BMW 320d: Test

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BMW 320d: Test

— 23.11.2011

Alte Stärke neu in Form

Unterwegs im neuen BMW 3er mit Diesel unter der Haube:  Bei der ersten Ausfahrt mit dem 320d Efficient Dynamics Edition zeigt sich die Münchner Mittelklasse sparsam.

Schroff ragt das Montserrat-Gebirge aus dem Hinterland von Barcelona, streckt sich 1200 Meter hoch zum Himmel. Die spektakulär geformten Sandstein-Formationen kennen nur eine Richtung – nach oben. Irgendwie passt das zum neuen 3er, den wir hier zum ersten Mal fahren durften. Auf den kurvigen, engen Straßen, den steilen Anstiegen und den großzügig ausgebauten Autobahnen Kataloniens wird schnell klar: Dieser Typ will nach oben. Das Design des sechsten 3ers, Baureihe F30, hat BMW gut hinbekommen. Extraflache Schnauze und energischer blickende Scheinwerfer als beim Vorgänger, lange Motorhaube und ein nach hinten versetzter Aufbau geben ihm neue Konturen.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 3er

Video: BMW 320d (2012)

Erste Testfahrt im neuen 3er

Das gilt auch für das Cockpit: Es wirkt deutlich hochwertiger als bisher, mit Schwung und viel Liebe zum Detail gebaut. Sogar eine Anzeige für die Öltemperatur haben sie wieder eingebaut. Der iDrive-Monitor steht jetzt frei im Raum, muss sich nicht mehr in seinem sperrigen Guckkasten verstecken. Man fühlt sich wohl, die Sitzposition passt bestens, auch Große sitzen hervorragend. Der Test-320d war ausgestattet mit der Modern-Line-Ausstattung für 1250 Euro Aufpreis, zu der zum Beispiel der Farbton "Oyster dunkel" gehört, der irgendwie an einen Latte macchiato erinnert, vor allem aber die Edelholz-Einlage mit einer welligen, geriffelten Oberfläche. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, fühlt sich aber gut an und sieht spektakulär aus. Im Fond geht es nicht ganz so aufregend zu, die Veränderungen halten sich dort in Grenzen. Und als Raumwunder wird auch dieser 3er nicht in die Geschichte eingehen. Aber immerhin, auch dank der fünf Zentimeter mehr Radstand, gibt es hinten jetzt einen Hauch mehr Platz, BMW spricht von 1,5 Zentimetern mehr Knieraum und acht Millimeter mehr Kopffreiheit.

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Gewohnt dynamisch: Auch mit dem weicher ausgelegten Fahrwerk überzeugt der 3er.

Ein guter Bekannter ist der Zweiliter-Diesel, der überarbeitet wurde. Das Alu-Triebwerk arbeitet mit einem Turbo, liefert 184 PS bei 4000 Touren und 380 Nm ab 1750 Umdrehungen. Mit seinem stämmigen Drehmoment macht er früh Druck, tritt kräftig an und zieht bullig durch. Kein Motor für Hast und Hetze, sondern eher für die gelassene Reise schnell und souverän. Beim Ausdrehen brummt er durchaus kräftig, laut oder nervig wird das nie. Serienmäßig liefert BMW ein Sechsgang-Schaltgetriebe, der Testwagen besaß die Achtstufen-Sportautomatik für 2430 Euro. Die macht ihrem Namen Ehre, reagiert tatsächlich schnell und zügig und harmoniert insgesamt bestens mit dem Motor. Obwohl acht Stufen sortiert werden müssen und entsprechend fleißig geschaltet wird, bekommt der Fahrer vom Ballett der Zahnräder kaum etwas mit. Denn Nervosität liegt dem neuen 3er fern. BMW hat ihn komfortabler ausgelegt als bisher, die Federung spricht weicher an, nimmt insbesondere kleinere Unebenheiten überraschend souverän.

Seine typische Agilität hat er deshalb nicht verloren. Mit der sehr direkten, variabel übersetzten Sportlenkung (450 Euro) zirkelt der 320d wie gewohnt präzise um die Ecken. Neu an Bord ist bei allen 3ern der sogenannte Fahrerlebnisschalter, mit dem sich das Auto zwischen Comfort, Sport, Sport plus und Eco Pro abstimmen lässt. Das betrifft das Ansprechverhalten des Motors, die Lenkung, das ESP, die Automatik und die Dämpfer. Das Ganze klingt verspielt, funktioniert im Alltag aber ganz gut. Im Sport-Modus zum Beispiel strafft der 320d merklich seine Muskeln, hängt energischer am Gas, schaltet später und federt strammer.

Erster Vergleich: So schlägt sich der neue BMW 3er gegen den 5er

Kilometer gewonnen: Im Eco-Pro-Modus zeigt der 320d die zusätzliche Reichweite an.

Besonders stolz ist BMW aber auf den Eco-Pro-Modus für sparsame Fahrweise, in dem sich bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen lassen sollen. Hier werden zum Beispiel die Klimaanlage sowie die Außenspiegel- und die Sitzheizung besonders schlau betrieben, das Schaltprogramm für die Automatik anders ausgelegt. Zur Belohnung informiert eine Anzeige im Instrument über die auf diese Art gewonnenen zusätzlichen Kilometer Reichweite. Überraschend scheint auch das zu klappen, bei unserer Testfahrt tauchten schon nach wenigen Kilometern verhaltenen Fahrens recht optimistische grüne Zahlen auf. Und der 320d fühlt sich dabei gar nicht schaumgebremst an, sondern ist immer noch ganz flott unterwegs. Zu spüren ist die emsige Sparwut weniger am Fahrverhalten als am Komfort: Der Klima-Kompressor wird abgekoppelt, da beschlagen schon mal die Scheiben, und im Sommer wird es wohl auch recht warm im Wagen.

Ab 11. Februar steht der neue 3er beim Händler, die Preise beginnen bei 35.350 Euro – so viel kosten jeweils 320d und 320d Efficient Dynamics Edition. Serie sind zum Beispiel Klimaautomatik, Leichtmetallräder, CD-Radio, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber und einiges mehr. Aber bereits die geteilt klappbare Rückbank berechnet BMW mit mindestens 400 Euro extra. Und rechnet man beim Testwagen nur die wesentlichen Ausstattungen dazu, stehen ganz schnell über 40.000 Euro auf der Quittung. Doch ein gesundes Selbstbewusstsein gehört wohl dazu, wenn man ganz oben auf dem Gipfel stehen will.

Technische Daten BMW 320d Efficient Dynamics Edition: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1995 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 380 Nm bei 1750/min • Hinterradantrieb • Achtstufen-Automatikgetriebe • Reifen 205/60 R 16 W • L/B/H 4624/1811/ 1429 mm • Kofferraum 480 l • Tank 57 l • Spitze 225 km/h • 0–100 km/h 8,1 s • Verbrauch EU-Mix 4,1 l Diesel • CO2 109 g/km • Preis: 40.320 Euro (Ausstattung "Modern Line", Automatikgetriebe)
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Der neue 3er ist keine große Überraschung, aber ein wirklich fein gemachtes neues Auto. Man muss sicher kein Prophet sein, um ihm eine glänzende Zukunft vorauszusagen. Spannend wird, wie er sich im ersten Vergleich gegen Audis gerade gelifteten A4 und die Mercedes C-Klasse schlägt.

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