BMW 316ti compact

BMW 316i compact BMW 316i compact

BMW 316ti compact

— 27.02.2002

Der billigste BMW: Kurz und gut?

Die Freude am Fahren beginnt bei 40.000 Mark. Mit einem schrägen Heck. Der Dreier compact: neu in Form, flott in Fahrt.

Mehr Platz im Innenraum

"Als wir den Vorgänger des heutigen Dreier fertig hatten und ihn im Studio betrachteten, da sagte Dr. Reitzle zu mir: ,Und nun schneide dem Auto mal das Heck ab.'" Designer Peter Gabath erinnert sich noch gut daran, dass er damals nicht sonderlich begeistert war. Zunächst. Doch schließlich überzeugte der Vorschlag des damaligen Entwicklungsvorstands Wolfgang Reitzle auch ihn, und so debütierte 1994 der erste Dreier-BMW im compact-Format.

Die Kunden begrüßten diese Variante ebenfalls. Sie hatte als Einsteigermodell die höchsten Eroberungsraten aller BMW-Modelle - rund zwei Drittel der Kunden kamen von einer anderen Marke. Oder vom Dreier selbst, wie bis zu 21 Prozent Anteil an der weit gefächerten Dreier-Reihe zeigen. Schließlich bot er nicht nur die günstigste Möglichkeit, BMW zu fahren. Der ungemein knackige 323ti zum Beispiel war tatsächlich ein M3 für den kleineren Geldbeutel.

So verkauften die Münchner knapp 400.000 Einheiten bis zum Produktionsstopp im September 2000. Der Neue sollte nun noch besser auf die breite Zielgruppe von jung bis alt, von ruhiger bis sehr sportlich zugeschnitten sein. Außerdem musste er Platz lassen für kommende Modelle - eigentlich die kompakten Rover, jetzt, noch wichtiger, für den kleinen Einser-BMW mit Frontantrieb.

Design und Technik

Daher legte er gut fünf Zentimeter an Länge und Breite zu, der Radstand wuchs auf 2725 Millimeter, die Höhe legte auf 1408 Millimeter zu. Auch kräftigere Staturen bekommen nicht mehr so schnell Platzangst um die Schultern, und hinten sitzt es sich eher besser als in einem Golf. Den Einstieg in den Fond erleichterten die Ingenieure durch eine weiter nach vorn klappende Sitzlehne. Der trotz Notrad gerade 310 Liter große Kofferraum zeigt allerdings die räumlichen Grenzen des Heckantrieb-Konzeptes in dieser Klasse auf.

Bei Design und Technik verschoben die Münchner die Grenzen dafür deutlich. Die fünfte Variante der Dreier-Reihe soll eigenständiger als bisher auftreten. Ein Trend, den ja auch das gerade präsentierte Sportcoupé von Mercedes verfolgt. BMW positioniert den compact jedoch nicht als Coupé, sondern ganz herkömmlich als Schräghecklimousine.

Die in der BMW-Palette derzeit einzigartigen Doppelscheinwerfer blicken jedoch wie mit dynamisch-aggressiv heruntergezogenen Augenbrauen in die Welt - das geht im Gegensatz zum eher eleganten Mercedes eindeutig in die sportliche Richtung. Die Seitenlinie änderte sich, oberflächlich besehen, nicht weiter. Das Heck hingegen würde sich nach Empfinden vieler Betrachter ohne den BMW-Propeller so leicht keiner Marke zuordnen lassen. Höchstens zu Lexus, deren IS 200 sehr ähnliche Leuchten besitzt.

Hohe Sicherheit ab Werk

Innen blieb dagegen alles beim Alten, also wie in der Limousine. Es herrscht die typisch funktionale, leicht unterkühlte Sachlichkeit vor. Sie lässt sich leicht beseitigen, entscheidet man sich für eins der zahllosen aufpreispflichtigen Interieurs. BMW bietet für den compact ungeschlagenen Variantenreichtum: 18 Innen- und elf Außenfarben, 14 Polsterungen, drei Armaturentrimms und vier "Young-Line"-Versionen.

Wichtiger ist, dass sich unter den über 70 lieferbaren Extras so sinnvolle Dinge wie Bi-Xenonlicht, Sprachsteuerung, Reifendruckkontrolle oder Regensensor befinden. Besonders stolz ist man auf das Ladepaket, das in der Laderaumabdeckung ein variables Fach für Besorgungen und Halterungen für Einkaufstüten bietet.

