Drei Kombis im Vergleich

BMW 3er/Mercedes C-Klasse/VW Passat: Kombi-Vergleich

— 19.10.2015

Neuer BMW 3er Touring im Vergleich

Dienstwagen, dicker Diesel, dank Automatik souverän – wir testen 3er Touring, C-Klasse T-Modell und Passat Variant, eine besondere Gattung Kombi.

Moin! Ja, dir auch guten Tag, du alter Fellknödel. Ich darf das so salopp sagen, wir sind nämlich ganz dicke, das Murmeltier und ich. Täglich grüßt es – gefühlt zumindest. Denn ein Vergleichstest der feinen Mittelklassekombis gehört bei AUTO BILD zu den regelmäßig wiederkehrenden Ritualen wie Zähne putzen oder Super tanken. Kein Wunder: Die Kategorie ist extrem beliebt (davon träumt der Dienstwagen-Fahrer!), das Prestige hoch, das Ergebnis sowieso spannend. Diesmal tummeln sich im Murmeltiergehege: der 190 PS starke BMW 320d Touring, das Mercedes C 250 d T-Modell (mit 204 PS) und der 190 PS starke VW Passat 2.0 TDI Variant.

An der Kasse heißt es bei der C-Klasse tapfer sein

Preislich ein typischer Mercedes: Das C 250 d T-Modell kostet in Testwagen-Ausstattung satte 54.403 Euro.

Auslöser der heutigen Grüß-Runde: BMW hat seinen Bestseller überarbeitet, der Kombi will mit neuem Fahrwerk und 6 PS mehr Bums (bislang hatte der 20d "nur" 184 PS) die Artgenossen von Mercedes und VW erschrecken. Soll der 3er doch seinen Pelz aufplustern, wie er lustig ist – wir gehen da streng nach Punkteschema ran. Also alles wie immer am Murmeltiertag – es wird mal wieder lustig und interessant. Der neue 320d Touring ist für 38.950 Euro zu haben. Die Ausstattung fällt dabei mager aus. Ein schnödes Radio ist an Bord, Leder bedeckt immerhin Lenkrad und Schaltknauf, die Klimatisierung erfolgt automatisch. Dann wird's dünn. Navi? E-Sitze? Einparkhilfe? Nix da. Nicht einmal eine Dachreling setzt BMW dem Touring serienmäßig auf. Am Ende kostet ein brauchbar ausgestatteter 320d mit Automatik 48.150 Euro. Heftig, zumal der Allrounder im 3er erst in dieser Preislage voll zur Geltung kommt. Doch dazu später mehr. Bei Mercedes sieht die Sache ähnlich aus. Der Grundpreis liegt mit 45.845 Euro deutlich höher, dafür sind das Automatikgetriebe, die teilelektrische Verstellung der Sitze und ein Temporegler ohne Aufpreis an Bord. Für Einparksensoren oder beheizte Sitze zum Beispiel verlangt das hohe Haus jedoch zusätzliches Geld. Nach unserem Bewertungsschema sind für einen C 250 BlueTec mit Automatik 54.403 Euro erforderlich.
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Der Passat hat viel Raum für Passagiere und Gepäck

Wolfsburger Raumriese: Dank quer eingebautem Motor bietet der VW Passat am meisten Platz.

VW zeigt, wie so etwas günstiger geht. Zu den 38.500 Euro für einen Variant 2.0 TDI DSG (also Doppelkupplungs-Getriebe mit sechs Gängen) summieren sich beispielsweise allein 3845 Euro für eine Dämpferverstellung, das große Navi sowie die Progressivlenkung. Eine teilelektrische Sitzverstellung oder auch Einparksensoren stehen immerhin serienmäßig zur Verfügung. Genug Finanztheorie, jetzt treten wir den Kombis, Pardon, in den Hintern. Ein Fußtritt in den Bereich unterhalb der Heckschürze der drei Kandidaten reicht nämlich, um gegen Aufpreis die Kofferraumklappe elektrisch betrieben aufzuschwingen. Dahinter: reichlich Platz (bei VW mit bis zu 1780 Liter Ladevolumen am meisten), eine äußerst elegante Sitzbank-Falttechnik (zumindest bei Mercedes – hier klappt das elektrisch) und eine Menge zusätzlicher Stauraum in versteckten Fächern. Dennoch: Vorteil für VW, dank dem quer eingebauten Motor bietet der Passat ein Kingsize-Volumen. Hinten wie vorne steht ungleich mehr Platz für Fahrer und Passagiere zur Verfügung als bei Mercedes und BMW – speziell die C-Klasse geizt im Fond mit den nötigen Reserven neben den Ellenbogen und über dem Scheitel. Im BMW fällt das Einsteigen über den ausgeprägten Radhausbogen hinweg schwerer als bei Mercedes. In den luftigen Passat fällt man – auch dank der größeren Türen – quasi von allein hinein.
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Alle drin? Dann los! Der vermeintlich gemütliche Passat spielt den tänzelnden Athleten. Nicht, weil er besonders knackig oder hart abgestimmt wurde. Das liegt an seiner leichtgängigen und direkten Lenkung. Kurze Drehung am Lenkrad, schon kommt Schwung in die Karosserie. Wirklich sportlich ist er allerdings nicht. Tatsächlich ist der VW eher so etwas wie ein Langstreckenexperte. Ordentlich gedämmt und weich gefedert rollt er unter Teillast dezent summend dahin, nimmt beim Gasgeben nachdrücklich Fahrt auf, liegt verbindlich auf der Straße.
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Die Lenkung des BMW irritiert mit Unentschlossenheit

