Blaubes Frittenfett-Tagebuch (5. Folge)

Blaubes Frittenfett-Tagebuch (5. Folge) Blaubes Frittenfett-Tagebuch (5. Folge)

Blaubes Frittenfett-Tagebuch (5. Folge)

— 20.10.2004

Tanken für 3 Cent pro Liter

Der Golf II von Wolfgang Blaube fährt mit gefiltertem Alt-Fritieröl statt mit Diesel. Hier kommt die unglaubliche Kostenbilanz nach einem Jahr.

Wer es nicht eilig hat, zahlt nur 1,8 Cent

"Was macht Blaubes Frittenfett-Golf?" Lange nach der letzten Tagebuch-Folge erreichen uns noch immer Leserbriefe. Antwort: Es geht ihm so gut, daß weitere Berichte überflüssig sind. Seit dem 130-Euro-Billigumbau habe ich 18.500 sorglose Pommesöl-Kilometer abgespult, mein Golf II TD mit Golf-III-Technik und rund 100 PS läuft und läuft und läuft ... Was seit Mai 2004 auch läuft, ist meine automatische Filteranlage. Jetzt ist eine Kostenbilanz möglich. Natürlich gibt es Variablen, durch schwankende Temparaturen und Ölqualitäten.

Doch letztendlich ist egal, ob mein Sprit plus oder minus 50 Prozent kostet: Unterm Strich steht ein Preisschnitt von 3,2 Cent pro Liter. Kurios, aber wahr. Und absolut nachvollziehbar. Hier die Details: Das Fritieröl besorge ich mittels 30-Liter-Fässern von Burger King, gieße es in einen 1000-Liter-Container (IBC). Zur Filteranlage gelangt das Öl per Zahnrad-Hydraulikpumpe. Die erste Filterstufe reinigt drucklos per Vlies bis auf fünf Mikrometer (µm, sprich Mümeter) Partikelgröße. Die Nachflußsteuerung der Pumpe erledigt ein Schwimmschalter in der Filtertonne. Dort hängt auch ein 3000-Watt-Tauchsieder, damit das Öl schneller durchs Vlies läuft. Ohne Heizung dauert der Prozeß etwa viermal so lange, spart aber Strom. Literpreis dann: lächerliche 1,8 Cent.

Ist die 60-Liter-Vorfiltertonne voll, schalte ich auf Feinfilterbetrieb: Die Pumpe preßt das Öl durch den 1-µm-Kerzenfilter, dann fließt es in den zweiten IBC, meinen Vorratstank. Eine blitzsaubere Sache, diese Anlage. Nie mehr dieses eklige Gepansche. Dennoch ist die Technik ausbaubar: Eine Zapfpistole, die auch bei zähflüssigem Zeug zuverlässig abschaltet, und eine Durchflußuhr warten schon. So wird das Tanken bequem wie an der Tanke.

Brauchbare Frittenfett-Quellen sind rar

Und mein Zeitaufwand? Um 1000 Liter Kraftstoff zu gewinnen, gehen für Beschaffung, Filterwechsel und die (kostenfreie) Reststoffentsorgung 13 Stunden drauf. Geschenkt. Was drückt, ist die 1073-Euro-Investition der Filteranlage – High-Tech und Komfort kosten halt. Doch sie amortisiert sich schnell: bei 20.000 Kilometern pro Jahr gegenüber Diesel (95 Cent/Liter) nach zehn Monaten. Wobei es billigere Anlagen für unter 500 Euro gibt – mit einer gebrauchten Pumpe via Ebay.

Oder man greift zur Knauserversion: gar keine Anlage. Filterbeutel in den IBC hängen und per Hand nachgießen. Frißt viel Zeit, ist Schweinkram, ergibt aber Sprit für weniger als einen Cent. Hört sich ja rosig an. Und der Haken? Erstens: Altes Frittenöl gibt es nicht überall gratis. Im Rheinland etwa geht alles zur Biodiesel- und Kosmetikproduktion nach Benelux. Knackpunkt zwei: die Öl-Reinheit. Badeten nur Fritten drin? Gut. Fleisch? Kritisch – die Phosphate ruinieren die Einspritzung, sagt Spezialist Henrik Raulefs von dieselsend.de. Ganz übel: Essigreste, die von der Bratbude auf demselben Weg entsorgt werden.

Frittenöl ist also Vertrauenssache. Immerhin: Mit der richtigen Quelle, einer sauberen Technik und etwas Engagement können einem die Spritpreise piepegal sein. Ich zahle drei Cent pro Liter, wie auch knapp 1000 andere "Altpöler" (Szene-Jargon). 97 Prozent am Kraftstoff sparen – kein Wunder, daß die Fan-Gemeinde täglich wächst.

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