Nicht schlecht allerdings schon die Serienausstattung. Nach der AUTO BILD-Kritik am Ausweichverhalten der schwächeren Dreier entschlossen sich die Münchner im letzten Moment, ESP - hier DSC genannt - auch beim 316ti ab Werk einzubauen. Käufer der teureren 316- und 318-Limousinen werden sich nicht freuen - sie bezahlen den Schleuderschutz extra. Da muss BMW nachziehen. Sehr viel fixer: Die Auslösegeschwindigkeit für die sechs Airbags (inklusive Kopfairbags vorn) regelt sich abhängig von der Unfallschwere, beim Crash schaltet sich die Warnblinkanlage selbstständig ein.

Neue BMW-Vierzylinder-Generation

Der Ernstfall sollte aber nicht so schnell eintreten. Der compact erhielt gegenüber der Limousine ein neu abgestimmtes Fahrwerk mit sportlicher Ausrichtung und eine um 15 Prozent direktere Lenkung. Dem ersten Eindruck nach passt die neue Linie, die auch für die anderen Dreier maßgebend wird, sehr gut zu BMW. Der compact wirkt so handlich und fahraktiv, wie es nur ein gut abgestimmter Hecktriebler sein kann. Er bleibt bei trockener Fahrbahn auch im Grenzbereich stabil und bietet trotzdem einen erstaunlichen Abrollkomfort der ansonsten angenehm straffen Federung.

Die wichtigste Neuerung zum Schluss: Der compact erhält als erster BMW die völlig neue Vierzylinder-Generation, die im englischen Hams Hall gefertigt wird. Sie bildet mit 1,6 bis 2,0 Liter Hubraum nicht nur die künftige Grundmotorisierung der Dreier, sondern ist auch Basis für einen Großteil kommender Motorgenerationen.

Um so erstaunlicher, dass der neue Vierer nicht als Direkteinspritzer, die angebliche Technik der Zukunft, zur Welt kommt. Doch mit dessen Abgasverhalten ist Ottomotoren-Chef Johannes Liebl noch keineswegs zufrieden. Deshalb führte BMW die Valvetronic ein, bei der ein variabler Hub der Einlassventile die Arbeit der Drosselklappe ersetzt. Sie soll im Mischverkehr zehn Prozent, im Stop-and-go-Betrieb sogar über einen Liter Sprit sparen. Der Grund: weniger Strömungsverluste, da das Gemisch an den weniger weit geöffneten Ventilen schneller, also effizienter fließt. Übrigens: BMW hat die Drosselklappe nicht abgeschafft, sie ist für Notfälle weiterhin eingebaut.

Motor und technische Daten

Nachteile dieser Technik: bis zu drei Kilogramm mehr Gewicht (trotzdem wurde der Motor leichter), rund 20 Millimeter mehr Bauhöhe und höchster Präzisionsbedarf. Die Fertigung vergleicht Liebl mit der eines Schweizer Uhrwerks - bei maximal 90 Tausendstelmillimeter erlaubter Schwankung.

Prägender Eindruck auf der Straße ist zunächst, wie kultiviert das 132 Kilo schwere Alu-Triebwerk läuft. Leise und ohne Vibrationen dreht es hoch. Beim Anfahren ist der 1,8-Liter keine Offenbarung, da er über 1300 Kilo Auto bewegen muss. Einmal in Fahrt, reagiert er aber sehr spontan auf Gasbefehle. Die Laststeuerung (das Gasgeben) geschieht ja jetzt direkt an den Ventilen und nicht weit entfernt an der Drosselklappe. Der steuernde Elektromotor reagiert in gerade ein bis zwei Zehntelsekunden.

So ist der neue Vierzylinder in dieser Version beileibe kein Sportmotor, reicht jedoch unter Mithilfe höherer Drehzahlen für sportliches Tempo. Je stärker der Fahrer das Leistungspotenzial aber nutzt, desto geringer ist wie beim Direkteinspritzer der Verbrauchsvorteil.

Wie realistisch der in dieser Klasse konkurrenzlose EU-Verbrauch von 6,9 Litern im Alltag ist, wird ein Test zeigen. Klar ist aber jetzt schon, dass der compact einer 316-Limousine technisch mittlerweile klar überlegen ist. Was zeigt, dass kurz nicht nur gut, sondern auch besser sein kann.

Technische Daten Vierzylindermotor aus Aluminium • vier Ventile je Zylinder • zwei Ausgleichswellen • variabler Hub der Einlassventile • Hubraum 1796 cm3 • Verdichtung 10,5:1 • Leistung 85 kW (115 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 175 Nm bei 3750/min • Heckantrieb • Fünfgang • Einzelradaufhängung vorn/ hinten • vier Scheibenbremsen • Kofferraum 310/1100 Liter • Tank 63 Liter • Länge/Breite/Höhe 4262/1751/1408 mm • Radstand 2725 mm • Reifen 195/65 R 15 H • 0-100 km/h in 10,9 s • Verbrauch (EU-Mix) 6,9l/100 km • Preis 39.899 Mark

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