BMW 1er/Mini Countryman: Test

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BMW 1er/Mini Countryman: Test

— 02.08.2010

Mini Countryman greift den BMW 1er an

Mini statt BMW fahren? Das war bislang keine Frage. Doch der Countryman kommt dem 1er so nahe, dass BMW-Kunden ans Umsteigen denken können. AUTO BILD hat die beiden verglichen.

Und nun der wichtigste Fahreindruck vom neuen Countryman: Die Leute gucken. Sie drehen die Köpfe, lupfen die Sonnenbrillen, und Mini-Fahrer hängen sich an die Stoßstange wie Paparazzi, nur um das Zwerg-SUV ausgiebig zu begaffen. Zugegeben, Hamburg ist Mini-Hochburg. Doch schon nach den ersten Kilometern steht zweifelsfrei fest, dass der Countryman den wichtigsten Treibstoff eines Mini bis unter die hohe Dachkante getankt hat: Aufmerksamkeit! Das liegt weniger an den 1,56 Meter Höhe, womit der XL-Mini den 1er-BMW um einen halben Kopf überragt, als am Design. So stark hat lange keine Neuheit polarisiert, in der Redaktion stehen sich Gegner (in der Überzahl) und die "Gar nicht mal schlecht"-Fraktion erbittert gegenüber.

Überblick: Alle News und Tests zum Mini Countryman

Ist das noch ein Mini? Verwässert das SÜVchen die Marken-Werte? Nein oder ja, dazwischen gibt es nichts. Dieser Mini lässt niemanden kalt, ein Nobody wird der garantiert nicht. Sagen wir’s so: Der Countryman ist der Cayenne von Mini. Wie bei Porsche das erste SUV der Marke, eine geschmackliche Grenzüberschreitung und zugleich ein Hingucker für Markenneulinge, die Mini bislang nicht auf dem Radar hatten – weil ihr Orthopäde vom tiefen Einstieg ins Original abriet. Genau diese Neukunden sehen den Countryman mit anderen Augen, ganz ideologiefrei: Da steht also ein Kleinwagen im Polo-Format, dem der jugendhafte Charme aus den Kulleraugen blitzt und der in rückenfreundlicher Höhe zum bequemen Sitzen einlädt. Die Türen öffnen weit und hoch, der Fahrer hockt neun Zentimeter erhabener als im fünftürigen 1er, den wir im Vergleich fahren. Das kann den Unterschied ausmachen zwischen "Aua" und "Ahh".

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er

1er in Gefahr? Der Mini könnte dem kompakten BMW durchaus Kunden abjagen.

Wetten, dass viele 1er-Kunden beim Händler herüberschielen, wenn der Mini am 18. September vorgestellt wird? Liegt ja auch nahe. Der Countryman schließt die Lücke zum BMW-Programm, ist als Cooper S All4 (184 PS für 27.900 Euro) ähnlich teuer und stark wie der 120i (170 PS, 27.150 Euro). Mit einem wichtigen Unterschied: Man sieht im luftigen Mini nach vorn und schräg hinten (durchs dritte Seitenfenster) besser und mehr als im 1er, der zugemauert wirkt. Der BMW bietet zwar deutlich mehr Breite für Sportstudio-gestählte Schultern, bleibt aber mit seiner Notbank hinten ein 2+2-Sitzer. In den Fond des Countryman wird die Schwiegermutter ohne Murren und Schmerzen einsteigen. Aber wen schert Alltagsnutzen? In diesen Schickimickis zählen das gewisse Etwas und teure Nettigkeiten .

