Blitzer im deutschen Camp in Afghanistan — 25.09.2009
Hier wird scharf geschossen
Heimatgefühle am Hindukusch: Bürokratie hemmt die Mission der deutschen Soldaten in Afghanistan. Sie müssen im Camp sogar damit rechnen, in eine Radarfalle zu geraten.
2500 Soldaten auf engstem Raum
Zehnfaches Bußgeld als Erziehung
Aber müssen die Sanktionen gleich so heftig ausfallen? 300 Euro habe ein Soldat in Mazar-e-Sharif für überhöhte Geschwindigkeit bezahlt, die in Deutschland nur 30 Euro kosten würde, weiß ein ARD-Korrespondent zu berichten. Erzieherische Maßnahmen heißt das im Bundeswehr-Jargon. Und die liegen im Ermessen des Disziplinar-Vorgesetzten. "Das Gehalt des Betroffenen darf das Bußgeld aber nicht überschreiten", so Oberstleutnant Langer. Wie viele Blitzer im Einsatz sind und wie oft sie benutzt werden, will er nicht sagen. Was die Einnahmen betrifft, dafür sei das Verteidigungsministerium zuständig. Das wiederum konnte keine Zahlen nennen. Immerhin: Einen Bußgeldkatalog oder Flensburg-Punkte gibt es nicht.
Schutzbrillen privat gekauft
Michel Friedmann hält die Sanktionen für fragwürdig. Besonders in Anbetracht der aktuellen Debatte um die mangelhafte Ausrüstung deutscher Soldaten. Kein Geld für richtige Schutzbrillen – aber für Radarfallen? Das passt nicht zusammen. Friedmann: "Ich würde mir wünschen, dass man unsere Soldaten mit ihren nötigen Utensilien genauso intensiv behelfen würde, wie mit Radarfallen." Knapp 100 Euro kostet eine gute Schutzbrille. Die Soldaten müssen sie von ihrem Privatgeld kaufen. Das Blitzgerät, durch das Michel Friedmann guckte, stammt aus den 90er-Jahren und kostete laut Hersteller neu rund 8000 Mark. 50 Stück habe die Bundeswehr damals bestellt – also Geld im Wert von 2000 Schutzbrillen ausgegeben.
Keine Schutzgitter ohne Genehmigung
Hohe Kosten verursacht auch die Entsorgung von Altreifen, die regelmäßig zurück nach Deutschland geflogen werden. "Offensichtlich wegen möglicher Regressansprüche", erklärt der Wehrbeauftragte Robbe. "Dabei könnten die Afghanen die Reifen gut gebrauchen." Ein weiteres Beispiel deutscher Gründlichkeit: Im Kongo haben die Soldaten Gitter vor die Scheiben ihres Jeeps geschweißt – zum Schutz vor Steinschlag. Weil es dafür keine technische Erlaubnis gab, musste alles wieder abgebaut werden. Diesen Bürokratie-Terror will Robbe mit einem neuen Einsatzgesetz beenden. Zur Sicherheit der Nation – auch am Hindukusch.
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Kommentare zum Artikel (7)
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Das sprengt gar die Vorstellungskraft eines Verteidigungsminister *ohne* Doktortitel...
Afghanistan besteht überwiegens aus *** Fäkalien !!!!!!!!!!!!!!!
Hahahahaha, man macht sich so gut lächerlich wie man kann.
Oberst Klein bekommt ein Verfahren an den Hals!
Kein Kriegseinsatz ohne Staatsanwalt im Nacken!
Hautpsache die Soldaten handeln korrekt!
Man hält solch einen Blödsinn kaum noch für möglich!
Deutschland = Absurdistan!
RAUS AUS AFGANISTAN SOFORT!!!!
Also Geschwindigkeitskontrollen in den Kasernen gabs zu meinen Bundzeiten auch schon. Da waren die Feldjäger am Werk.
Zu den Staatsanwälten ist zu sagen, dass die weisungsgebunden handeln. In meiner Zeit bei den Raketen wurden eine Kuh und ein Feldwebel totgeschossen. Wenn da ernsthaft was bestraft worden wäre, hätten die meisten sofort grinsend die Waffen niedergelegt - wegen: Ist uns zu gefährlich........
Konsequenz kann nur sein, aus Afghanistan abzuziehen.
Wen wunderts? Die Sache mit dem Nutzungsverbot für Bundeswehrfahrzeuge mit abgelaufener AU-Plakette ist ja auch typisch für unsere Regierung.
Erst Soldaten in den Krieg schicken, wichtige Ausrüstung zugunsten von fragwürdigen "Volkserziehungsmassnahmen" einsparen und dann bei einem Todesfall scheinheilig in die Kameras lügen, von wegen: "Das ist kein Krieg".
Meine Empfehlung für die Soldaten: Lasst Euch nicht verarschen, Befehlsverweigerung wird nicht mehr mit dem Standgericht geahndet.
Wenn wir so in Afghanistan gegen die Taliban Krieg führen wollen, dann kann man nur lachen. Was kommt demnächst, Stafzettel für Panzer im Einsatz, weil sie beim Gefecht zu dicht auf andere Panzer aufgefahren sind oder für Kampfflugzeuge, weil die zu laut sind und zu tief fliegen? Vielleicht könnte man der Marine am Horn von Afrika auch aller 4 Stunden Ruhepausen ähnlich den LKW-Lenkzeiten verordnen. Hier bekommt der Begriff "Blitzkrieg" eine völlig neue Bedeutung.