Blitzerskandal in Kassel
— 22.03.2013
Anwalt stellt Strafanzeige
Die umstrittenen Blitzer Marke Eigenbau in Kassel beschäftigen nun sogar die Staatsanwaltschaft. Ein Bußgeldverfahren könnte Licht ins Dunkel bringen.
Im Falle der
Kasseler Bastelblitzer ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs. Der Kasseler Rechtsanwalt Bernd Stein hat die entsprechende Strafanzeige gestellt. Demnach ergibt sich aus Hinweisen wie manipulierten Messprotokollen, dass hoheitliche Tätigkeiten wie der Filmwechsel sowie die
Fotoauswertung nicht immer durch die Stadt erfolgten, sondern durch das von ihr beauftragte Privatunternehmen Safety First aus Reinhardshagen. Die Stadt räumt ein, dass in 47 Fällen kassiert wurde, obwohl die Fotos die Geschwindigkeit sowie in zwei Fällen die Uhrzeit nicht vollständig zeigten. Derzeit prüfe man daher alle 16.000 Bilder, so ein Stadtsprecher. Noch Anfang Februar sah man dazu keinen Anlass.
Keine Ausschreibung, manipulierte Protokolle, unverwertbare Fotos: Bürgermeister Kaiser will davon nichts gewusst haben.
Der zuständige Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) will indes von all dem nichts gewusst haben. Auch weist er jede Verantwortung für die vorschriftswidrige Vergabe des Auftrags für die erst im Mai 2012 aufgestellten Anlagen von sich. Bei einem Volumen von 600.000 Euro hätte der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden müssen. Laut städtischem Revisionsamt wurde nur Safety First angefragt – und ein Unternehmen, das nicht über die nötige Technik verfüge. Als Dezernent sei man aber "nicht über jedes Detail informiert und geht davon aus, dass Gesetze und Bestimmungen eingehalten werden", so ein Stadtsprecher.
Mehr Licht ins Dunkel könnte demnächst ein eigentlich abgeschlossenes Bußgeldverfahren bringen, für das Anwalt Stein die Wiederaufnahme erreichen konnte: Sowohl Kaiser als auch Safety-First-Chef Gerd Kautscha sind als Zeugen genannt und müssen vielleicht schon in wenigen Wochen vor Gericht aussagen. "Ich erwarte, dass sie geladen werden", so Stein.
Roland Kontny
Kommentar
Puh! Nach vier Monaten gibt BürgermeisterKaiser endlich zu: Es ist doch was faul. Im besten Fall weiß der Mann wirklich nicht, was alles im eigenen Referat schiefgelaufen ist. Dann sollte er sich ernsthaft fragen, ob er für den Posten taugt. Oder schlimmer: Er wulfft. Verrät nur, was nicht mehr zu verschleiern ist. Hoffen wir, dass er als Zeuge geladen wird – und dann alle schlauer sind.
Kommentare zum Artikel (2)
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@DubYa ich hab auch nichts gegen das aufstellen von Blitzern, ich hab aber was dagegen wenn Stadt Staat Hoheitliche Aufgaben aus der Hand gibt oder Regeln nicht einhält. Ich find es gut wenn couragierte Anwäte dagegen vorgehen und dann ein Verwaltungssumpf in dem geschmiert und betrogen wird offen gelegt wird, Es ist unhaltbar das ein Auftrag ohne Ausschreibung vergeben wird, die Chance das Vater Staat völlig überteuerten Schrott durch ein Klüngelgeschäft unter Freunden erhält liegt wohl nahe. Der Bürgermeister sollte als Verantwortlicher die Konsequenz ziehen und gehen. Ein 600,000Euro Geschäft in einer völlig überschuldeten Stadt wie Kassel und der Bürgermeister wußte nichts davon... wer glaubt den sowas?
O.k., das läuft nicht gut. Aber was ist denn das eigentliche Drama? Keiner beschwert sich, dass die Dinger blitzen, obwohl die korrekte Geschwindigkeit gefahren wurde. Nur, dass die Dinger anfechtbare Bilder machen und hässlich sind. Anfechtbare Beweise heisst ja nicht, das man nichts getan hat. ICH rege mich eher darüber auf, dass die Stadt Blitzer aufstellt, mit dessen Ergebnissen gewiefte Anwälte eine Bestrafung verhindern.