BMW 1er (2011): Fahrbericht — 14.07.2011
So fährt der neue 1er
Im neuen 1er ist fast alles enthalten, was BMW an Technik und Fortschritt zu bieten hat. AUTO BILD hat dem nicht mehr ganz so kleinen BMW auf den Zahn gefühlt.
Wer den neuen
BMW 1er zum ersten Mal sieht, wird ihn sofort erkennen – denn er ist dem Vorgänger wie aus dem Gesicht geschnitten. Nur ein wenig größer, nicht mehr so eigenwillig. Da wird die Strategie dieses Modellwechsels schon auf den ersten Blick erkennbar: Originalität raus, Nutzwert rein. Deshalb schaut der Neue verbindlicher drein, vorn nun verlängert mit leichtem Rüssel. Auch größer natürlich, immer noch unvermeidliches Schicksal der meisten Nachfolgemodelle. Er misst nun 432 auf 177 Zentimeter (vormals 424 auf 175), der Radstand wuchs um drei Zentimeter auf 269. Einen
VW Golf stellt er bequem in den Schatten.
Video: BMW 1er (2011)
Neuer kleiner Bayer
Spontaner Eindruck nach dem Einsteigen: Hinten besteht Thrombose-Alarm nur noch für Langbeinige. Durchschnittsgrößen langt der Platz nun, die Rückenlehne steht aber noch ziemlich steil. Vorn bleibt es hingegen beim knappen Schnitt. Wobei das neue Cockpit gefühlt sogar noch mehr einengt. Die Mittelkonsole ist nun fahrerorientiert, aber wuchtiger. Das erleichtert die Bedienung, schadet aber dem Raumeindruck. Vorteilhaft: Alles sieht hochwertiger aus, mehr wie ein Qualitätsprodukt. Zierliche, aber bequeme Sportsitze in unserem Testwagen. Die Schalter und Hebel folgen dem aktuellen BMW-Muster. Der optionale 8,8-Zoll-Monitor steht nun fest montiert als Flachbildschirm in der Mitte, die einfache Klimaanlage ist künftig, ebenso wie die vier elektrischen Fensterheber, im Preis enthalten.
Das neue Cockpit engt gefühlt mehr ein. Die fahrerorientierte Mittelkonsole erleichtert die Bedienung, schadet aber dem Raumeindruck.
Schon auf den ersten Kilometern in der Stadt wird klar: Die Federung spricht viel besser an. Da zahlt sich der Feinschliff am Fahrwerk aus, das prinzipiell vom Vorgänger übernommen wurde. Später, auf den Landstraßen und Autobahnen dieser ersten Ausfahrt, erhärtet sich der Eindruck: BMW-mäßig straff ist die neue Abstimmung nach wie vor, aber eben nicht mehr zu straff, erträglich auch auf langen Strecken. Auf Wunsch gibt es künftig adaptive Stoßdämpfer mit "Comfort"- und "Sport"-Modus (1100 Euro, inklusive zehn Millimeter Tieferlegung). Uns lockt vor allem der "Comfort"-Modus, denn der versorgt Passagiere mit einer Extraprise Geschmeidigkeit. Gesteuert wird das über den sogenannten "Fahrerlebnisschalter" auf der Mittelkonsole. Alle 1er-Modelle haben ihn, wobei je nach Ausstattung zugleich Motorelektronik, Automatik, Lenkunterstützung und die Dämpfer angepasst werden. Bei der neuen Sparstufe "Eco Pro" auch noch Dinge wie Klimaanlage und sogar die Sitzheizung.
Unser Auto, der Top-Diesel (120d) mit der neuen Achtstufenautomatik, wirkt auf Anhieb erwachsener als der Vorgänger, aber auch unhandlicher. Das breitere Format, die eingeschränkte Übersichtlichkeit machen sich bemerkbar – am Gewicht kann es nicht liegen, denn das Auto soll bei gleicher Ausstattung nicht mehr wiegen als der Vorgänger. In diesem Fall sind das 1440 Kilo. Schön präzise aber die Sportlenkung (450 Euro) – sie wird mit zunehmendem Einschlag direkter, rein mechanisch.
BMW folgt damit den Spuren von Mercedes und lässt ganz nebenbei die bisherige Aktivlenkung (Lenkübersetzung abhängig von der Geschwindigkeit) fallen. Warum? Um Gewicht zu sparen, und weil diese nur im Verbund mit der Hinterradlenkung optimale Ergebnisse bringe, so heißt es.
Hintergrund: So testet AUTO BILD
Letztere bleibt dem 1er aber aus konstruktiven Gründen vergönnt. Wir vermissen sie auch nicht. Der 1er wetzt um die Kurven, wie sich das für einen BMW gehört, leicht untersteuernd nur und dank Diesel-Drehmoments und verständnisvoller Elektronik auch mit dem Gasfuß manipulierbar. Wie schön, dass er ihn noch hat, den Hinterradantrieb. Der Zweiliter-Diesel, schon immer ein Muskelprotz, steht beim neuen 120d noch besser im Saft (184 PS statt 177, 380 Nm), soll aber weniger schlucken (Normverbrauch: in der Automatikvariante 4,4 l/100 km statt 5,3) und harmoniert optimal mit dem neuen Achtstufen-Vollautomaten. Wer braucht da DSG? Der Motor brummt jetzt verhaltener, ohne freilich den Selbstzünder verheimlichen zu können. Auffallend auf der Autobahn das Rauschen des Windes, was uns zeigt, dass auch der neue Wagen noch Raum lässt für weitere Verbesserungen. Ansonsten gilt: BMW gibt dem 1er genau das, was er braucht. Und noch ein bisschen mehr.
Den kompletten Fahrbericht zum neuen BMW 1er inklusive Techniktabelle und Preisen lesen Sie in AUTO BILD 28/2011 – ab 15. Juni 2011 am Kiosk!
Wolfgang König
Fazit
So wie er aussieht, so fährt er sich: größer, erwachsener, gediegener als der alte 1er. Und deshalb auch nicht mehr so wuselig. Was zählt: Er ist das bessere Allroundtalent, ein Auto, in dem ich freiwillig auch mal 800 Kilometer am Stück fahren würde. Was ich vom Alten nicht behaupten konnte. Ist er den happigen Preis wert (31.400 Euro als 120d Automatik)? Die finale Antwort kann nur ein Vollwerttest geben. Und da bin ich mal gespannt.
Kommentare zum Artikel (214)
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Hallo
Fahre im moment einen 320d Touring,will mir aber einen 118d sport line zulegen,da wir
meistens zuzweit oder allein fahren(neuer 3er zu teuer ist).
Optisch gefällt er mir gut (hinten naja),fahren sehr gut und Preis leider HOCH,aber niedriger wie ein 3er.
Wer zur Hölle hat die Rücklichter vom POLO an den 1er montiert???? Und ich dachte schon, die vorherige Generation wäre an Hässlichkeit nur noch vom Fiat Multipla zu überbieten. Gratulation nach München!
Für den Preis lieber ein dickes Insi-Schiff mit 4x4...., dann gibts auch keine Probleme im Winter....
Nein, wir machen uns überaus berechtigte Sorgen. Audi-Fans sorgen sich wegen der praktisch nicht mehr vorhandenen Konkurrenz seitens BMW und Dacia sorgt sich zurecht, da BMW optisch und designtechnisch in ihrem Revier wildert.
Liebe Audi und Dacia - Gemeinde bleibt doch einfach mal ein bisschen locker....