BMW 3er G20 (2018): Voschau

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BMW 3er G20 (2018): Vorschau und Erlkönig

— 14.11.2016

Der 3er zwischen zwei Welten

Spannende Aufgabe für den neuen 3er BMW: Die Mittelklasse darf die Stammkundschaft nicht vergraulen – und muss sich trotzdem neu erfinden.

Sechszylinder, Hinterradantrieb und ein sportliches M-Modell – der 3er bleibt sich treu.

Der 3er lässt bei BMW die Kasse klingeln: Hohe Stückzahlen bei gleichzeitig hohen Preisen sorgen für eine tolle Rendite. Es führte aber auch dazu, dass die Bayern bisher extrem vorsichtig waren, wenn es um radikale Neuerungen bei dem Mittelklassemodell geht. Doch jetzt ist BMW genau dazu gezwungen – wegen des hohen Konkurrenzdrucks. Das Design geht bestenfalls noch als evolutionär durch, die Qualität stagniert, der schleichende Abschied vom Reihensechszylinder trifft nicht nur die Gusseisernen mitten ins Herz – es gibt wahrlich mitreißendere BMW als den Dreizylinder im 318i. Und dann sind da noch die Sachen mit der Digitalisierung, dem elektrischen Fahren und der starken Konkurrenz von Tesla mit dem Model 3. Der will BMW die Mittelklasse nicht überlassen.
Alles auf einen Blick: BMW 3er

BMW setzt vor allem auf Verbrenner

Video: BMW 3er (2018)

So kommt der neue 3er

Der neue 3er (Code G20) gibt im vierten Quartal 2018 seinen Einstand. Seine modulare Plattform kennen wir im Prinzip vom neuen 5er. Entsprechend leichter, agiler und sparsamer wird der kompakte Bruder sein. Obwohl der G20 bis 2025 durchhalten muss, liegt der Antriebsschwerpunkt wieder eindeutig bei den Verbrennern. In der gestrafften Motorenpalette fehlen die Efficient-Dynamics-Modelle – in Zukunft sind niedrige Verbräuche ein Muss für alle Motoren. Der 340i legt von 326 auf 340 PS zu, der 330d leistet 265 statt 258 PS, der aktuell 313 PS starke 335d bringt es auf 320 PS. Im M3 gelten die 450 PS des aktuellen Competition-Pakets als neue Einstiegsdroge. Eine geregelte Differenzialsperre sorgt dafür, dass Kraft und Drehmoment auch ohne Allrad übertragen werden.
So kommt der neue 5er

E-Variante mit bis zu 500 Kilometern Reichweite

Achtung, Tesla: BMW nimmt mit dem 3er BEV das Model 3 der Amerikaner aufs Korn

So viel zur alten Welt. Der neue 3er muss aber auch die neue bedienen – als Elektrovariante. Anders als die Project-i-Modelle soll der 3er mit Elektroantrieb bei Aufbau und Fahrwerk so viel es geht von der Großserie übernehmen. Nur das Mittelstück zwischen den Achsen ist zur Aufnahme der Batteriepakete abweichend in Flachspeichertechnik ausgeführt. Dieses Layout verbindet zu noch überschaubaren Kosten optimale Raumökonomie mit einem niedrigen Schwerpunkt. Um weiter abzuspecken, experimentieren die Karosseriebauer unter anderem mit Elementen aus Kohlefaserverschnitt (Carbon 2.0). Zusätzlich zum Basismodell mit Hinterradantrieb und nur einem Motor plant BMW auch eine Bimotor-Variante mit Allradantrieb und Torque Vectoring. Der hoch drehende E-Motor leistet zwischen 272 und 340 PS. In Verbindung mit einer 70-kWh-Batterie soll die Reichweite im Alltag zwischen 400 und 500 Kilometern liegen. Hört sich toll an, hat aber einen Haken: Der 3er mit Batterie kommt frühestens 2020.

Blicksteuerung und verbesserte Spracheingabe

Schon zwei Jahre früher präsentiert BMW ein neues, großflächiges und weitgehend frei programmierbares Anzeigekonzept, das auch im 3er für Aufsehen sorgen dürfte. Kernstück ist die Multimedia-Grafik-Unit (MGU) des Zulieferers harman/kardon, deren touchbetontes Bedienteil später um eine Blicksteuerung erweitert werden soll. Gleichzeitig arbeitet BMW an einer Spracheingabetechnik, die langfristig im Alleingang Kommandos geben und ausführen soll. Das Head-up-Display gewinnt an Bedeutung als wichtigste Instrumentierung. Daneben können großflächige Projektionsflächen im Sichtfeld der Mitfahrer nach Wunsch bespielt werden. Die meisten Systeme sind lernfähig und halten regelmäßig Rücksprache mit dem Benutzer.

