Blaubes Pflanzenöl-Tagebuch

Blaubes Salatöl-Tagebuch 2006 Blaubes Salatöl-Tagebuch 2006

Blaubes Pflanzenöl-Tagebuch 2006

— 20.04.2006

Wie lange geht das gut?

Der Fachmann wundert sich, den Laien freut es: Der Golf V mit modernem High-Tech-Diesel fährt mit Salatöl. Und fährt und fährt und fährt ...

Bewährungsprobe: Mit Raps durch die Stadt

Ein Gag sollte die Salatöl-Tournee "Von Alicante nach Aldi" im neuen VW Golf TDI werden (siehe AUTO BILD 8/2006). Ein Revival meiner Reise "Von Aldi nach Alicante", die ich im Juni 2000 mit meinem 84er Golf GTD und Rapsöl im Tank absolvierte. Mehr nicht. Denn es ist ja bekannt, daß serienmäßige High-Tech-Diesel in der Alltagspraxis nicht pflanzenöltauglich sind. Oder doch?

Immerhin hielt der TDI mit Pumpe-Düse-System und 105 PS die 2611-Kilometer-Tortur aus. Und nicht nur das: Selbst bei Kälte sprang er an und rannte auf Diesel-Niveau. Also viel besser als mein alter Golf mit der angeblich so salatölkompatiblen Alt-Technik. "Wir machen weiter", schrieb ich deshalb vor vier Wochen. Heißt: Der Fünfer-Golf fährt unverändert mit billigem Salatöl. Und zwar überwiegend im Stadtverkehr.

Damit bekommt das Thema einen ernsthaften Dreh. Es geht um die Frage: Was passiert, wenn man das Unmögliche versucht? Hintergrund: Angesichts aktueller Spritpreise fließt – meist als Beimischung zum Diesel-Sprit – immer mehr Pflanzenöl in die Tanks werksmäßiger TDI, CDI, JTD oder TDCi. Tausende tun es. Und jetzt auch ich. Nur eben mit 100 Prozent Rapssaft.

Der Bock bockt: Kraftstoffilter verstopft!

7. Februar: Der Salatöl-TDI läuft und läuft. Vor allem dank neuer Starttaktik. Aufgrund beständiger Minusgrade hatte ich jeden Morgen ein Problem: 20 Sekunden anlassen, dann humpelt der VW müde los, um erst nach vier Minuten Gas anzunehmen. Die Zeit habe ich nicht. Also bekommt der Golf V nach dem Anspringen einen Spritzer Startpilot – schon dreht er hoch, ist losfahrbereit.

8. Februar: Was sagen erfahrene Salatöl-Piloten zu meinem Versuch? Auf meine Anfrage im Internet-Forum hin kommen verschiedene Prognosen: Die Einspritzinjektoren verharzen, statt feinen Sprit-Nebels gelangen nur noch dicke Tröpfchen in den Brennraum – Endstation Startverweigerung. Durch das Kaltstart-Georgel gerät Salatöl ins Motoröl, die Schmierfähigkeit sinkt – Endstation Motorschaden. Besonders materialmordend: Stadtverkehr. Also genau mein überwiegender Einsatzbereich. Schwarzmaler? Wir werden sehen.

10. Februar: Ausgerechnet auf einer Fahrt nach Wolfsburg bockt der Bock. 70 Kilometer hinter Hamburg fällt das Höchsttempo auf 130 km/h. Kraftstoffilter dicht? Wäre nicht ungewöhnlich bei Salatöl-Betrieb. Aber recht früh, nach nicht einmal 3000 Kilometern. Ich tuckere auf den Rasthof, tanke Diesel nach, erreiche mein Ziel mit normalen Fahrleistungen. Und komme nachts wieder nach Hause. Morgen wird geschraubt.

11. Februar: Spritfilter tauschen, das Salatöl-Diesel-Gemisch aus dem Tank lassen, pures Salatöl auffüllen – der Golf schnurrt wieder. Lag also in der Tat am Filter. Weiter geht's – ab sofort mit Werkzeug und einer frischen Filterpatrone.

Etwa zwölf Prozent Mehrverbrauch

13. Februar: Jeden Morgen das gleiche – anlassen, Startpilot, losfahren. Klappt gut. Vor allem meine ich, daß der TDI mit Pflanzenöl ruhiger, geschmeidiger dieselt. Im Kaltlauf bläst er allerdings dicke Schwaden aus dem Abgasrohr. Spricht für eine unvollständige Verbrennung. Und tatsächlich: Der Bordcomputer meldet direkt nach dem Kaltstart einen Stundenverbrauch von 2,8 Litern im Leerlauf. Mit Diesel liegt der Wert bei 1,1 Litern. Bislang unklar indes, wieviel Mehrverbrauch mit Salatöl in Fahrt anliegt.

14. Februar: Beschleunigungs- und Verbrauchsmessungen stehen auf dem Programm. Mit Salatöl verbrennt der VW etwa zwölf Prozent mehr. Aber die Fahrdynamik gewinnt tendenziell. Fachleute dürfte das kaum wundern. Auch ich bin nicht überrascht, zeigte sich doch vor sechs Jahren ein ähnliches Ergebnis.

27. Februar: Wochenlang lief der TDI ohne Mucken. Doch jetzt stirbt der Motor ohne Vorankündigung plötzlich ab. Einfach so. Startpilot, anlassen, Diesel tanken – nichts hilft. Nur ein Abschleppdienst.

28. Februar: Die Jungs vom Hamburger VW-Betrieb Junge haben den Buhmann schnell geortet: die Vorförderpumpe im Tank ist kaputt. Ein Salatöl-Opfer? Vermutlich. Derweil meldet der Fehlerspeicher der Bordelektronik mehrere Funktionsstörungen, die später genau definiert werden müssen. Fest steht: Der Pumpentod gehört nicht zu den Defekten, die das Ende unseres Versuchs bedeuten. Denn noch wissen wir nicht, ob das Salatöl dem Motor sowie dessen Technik schadet.

3. März: Neue Pumpe drin, TDI läuft wieder wie geschmiert. Und die Frage bleibt weiterhin offen: Warum geht der High-Tech-Diesel nicht kaputt? Ich bleibe dran.

Diesel kontra Salatöl: die Testwerte

Wo gibt es Salatöl? Sicher kann man Pflanzenöl einfach im Supermarkt an der Ecke kaufen. Aber das ist noch relativ teuer, außerdem ist das Tanken aus Ein-Liter-Flaschen alles andere als bequem. Im Internet, unter www.biotanke.de, gibt es ein Verzeichnis von Salatöl-Tankstellen nach Postleitzahlen sortiert. Ebenso finden sich auf dieser Seite Pflanzenöl-Lieferanten in ganz Deutschland und Adressen von Profi-Umrüstern für das Auto.

Nachahmen auf eigene Gefahr! Auch wenn der moderne VW Golf TDI (Pumpe-Düse, 105 PS) mittlerweile über 3000 Kilometer recht problemlos überstand: Wegen möglicher Schäden warnen wir ausdrücklich davor, Wirbelkammer- oder Direkteinspritzer-Diesel ohne Umbauten mit Pflanzenöl zu betreiben. Wer nicht selbst basteln will, sollte sich an einen Fachbetrieb wenden, die Umbauten dem Profi überlassen.

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