Wo der 1er das sportlichschwarze Interieur der Edition "Lifestyle" mit braunen Dekorleisten und Stoffbezügen aufpeppt, zeigt der Mini das gleiche bunte Glitzer-Cockpit wie seine Brüder: Pizza-Tacho, glänzende Mensch-ärgere-Dich-nicht-Hebelchen in der Mittelkonsole und als letzter Schrei eine Schiebeleiste ("Center Rail") für allerlei Ablagen – die braucht der Mensch so dringend wie gebratene Heuschrecken. Wer's mag, bitte. Mini-vertraute Aufsteiger werden damit sofort klarkommen, genauso wie mit den haltlosen Sitzchen und dem lebendigen 1,6-Liter-Turbo. Der kleine Reißer verliert unter den 1380 Kilo des Countryman zwar einiges an Feuer, doch es reicht, um den Zweiliter aus dem 120i als müden Hund zu entlarven. Vor allem unten und in der Mitte, wo die Drehzahlnadel im Alltag oft herumpendelt, hat der Countryman die deutlich stärkeren Waden. Erst oben, jenseits der 4000 Touren, fährt der 1er (Spitze 224 km/h) dem Countryman (210 km/h) davon.

Auch im Mini Countryman kommt das markentypische Kart-Gefühl auf

Zwei Dynamiker: Bei den Fahrleistungen tun sich Countryman und 1er nicht viel.

Der BMW spielt halt den Sportler unter den Kompakten: Hinterradantrieb, feine Lenkung ohne Antriebseinflüsse, drehen, drehen, drehen. Auch der Mini ist kein Freund hoch stehender Gullydeckel, doch auf der Autobahn überrascht das Schluckvermögen der Federung. Mit der direkten Lenkung in der Hand erwacht schnell vertrautes Kart-Gefühl – bis zur ersten flott gefahrenen Autobahnkurve: Uuiiih, das Gewicht und der hohe Schwerpunkt drücken den Countryman doch Respekt einflößend nach außen. Deshalb greift das ESP auch schneller und rigider ein als im BMW. Mini-mäßig wirkt das nicht, eher wie der Mini unter den SUVs. Den permanenten Allradantrieb (erwarteter Käufer-Anteil: 30 Prozent) verbuchen wir mal als willkommene, aber nicht zwingend notwendige Traktions-Reserve bei Nässe und Schnee. Gelände? Igitt.

Rund 40 Prozent aller Käufer, so rechnet Mini, werden zum Cooper mit 122 PS (für 22.500 Euro) greifen. Der lässt genug Luft für die preistreibende Vielfalt von Extras. Jetzt werden wieder Mini-Prospekte unters Kopfkissen gelegt, um nächtelang die Aufpreislisten studieren zu können. Erstes Resultat: Der Cooper S All4 für 27.900 Euro ist mit Allradantrieb, serienmäßiger Klimaanlage und Sportsitzen besser ausgestattet als ein 120i. Jede Wette: Das gibt demnächst beim BMW-Händler ein buntes Umsteigen und Vergleichen.

Technische Daten BMW 120iVierzylinder, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1995 cm³ • Leistung 125 kW (170 PS) bei 6700/min • max. Drehmoment 210 Nm bei 4250/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 330–1150 l • Tankinhalt 53 l • Leergewicht 1290 kg • Zuladung 500 kg • 0–100 km/h 7,7 s • Höchstgeschwindigkeit 224 km/h • EU-Mix 6,6 l Super/100 km • CO2 153 g/km • Preis 27.150 Euro.

Technische Daten Mini Countryman Cooper S All4 • Vierzylinder Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 240 Nm bei 1600/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 350–1170 l • Tankinhalt 47 l • Leergewicht 1380 kg • Zuladung 460 kg • 0–100 km/h 7,9 s • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • EU-Mix 6,7 l Super/100 km • CO2 157 g/km • Preis 27.900 Euro.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Der Golf aus München, hinten etwas eng, dafür eine feine Fahrmaschine mit allerdings saftigen Preisen – hier ist eben Sportsgeist gefragt. Dem BMW 1er fehlen der flotte Motor des Mini und der Reiz des Neuen. Den bietet das kleine SUV, mit typisch hohen Sitzen, besserer Sicht und Allrad (der nicht sein muss). Auf den Countryman schielen nicht nur ältere, solvente Käufer – denn dieser Mini wird eines der angesagten Modeautos der Saison 2011.  

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