Blick hinter die Filmkulissen

So werden Cars gemacht So werden Cars gemacht

Blick hinter die Filmkulissen

— 28.07.2006

So werden "Cars" gemacht

Vom ersten Federstrich bis zum fertigen Film: AUTO BILD schaute exklusiv hinter die Kulissen des aufwendigsten Animations-Streifens aller Zeiten.

Meisterwerk eines Autonarren

Thomas Jordan fuhr immer wieder in die Wüste und sah sich Autos an, deren Lack von Sonne und Hitze ausgeblichen war. Tia Krater sammelte Wüstensand in kleinen Fotodosen und analysierte dessen Farbe. Steve May besuchte zahllose Rallyes und filmte die Staubfahnen, die die Autos hinter sich herzogen. Und wofür das alles? Für den aufwendigsten, liebevollsten und realistischsten Trickfilm, der je produziert wurde. "Cars" läuft am 7. September in unseren Kinos an. Es ist der erste Trickfilm, der in der Welt der Autos spielt.

Erzählt wird die Geschichte eines arroganten Rennwagens, der eines Tages vom rechten Weg abkommt und in einem Kaff an der alten Route 66 die wahren Werte des Autolebens kennenlernt. Die Stars von "Cars" sind Sally, Hook und Lightning McQueen. Doch die wahren Helden dieses Kino-Abenteuers sind Thomas Jordan, Tia Krater oder Steve May – drei von über 300 kreativen Köpfen bei Pixar, der berühmten Produktionsfirma für computeranimierte Filme. AUTO BILD durfte den Hochsicherheitstrakt von Pixar in Emeryville bei San Francisco besuchen, den Film vorab sehen und exklusiv einen Blick hinter die Kulissen werfen. Sechs Jahre vergingen von der Idee über den ersten Federstrich bis zum fertigen Film. Sechs Jahre, in denen "Cars" gemacht und Stars geboren wurden.

Jedes Detail stimmt: Das Logo für den Film ähnelt einer Automarke.

Lasseter, der Regisseur, ist ein Autonarr. Sein Vater war Gebrauchtwagenhändler. Lasseters Traum war es, einen Film zu machen, in dem Autos nicht nur sprechen, sondern menschliche Züge annehmen, den Menschen im Film ersetzen. Außerdem liebt er die kleinen verlassenen Orte an der legendären Landstraße Route 66, die, seit es die großen Highways gibt, kaum einer mehr besucht. Hier sollte seine Story spielen. Die Botschaft des Films: Lerne, einmal einen Gang runterzuschalten, mal neben die Straße zu gucken, den Weg zum Ziel zu machen.

Studien am fahrenden Objekt

Das Problem war: Wie sehen die Autos aus? Und das noch größere Problem: Wo haben die Autos ihre Augen? Schnell verwarf Lasseter die Idee, die Augen in die Scheinwerfer zu setzen. "Dann sehen die Autos aus wie kriechende Schlangen." Befinden sich die Augen jedoch in der Windschutzscheibe, erscheinen ihre "Gesichter" plötzlich menschlicher. Die ganze Karosserie wird zum Körper. Das Hauptproblem war gelöst. Es konnte losgehen.

Was folgte, waren Recherchen von einer gigantischen Akribie. Neben den Lack-, Sand- und Staubexperten besuchten Mitarbeiter Nascar-Rennen für die Motorsport-Szenen, andere Spezialisten befaßten sich wochenlang damit, wie Scheinwerferlicht aussieht, das auf Asphalt fällt. Alles nur, damit der Film so realistisch wie möglich wird. Die Vorbilder für die Filmautos wurden untersucht. Wie klingt ein Hudson aus den 50ern? Wie bewegt sich ein Porsche, der durch ein Schlagloch fährt? Wie schimmert ein hellgelber Fiat 500 im Licht der untergehenden Wüstensonne? Wer solche Arbeiten macht, muß ein Autonarr sein.

Und dann natürlich: Wie ist das da draußen an der alten Route 66, die in Ost-West-Richtung durch Amerika führt? Welche windschiefen Häuser stehen da, welche Wracks parken seit Jahrzehnten am Straßenrand? Und was für Menschen leben da, welche Geschichten erzählen sie?

Bei den wochenlangen Recherchen stieß das Produktionsteam auf Dawn Welch. Die junge Frau besitzt seit 1993 das "Rock Café on Route 66". Welch tauschte damals ihr Leben in der Großstadt gegen das Örtchen Stroud ein. So wurde sie zum Vorbild für die weibliche Hauptrolle im Film, die Porsche-Lady

Let the good times roll: Der alte Bully ist stilecht mit verwaschenen Hippie-Blümchen bemalt.

.

Im Obergeschoß der Pixar-Fabrik in Kalifornien steht in einem Raum ein begehbarer Computer – einer der 100 schnellsten der Welt. Aber auch er braucht zwischen sechs und 90 Stunden, um ein Bild zu berechnen – und ein Film hat pro Sekunde 24 davon. "Trotzdem beginnt alles mit den Handzeichnungen per Buntstift", erklärt Jay Shuster von der Abteilung Art & Character Design. Bei "Cars" waren es über 50.000 davon. Und wie bei der Geburt eines echten Autos folgen Ton- oder Holzmodelle. Danach werden am Computer die Objekte in mehreren Schritten zum Leben erweckt.

Massenszene der 120.000 Autos

Neu bei "Cars" war eine Technik namens "Ray-Tracing" (wörtlich: Schimmer-Überwachung). "Damit gelang es uns, realistische Reflexionen auf dem Metall der Autos zu erzielen", sagt der Technische Direktor Eben Ostby. Und dann war da noch Tom Milliron, der Figuren-Supervisor, unter dessen Leitung die aufwendigste Massenszene aller Zeiten entstand: 120.000 winzige Autos auf den Zuschauerrängen des Piston-Cup-Rennens.

"Wer 'Cars' sieht, sieht Autos und Landstraßen mit anderen Augen", sagt Lasseter. Der Regisseur ist zu Recht stolz auf das Werk seines Teams. Man muß den Film dreimal sehen, um alle Details zu bemerken.

Fast ebenso wichtig wie die Bilder sind bei einem Trickfilm die Stimmen der Figuren. In der Regel werden die Hauptfiguren von erfahrenen Schauspielern gesprochen, während winzige Nebenrollen oft von passenden Prominenten vertont

Flotter Porsche: Die Schauspielerin Bettina Zimmermann leiht Sally ihre Stimme.

. In der US-Version von "Cars" spricht unter anderem Paul Newman die Rolle des Doc Hudson.

In der deutschen Fassung kommen neben den Schauspielern Daniel Brühl und Bettina Zimmermann auch Michael Schumacher, seine Schwägerin Cora Schumacher und Franziska van Almsick zu Wort. Die Rollen der Reporter bei den Rennszenen übernehmen natürlich Heiko Wasser und Christian Danner – das Formel-1-Duo von RTL. Im Film heißen sie Heiko Water und Chris Dinner.

Also: "Cars" gucken (ab 7. September 2006)!

Autor: Hauke Schrieber

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