4700/min • max. Drehmoment 426 Nm bei 3100/min • Hinterradantrieb • Dreistufenautomatik • Einzelradaufhängung vorn, De-Dion-Achse hinten • rundum belüftete Scheibenbremsen • Reifen 215/70 VR 14 • Länge/Breite/ Höhe 4855/1845/1285 mm • Radstand 2680 mm • Leergewicht 1720 kg • Kofferraumvolumen 350 l • Tankinhalt 80 l • Zuladung 480 kg • 0–100 km/h in 9,9 s • Höchstgeschwindigkeit 220 km/h • Preis damals 58.000 Mark

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