Active Tourer gegen C-Max und Sportsvan

BMW 2er Active Tourer/Ford C-Max/VW Sportsvan: Test

— 15.10.2014

Wie gut sind die Diesel-Vans?

BMW steht für Sport und Spaß. Bislang. Mit dem 2er Active Tourer machen die Bayern jetzt auch auf Familie. Hat der Neuling eine Chance gegen die Platzhirsche von Ford und VW?

Eine schwere Geburt war's damals bei BMW. Weil die Bayern partout keinen Van bauen wollten. Nein, niemals, das passt doch nicht zum sportlichen Image. Also dachten sie sich etwas Besonderes aus: Luxury Sports Tourer sollte das neue Auto heißen, später dann vielleicht PAS (für Progressive Activity Sedan). Als der Neue dann 2009 kam, hieß er 5er GT. Und war der erste Schritt der bayrischen Sportsmänner in Richtung eines variablen, praktischen Familien-Mobils. Später kam noch der 3er GT hinzu, und jetzt, ein paar Jahre später, folgt mit diesem 2er die nächste Stufe. Auch der will natürlich kein Van sein, sondern heißt Active Tourer, schon klar.

Auch VW will beim Namen Sportlichkeit vermitteln

VW nennt den Nachfolger des Golf Plus Sportsvan, der aber eher praktisch bleibt als sportlich wird.

VW stellt sich dem Thema ähnlich verschämt und nennt den neu aufgelegten Golf Plus jetzt Sportsvan. Doch keine Sorge, liebe Familien und Senioren, auch der ist mehr Van als Sport, das nur vorweg. Bei Ford wiederum passt der C-Max ganz gut in die Nomenklatur zwischen B- und S-Max, bekennt sich mutig zum Van. Der seit 2010 gebaute C-Max ist der Älteste des Trios, und das merkt man ihm dann doch an. Das gilt vor allem für das arg zerklüftete Cockpit mit den vielen kleinen Tasten und dem winzigen Monitor auf der Mittelkonsole samt der dazugehörigen verschrobenen Menüführung. Beim Platz hat der Ford gegenüber BMW und VW leicht das Nachsehen, zumindest im Fond. Doch das kann er ausgleichen – mit seiner schlauen Sitzanlage. Die drei Einzelsitze lassen sich kippen, klappen und ausbauen. Das wiederum bringt Vorteile für den Kofferraum: Mit ausgebauten Sitzen passen 1723 Liter rein, Bestwert (VW 1520, BMW 1510 Liter). Und für 230 Euro extra lässt sich das Sitzensemble in zwei Einzelsessel umbauen, das Mittelteil klappt weg, sehr schlau.
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Ein bisschen Variabilität lässt BMW sich extra bezahlen.

Aufpreispflichtige Van-Tugenden: Eine längst verschiebbare Rücksitzbank kostet beim 2er 300 Euro.

Beim BMW ist die Fondlehne dreigeteilt (40/20/40) umlegbar, das war es erst mal. Eine Längsverstellung der Rückbank kostet 300 Euro extra, dazu gehören neigungsverstellbare Lehnen. Auch die vorzüglichen Sportsitze vorn, die wir sehr empfehlen, berechnet BMW extra: 490 Euro. Mit seinem Platzangebot sortiert sich der 2er zwischen C-Max und Sportsvan ein – ganz ordentlich, aber vorn BMW-typisch eher knapp um den Fahrer herum geschnitten und auch im Fond nicht übertrieben geräumig. Der VW spielt da in einer anderen Liga. Er hat schon vorn spürbar mehr Platz als 2er und C-Max und dazu wegen der vielen geraden Flächen und der großen Fenster ein bemerkenswert luftiges Raumgefühl. Und für den üppigen Riesen-Fond gibt es die vollen 20 Punkte von uns, hier könnte wohl auch Dirk Nowitzki bequem reisen, Platz wäre genug da. Dazu lässt sich die Rückbank geteilt längs verschieben (Serie ab Comfortline) und die Lehne in der Neigung verstellen.
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Angetrieben wird der Sportsvan vom bekannten Zweiliter-TDI mit 150 PS. Der läuft leise und geschmeidig, ein angenehmes, unauffälliges Aggregat. Das damit bestens zur komfortablen Abstimmung des VW passt. Besonders mit den verstellbaren Dämpfern (DCC für 1000 Euro) fährt sich der Sportsvan souverän und ganz entspannt. Bei den Fahrleistungen liegt er mit dem Ford etwa gleichauf. Nicht aber beim Verbrauch, dort bleibt er mit 5,5 Litern der Sparsamste, der BMW folgt mit 5,7 Litern, der Ford genehmigt sich 6,2 Liter.

Im Ford C-Max macht Kurvenfahren Spaß

Er kann es immer noch: Der Ford C-Max ist der älteste Testkandidat und gefällt mit seiner Dynamik.

