Bitter SC

Bitter SC 3.9 Bitter SC 3.9

Bitter SC

— 19.03.2003

Bloß keine Experimente

Vom SC auf Opel-Senator-Basis entstanden Allrad-, Cabrio- und Viertürer-Varianten. Speziell die Amerikaner waren scharf auf die starken Stücke aus Schwelm.

Lauernde, kraftvolle Schwere

Man schreibt das Jahr 1974, und Erich Bitter hat ein Problem: Wie macht man eine Marke, wenn angesichts der Ölkrise keiner über Autos sprechen will? Seine Lösung ist einfach: mit Sonderkonditionen. Vor allem die Bedingungen für VIPs sind sagenhaft: Gegen eine Bankbürgschaft in Höhe des Kaufpreises gibt’s einen CD. Bei Missfallen geht das Fahrzeug zurück, pro Gebrauchs-Monat wird ein Tausender berechnet.

Nur: Kein Auto, sondern die Kunden kommen zurück. Allen voran Paul Breitner, der nach dem CD zum limousinenhaften SC (Senator Coupé) greift. Wo der CD dafür sorgte, dass man ihn berühren wollte, umgibt den stillen Giganten SC eine lauernde, kraftvolle Schwere, die für Distanz sorgt. Trotz aller Anleihen beim Ferrari 400, die sich sein stilistischer Schöpfer Giovanni Michelotti erlaubte, ist der SC so deutsch wie seine chromverbrämte und wüst beplüschte Basis namens Senator.

Das gilt zumindest nach der zweijährigen Bereinigung der kruden Konstruktionspläne und für die nach der Baunummer 79 gefertigten SC. Die ersten Exemplare entstanden bei OCRA, einer Turiner Bastelbude ohne Tauchbad, aber mit viel marodem Recycling-Stahl. Unlackiert und ungeschützt gingen die Karossen über die Alpen nach Schwelm zur Komplettierung – und setzten so schon vor der Fertigstellung Rost an.

Glatte Flanke, tiefe Schnauze, hoher Hintern

Das Resultat: Karossier Bruno Maggiora übernahm den OCRA-Job und Steyr-Puch die Endmontage, Bitter sorgte für die Leistungs-Zulage. Sechs Zylinder und maximal 180 Einspritzer-PS mochten für Senator und Monza reichen, im Bitter SC kämpfen sie aussichtslos gegen fast zwei Tonnen überaus eleganter Masse. So entwickelte Fachmann Dieter Mantzel eine neue Kurbelwelle, vergrößerte damit den Hubraum von 2968 auf 3848 cm3 ... Und siehe da, aus Mühe wurde Muße.

So kurzhubig-nervös der Reihensechser mit seiner Opel-typischen Nockenwelle zuvor agierte, so stoisch legt sich der lässige Bitter-Langhuber nun ins Zeug. Untenrum geht mit diesen 210 PS alles, ab 4500/min dagegen nicht mehr viel. Nur die "Schongangschaltung" mit ihren fünf Gängen will nicht recht zum Charakter des SC 3.9 passen. Gleiches gilt für die goldunterlegten Opel-Armaturen in wackeligem Wurzelholz und das dicke Knautschleder der schweren Sessel. "Keine Experimente" nannte Erich Bitter dieses Übernehmen vorhandener Elemente. Aber diese Formen!

Hier stimmt alles, jeder Winkel. Die glatte Flanke – sehnig. Die tiefe Schnauze – perfekt. Der hohe Hintern – straff und knackig. Und mit mehr Kofferraum gesegnet als die Senator-Basis. 1984 allerdings ist der Bitter SC 3.9 auch schon 100.000 Mark teuer. Weitere 35 000 Mark Aufpreis kostet der optionale Allradantrieb der englischen Firma Ferguson; er wird nur sechsmal geordert. Weitere Varianten: das 21-mal gebaute, 120.000 Mark teure Cabrio sowie der elegante Viertürer namens SC Sedan, der mit nur fünf produzierten Exemplaren als absoluter Exot gilt.

Technische Daten Bitter SC 3.9

Der normale SC findet insgesamt 600 Käufer – vor allem in den Vereinigten Staaten hat er so viele Fans, dass der Mann aus Schwelm in Los Angeles eigens eine amerikanische Außenstelle seiner Firma gründen muss. Fazit: So macht man eine Marke.

Technische Daten Reihensechszylinder, vorn längs • zwei Ventile je Zylinder • Hubraum 3848 cm3 • Leistung 154 kW (210 PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 327 Nm bei 3400/min • Hinterradantrieb • Fünfgangschaltgetriebe • rundum Einzelradaufhängung • rundum belüftete Scheibenbremsen • Reifen 215/60 VR 15 vorn, 235/55 VR 15 hinten • Länge/Breite/Höhe 4910/1820/1355 mm • Radstand 2683 mm • Leergewicht 1560 kg • Kofferraumvolumen 500 l • Tankinhalt 75 l • Zuladung 530 kg • 0–100 km/h in 8,6 s • Höchstgeschwindigkeit 230 km/h • Preis damals 100.000 Mark

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