Kompaktklasse-Neuheiten bis 2020

VW Golf VIII Illustration Ford Focus Illustration Seat Leon

Verfeinerte Assistenzsysteme und teilautonome Fahren

Auch die Assistenzsysteme werden verfeinert und weiter ausgebaut. Der Stauassistent funktioniert im neuen 3er zunächst bis Tempo 60, Spurwechsel werden auf Befehl oder vollautomatisch eingeleitet, der Fahrer darf unter bestimmten Voraussetzungen sogar für kurze Zeit den Blick von der Straße nehmen. Die erweiterte Einparkautomatik kann im Auto oder per Fernbedienung wie beim neuen 7er von außen gestartet werden. Ganz wichtig: Die meisten Systeme lassen sich updaten und sind rückmeldefähig. Das heißt: Sie können untereinander und mit dem Datenspeicher in der Cloud kommunizieren.
Lesen Sie auch: Neuer 3er mit 7er-Genen

BMW baut sein Serviceangebot aus

Mit einem breiten Serviceangebot will BMW Connected-Car-Rivalen wie Google, Microsoft und Telekom in die Schranken weisen. Während Apple über CarPlay eingeschränkten Zugang zur Schaltzentrale (Head Unit) erhält, soll vor allem der Datenkrake Google so lange wie möglich daran gehindert werden, sich im lukrativen Geschäftsfeld zwischen Automobilhersteller und Kunde einzunisten.  Um schnell reagieren zu können, will BMW den Verbraucher an die kurze Leine nehmen – ohne Zwischeninstanz und ohne Umweg über den Händler. Die Kundenprofile sind innerhalb der BMW-Gruppe auch auf Mini, Mietwagen und entsprechend aufgerüstete Gebrauchtwagen übertragbar. Die Basisdienste gibt es umsonst, doch nach oben sind dem blühenden Geschäft mit den Mobilitätsservices kaum Grenzen gesetzt.

Kompaktklasse-Neuheiten bis 2020

VW Golf VIII Illustration Ford Focus Illustration Seat Leon

In welcher Klasse fährt der Neue?

Fast ein Shooting Brake: Der 3er Touring setzte schon immer auf sportliches Design.

In der Praxis ist die Einordnung der G20-Familie kompliziert. Dies sind die wichtigsten Einflussfaktoren:
Der nächste 1er wechselt vom Hinterrad- zum Vorderradantrieb und gibt damit einen wichtigen Markenwert auf.
Der 2er bleibt beim Hinterradantrieb, rückt mit dem 2er Gran Coupé allerdings ziemlich dicht an den 3er.
• D
er 3er GT wird von Gran Coupés auf 2er- und 4er-Basis attackiert.
• Der M2 macht sich dort breit, wo vor zehn Jahren noch der M3 zu Hause war. Also muss dessen Nachfolger nach oben rücken. Ein schickes M4 Gran Coupé ist unter Umständen sinnvoller als ein bodenständiger M3.
• Der Touring wird uns zwar erhalten bleiben, doch seine biologische Uhr tickt immer lauter: Die Nachfrage beschränkt sich auf Europa, und der Active/Family Tourer ist die klar günstigere Alternative für Kunden mit Platzbedarf.

BMW-Neuheiten bis 2021

BMW X2 Illustration BMW X7 Illustration BMW iNext Illustration

Gebrauchten BMW 3er ab 16.000 kaufen

Eine sichere Bank: Der aktuelle 3er leistet sich in Sachen Zuverlässigkeit keine Schwäche. 

Sie spielen mit dem Gedanken, sich einen gebrauchten BMW 3er zu kaufen? Die Preise für Vor-Faceliftmodelle (vor Mai 2015) beginnen bei rund 16.000 Euro. Dafür gibt es den 316d mit 116 PS wahlweise als Kombi oder Limousine. Mehr Dampf bietet der insbesondere bei Vertretern beliebte 320d mit 163 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 230 km/h. Das Topmodell bei den Selbstzündern ist der 335d (313 PS), der ab 32.000 Euro zu haben ist. Sie wollen lieber einen Benziner? Los geht es für gepflegte Exemplare ab rund 17.000 Euro (316i) mit immerhin 136 PS. Im Mittelfeld rangiert der 320i (184 PS), für den 20.000 Euro eingeplant werden müssen. Understatement unterhalb des M3 bietet der 340i mit 326 PS, für das Topmodell werden 50.000 Euro fällig. Der BMW 3er (F30) gehört beim TÜV zu den unauffälligen Kandidaten. Lediglich frühe F30 wurden bei uns wegen Problemen an der Lenkhilfe und des Bremsservos in die Werkstätten gerufen.
Auf einen Blick: Gebrauchte BMW 3er

Autoren: Georg Kacher, Michael Gebhardt,

Stichworte:

Kombi Limousine

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