Wir sprachen drüber, der C-Max ist nicht mehr der Jüngste. Den Zweiliter-TDCi mit 140 PS hatten wir aus früheren Tests laufruhiger in Erinnerung. Inzwischen wirkt er im direkten Vergleich doch etwas rau. Doch das Alter hat bekanntlich auch seine guten Seiten: Noch immer fährt sich der C-Max ausgesprochen handlich und agil, es bringt einfach Spaß, wie er um die Ecken kurvt. Nur die etwas zu spitze Lenkung bringt Nervosität ins Auto. Trotzdem: So viel Fahrfreude bereiten nur ganz wenige Vans. Doch ab jetzt gibt es einen mehr: den 2er Active Tourer. Wer Sorgen hatte, ob BMW mit dem Frontantrieb klarkommen würde, kann sie vergessen. Die Antwort: Sie haben das im Griff. Der 2er fährt sich – für einen Van – erstaunlich zackig und flink. Der Mini lässt grüßen, mit dem teilt er sich ja die Technik. Die Lenkung spricht sensibel und direkt an, arbeitet nicht zu leichtgängig. Antriebseinflüsse? Sind kaum zu spüren, nur manchmal beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven zum Beispiel. Und, klar, die Federung ist von der strammen Sorte. Nicht unangenehm und auch nicht poltrig, man sollte sich aber auf eine gewisse Härte einstellen.
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Die Preise liegen zwischen happig und günstig

Beim Preis liegen BMW und VW hinten, der Ford fährt mit dem günstigsten Angebot vorweg.

Auch der Zweiliter-Diesel mit 150 PS ist grundsätzlich eher ein kerniger Typ, sein anfängliches Knurren verflüchtigt sich aber bei höherem Tempo und freier Fahrt – dann läuft er erstaunlich leise. Und er macht hier den größten Druck, hängt lebhaft am Gas und schiebt den 2er spür- und messbar flotter an als Ford und VW. Das Vergnügen lässt sich BMW entsprechend bezahlen. Mit Automatik, Sportlenkung, 18-Zoll-Rädern, Sportsitzen und Navi aufgerüstet steht der 2er Active Tourer für 36.999 Euro in der Liste – ganz schön happig. Doch auch der VW Golf Sportsvan kommt als Highline mit Doppelkupplungsgetriebe DSG, Dämpferverstellung DCC und großem Navi auf 35.290 Euro – da relativiert sich der BMW-Preis. Ford liefert hier das Schnäppchen. Der C-Max kostet als komplett ausgestatteter Titanium mit 17-Zoll-Rädern, Sony-Navi und dem schlauen Sitzsystem schlanke 28.865 Euro. Und wird dennoch Letzter. BMW feiert bei den kompakten Vans einen bemerkenswerten Einstand. Auch wenn der Sportsvan nicht zu schlagen ist. Und trotz der schmerzhaften Geburt.
Fahrzeugdaten BMW Ford VW
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1995 cm³ 1997 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 110 (150)/4000 103 (140)/3750 110 (150)/3500
Nm bei 1/min 330/1750 320/1750 340/1750
Vmax 210 km/h 201 km/h 210 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Sechsgang manuell Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 18 W 215/50 R 17 W 225/45 R 17 W
Reifentyp Pirelli P Zero TM Continental SportContact 3 Dunlop Sport Maxx RT
Radgröße 8 x 18" 7 x 17" 7 x 17"
Abgas CO2 109 g/km 129 g/km 115 g/km
Verbrauch* 4,8/3,7/4,1 l 6,1/4,2/4,9 l 5,1/4,0/4,4 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 51 l/Diesel 60 l/Diesel 50 l/Diesel
Kältemittel R134a R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 71 dB (A) 70 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1300/725 kg 1500/740 kg 1600/730 kg
Kofferraumvolumen 468-1510 l 471-1723 l 500-1520
Länge/Breite/Höhe 4342/1800-2038**/1555 mm 4380/1828-2067**/1626 mm 4338/1807-2050**/1578 mm
Testwagenpreis 36.999 Euro 28.865 Euro 35.290 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte BMW Ford VW
Beschleunigung
0–50 km/h 2,9 s 3,5 s 3,3 s
0–100 km/h 8,8 s 10,1 s 9,8 s
0–130 km/h 15,1 s 17,1 s 17,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,0 s 5,8 s 5,6 s
80–120 km/h 6,6 s 7,6 s 8,3 s
Leergewicht/Zuladung 1509/446 kg 1574/476 kg 1525/465 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 60/40 % 60/40 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,4 m 11,2/11,3 m 11,0/10,1 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,6 m 37,2 m 36,7 m
aus 100 km/h warm 35,2 m 36,6 m 36,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB (A) 59 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 64 dB (A) 65 dB (A) 65 dB (A)
bei 130 km/h 67 dB (A) 68 dB (A) 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,7 l – 150 g/km 6,2 l – 165 g/km 5,5 l – 147 g/km
Reichweite 890 km 960 km 900 km
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

BMW hat zum einen den Frontantrieb im Griff und zum anderen mit dem Active Tourer einen blitzsauberen Van auf die Räder gestellt. Der ist zwar nicht der Größte, bringt aber großen Fahrspaß in diese Klasse. Damit entthront er den bislang auf diesem Gebiet Besten, den Ford C-Max. Gegen den Golf Sportsvan haben beide aber keine Chance. Der fährt souverän, ist riesengroß und sehr praktisch.

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