BMW 220d xDrive Gran Tourer (2015): Fahrbericht

BMW 220d xDrive Gran Tourer (2015): Fahrbericht

— 22.04.2015

Variables Falttalent

Der BMW 2er Gran Tourer bricht mit Traditionen – mal wieder. Was taugt der Familienvan? Erste Ausfahrt im 190 PS starken Allrad-Diesel!

Was sie bei BMW alles unternehmen, um das Wort Van zu vermeiden. Deshalb rollen zur ersten Fahrt im neuen Gran Tourer nur die stärksten Motoren vor: ein Benziner der GTI-Klasse und ein 190 PS starker Diesel mit Allrad. Warum machen die Bayern es nicht ganz einfach und streichen die praktischen Vorzüge ihrer Neuheit heraus: Der 2er Gran Tourer ist der BMW mit dem größten und variabelsten Kofferraum. Bis zu 1905 Liter übertreffen sogar einen 5er Touring und bieten am Ende genug Platz, um für 750 Euro extra eine dritte Sitzreihe zu bestellen.
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Besonders das Heck mit seinen großen Blechflächen dürfte eingeschworene BMW-Fans entzweien.

Sieben Sitze und Platz wie ein Umzuglaster – das könnte sogar Kombikunden umstimmen, falls die sich mit dem ungewohnten Anblick anfreunden. Denn trotz vieler Falten und Kniffe wirkt der Gran Tourer für einen BMW doch ungewohnt kastenhaft, besonders um Hinterachse und Heck türmt sich das Blech. Für einen Van wiederum erscheint der BMW dynamisch und keilförmig – sozusagen der Freizeitsportler unter den Familien-Autos. Anders gesagt: ein Touran im schicken Fitnessdress.
Aber das interessiert in dieser Klasse meist ebenso wenig wie das Fahrerlebnis, das im neuen BMW ungewohnt dynamisch ausfällt. Als 220d xDrive sprintet der GranTourer in 7,6 Sekunden auf Tempo 100 und schafft auf der Autobahn 218 km/h Spitze. Und obwohl er 21 Zentimeter länger ist und 75 Kilogramm mehr wiegt als sein fünfsitziger Modellbruder Active Tourer, lenkt der BMW noch immer flott und leichtfüßig ein und federt trotz seiner flachen 18-Zoll-Räder ausreichend geschmeidig. Den Fehler, den Neuling so pseudo-sportlich straff auszulegen wie damals beim SUV X1, haben die Entwickler erfolgreich vermieden.

BMW 2er Active Tourer und Konkurrenten im Test

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BMW-typisches und fahrerorientiertes Cockpit. Auf Wunsch gibt es edle Materialien.

Ebenso klug und akribisch gestalteten sie den luftigen Innenraum. Vorne umschließen noch das geschwungene Cockpit und die breite Mittelkonsole den Fahrer, doch ab der zweiten Reihe beweist der Neue fast Taxi-Qualität. Die Passagiere sitzen leicht erhöht, schauen auf längs verschiebbaren Plätzen mit bestem Knieraum und schöner Aussicht durch die großen Fenster. Auf den Polstern stören höchstens die ausgeprägten Seitenwangen der Rückenlehne, die im Verhältnis 40:20:40 geteilt ist und daher breitere Außensitze ausformt.

Etliche Ablagefächer fassen zusammen fast 40 Liter

Die dritte Sitzreihe kostet 750 Euro extra und macht aus dem Gran Tourer einen Siebensitzer.

Viele aufmerksame Details zeigen, dass BMW keinen Schickimicki-Van baut, sondern ein variables Falttalent, das sich nicht scheut, die praktischen Dinge von anderen zu übernehmen: längs verschiebbare Rückbank, umlegbarer Beifahrersitz, ebener Ladeboden, Cupholder sogar versteckt in der Mittelarmlehne. Alle Ablagefächer zusammen fassen fast 40 Liter – genug Platz, um sommertags Schokolade zu vergessen, die in der Hitze unbemerkt zur bösen Überraschung schmilzt.  So gefällt auch der Kofferraum mit tiefer Ladekante und endlosem Schluckvermögen (645 bis 1905 Liter). Den selbst gesteckten "Premium-Anspruch" erfüllt BMW mit Extras, die beim kompakten Vans bislang nicht geboten wurden – aber auch nur selten gefragt. So öffnet die Heckklappe nicht nur elektrisch, sondern auch per Fußbewegung. Den Allradantrieb hat der VW Touran (wichtigster Konkurrent) ebenso wenig im Programm wie eine Achtgang-Automatik mit Wandlerkupplung. Jede Menge rationale Argumente für den Gran Tourer, doch bei nüchterner Betrachtung sprechen zwei wichtige gegen ihn. Erstens ist der lange 2er (realistische Preise ab 30.000 Euro) markentypisch teuer; das Topmodell 220 d XDrive kostet 43.750 Euro als Luxury Line und rückt damit einem 5er Touring nahe. Zweitens werden eingefleischte BMW-Kunden das "neue Tourerdings" argwöhnisch umschleichen bis ablehnen. Zu ungewohnt die Optik, zu unsportlich der Auftritt – das ist doch kein BMW mehr! Vielleicht behauptet die Marke deshalb, dass der lange 2er vor allem Neukunden erobern wird, die bislang andere Vans oder Kombis gefahren sind und nun zur Nobelmarke greifen.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

BMW-Traditionalisten werden sich mit dem ersten Van der Marke ähnlich schwer tun wie vor Jahren anfangs mit den Dieselmotoren oder dem X5. Inzwischen gehören beide wie selbstverständlich zur Marke. Mehr noch: zu den Bestsellern der Bayern. So weit wird die Liebe beim Gran Tourer wohl nicht gehen.

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