BMW 316i: Tracktest

BMW 316i: Tracktest

— 22.03.2010

Der BMW 316i beim Slalom

Guido Keller, der deutsche Slalom-Vizemeister 2008, ist in seinem betagten BMW 316i noch immer Spitze. AUTO BILD MOTORSPORT ist dem Geheimnis des metallic-blauen Breitensport-Renners auf den Grund gegangen.

Eine Kombination aus "Schweizer Slalom" (Folge in direkter Linie aufgestellter Pylonen) und "normalen" Slalomtoren auf dem Gelände der Fahrwelt Kern im österreichischen Burgkirchen wartet auf mich. Nebenan drehen zwei Kinder in einem Elektroauto ihre Runden über den Kindrübungsparcour. Lernen für die Zukunft. Lernen heißt es jetzt auch für mich. Erstmals sitze ich in einem eigens für den Slalomsport aufgebauten Rennwagen. Er gehört Guido Keller (39), Kfz-Meister aus Starnberg und (Klassen-)Sieger in unzähligen Slaloms. Unter anderem war Keller 2008 Deutscher Vizemeister. Sein dunkelblauer BMW 316i E 30 leistet 142 PS bei rund 7000 Umdrehungen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 3er

Die fehlende Heckschürze spart Gewicht.

Das Auto ist ein echter Breitensport-Bolide. Alles von Hand umgebaut. Guido Keller ist stolz auf sein Werk. "Ich habe den Wagen 2007 als Serienfahrzeug gekauft. Gemeinsam mit der Firma Matthes haben wir den Wagen dann einen Winter lang sportlich fit gemacht." Dafür musste fast alles raus aus dem Serienmodell. Nun herrscht im Innenraum spartanische Tristesse. Übrig geblieben sind ein Schalensitz mit Vier-Punkt-Gurt, das Sport-Lenkrad und, klar, Schalthebel sowie Handbremse. Allerdings sind auch diese Komponenten nicht original. Vor allem die Fly-off-Handbremse zeugt davon, dass hier einer am Werk ist, der weiß, was er tut. Wie von den Regeln vorgeschrieben, ist diese Bremse (rastet beim Ziehen nicht ein, löst ohne Blockieren) arretierbar. Ungewohnt der Blick auf die Armaturen. Wo sonst Tacho, Drehzahlmesser und Tankanzeige Auskunft geben, schau ich auf eine schwarze Wand. Die Armaturen hat Keller schwarz beflockt. Das verhindert den lästigen Blendeffekt bei Sonneneinstrahlung. Einziger Ersatz: ein digitaler Drehzahlanzeiger am Lenkrad. Irgendwie fehlt mir der Tacho, auch wenn es beim Slalom nicht allein um Geschwindigkeit geht.

Die Spitzkehre fliegt auf mich zu

Begeistert vom Slalom-Hecktriebler: ABMS-Volontärin Virginia Brusch.

Fehlerfrei durch den Parcour zu kommen, ist das Ziel im Wettbewerb, sonst hagelt es Strafsekunden. Doch jetzt Konzentration. Ich starte den Motor. Etwas Gas, schon brüllt der Vierzylinder laut auf. Der erste Gang der H-Schaltung liegt ungewohnt, aber E30-typisch links unten. Mit dumpfem Grollen jagt der BMW los. Ich komme kaum mit dem Schalten nach. Die ersten Gänge sind extrem kurz übersetzt. Schon nach rund 60 Metern liegt die vierte Welle an. Aber zum Wundern bleibt keine Zeit. Die eben noch soooo breit scheinenden Tore wirken plötzlich verdammt eng. Ruhig bleiben, ruhig lenken, ermahne ich mich selbst. Beim Slalom gilt es, auf der Hut zu sein. Die Spitzkehre am Ende des Kurses fliegt auf mich zu. Das harte Anbremsen quittiert der BMW mit einem leichten Ausbrechen des Hinterteils. Typisch für einen Hecktriebler. Kurz das Gas wegnehmen und der Dreier folgt wieder stur seiner Spur. Die Spitzkehre ist mühelos im zweiten Gang zu nehmen. Die Lenkung geht gar nicht so schwer, wie mir Keller das prophezeit hatte. Fast hätte ich deshalb überlenkt, schaffe gerade noch den Weg ins nächste Tor. Jetzt geht's zurück. Dritter Gang.

Wie ein Skifahrer

Mit gefühlten 80 Sachen nach rechts, links, rechts, links. Der nur 850 Kilogramm leichte BMW wedelt durch die Hütchen wie ein Skifahrer ü̈ber eine Buckelpiste. Trotz heftigster Lastwechsel liegt mein Testobjekt absolut ruhig auf der Straße. Die Kombination aus erstklassigem Fahrwerk mit profillosen Rennreifen erzeugt einfach unglaublich viel mechanischen Grip. Schon ein gehöriger Unterschied zu den Slalom-Versuchen in meinem Ford Ka. Der geht längst nicht so aggressiv vorwärts. Wie auch, bei 60 PS weniger und viel weicherer Abstimmung. Ist eben ein Rallye-Auto. Allerdings kann ich mir die ein oder andere Modifikation vom BMW abgucken. Die Handbremse beispielsweise. Mal sehen, was meine Rallye-Regel dazu sagt.
Autor:

Virginia Brusch

Fazit

Ein rundum gelungenes Slalomeinsatzfahrzeug. Die Kombination aus speziell definiertem Fahrwerk und extrem kurzen Schaltwegen macht die Hatz durch die Tore zu einem reinen Vergnügen. Ebenso lässt auch die Wendigkeit keinerlei Wünsche mehr offen.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.