Misslungene 3er-Lenkung: wenig Rückmeldung, in engen Baustellen haarsträubend unentschlossen.

Auf rutschiger Oberfläche scharren die Vorderräder etwas ungebührlich, beim Bremsen fehlen zum Benz ungefähr eineinhalb Meter, die Sicherheitsausstattung dürfte gerne umfangreicher ausfallen – sonst hapert es nirgends. Der BMW dagegen liegt häufiger mal daneben. Zum Beispiel behelligt er seine Passagiere mit rüttelndem Aufbau, sobald die Straßenbelag schlechter wird. Speziell bei langsamer Fahrt mag die Federung nicht so fein ansprechen, wie die neuen Dämpfer glauben lassen, das wirkt störrischer als beim VW. Außerdem lässt der Touring Spurtreue vermissen und irritiert mit seiner unentschlossenen wie künstlichen Elektro-Servolenkung. Deren Abstimmung finden wir misslungen. Wenig Rückmeldung, in engen Baustellen haarsträubend unentschlossen um die Mittellage herum – das ging mal besser. Auch der Motor ist kein Leisetreter, unter Last dieselt’s mächtig. Überhaupt die Geräuschkulisse: Jedes Stößchen aus der Fahrbahndecke ist auch hörbar, gefühlt machen sich sogar Unterschiede der Asphaltfarbe akustisch bemerkbar. Gut: Der 3er lässt sich sportlich dirigieren, bremst anständig und scheut auch Lastwechsel in Kurven nicht.
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Dem Mercedes ist – abgesehen vom vergleichsweise mäßigen Platzangebot – überhaupt nichts vorzuwerfen.  Der Motor klingt ebenfalls kernig, dafür hat der 2.2er Druck wie ein ganz Großer. Satte 500 Newtonmeter Kraft ab 1600 Touren sind selbst in dieser Liga amtlich. Die Durchzugswerte belegen dann auch: Den Überholspurt von Tempo 80 auf 120 hakt der Benz ab, da haben die Konkurrenten noch nicht einmal heruntergeschaltet. Die Lenkung der C-Klasse arbeitet mitteilsam und ausreichend zielgenau, am tadellosen Geradeauslauf der C-Klasse sollten sich die Münchner mal eine dicke Scheibe abschneiden. Die Luftfederung des Mercedes bügelt auch da noch derbe Wellen glatt, wo der BMW seine Fondpassagiere ordentlich zusammenstaucht. Kurz: Der Benz ist ein souveräner und edler Reiseexperte – allerdings für exklusive Fünf-Sterne-Touren. Ist halt etwas teurer, so ein edles Murmeltier zu hegen.
Fahrzeugdaten BMW Mercedes VW
Modell 320d Touring C 250 d T-Modell Passat Variant 2.0 TDI
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Biturbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 1995 cm³ 2143 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 140 (190)/4000 150 (204)/3800 140 (190)/3500
Nm bei 1/min 400/1750 500/1600 400/1750
Vmax 226 km/h 241 km/h 233 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Siebenstufenautomatik Sechsgang-Doppelkupplung
Antrieb Hinterradantrieb Hinterradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung v. 225/45 R 18 Y/h. 255/40 R 18 Y v. 225/45 R 18 Y/h. 245/40 R 18 Y 235/45 R 18 W
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport Continental SportContact 5 Continental SportContact 5
Radgröße v. 8 x 18"/h. 8,5 x 18" v. 7,5 x 18"/h. 8,5 x 18" 8 x 18"
Abgas CO2 109 g/km 117 g/km 119 g/km
Verbrauch* 4,9/3,7/4,1 l 5,4/3,9/4,5 l 5,4/4,1/4,6 l
Tankinhalt 57 l/Diesel 66 l/Diesel 66 l/Diesel
Kältemittel R134a R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 71 dB (A) 69 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1800/745 kg 1800/750 kg 2000/750 kg
Kofferraumvolumen 495-1500 l 490-1510 l 650-1780 l
Länge/Breite/Höhe 4633/1811-2031**/1429 mm 4702/1810-2020**/1457 mm 4767/1832-2083**/1477 mm
Testwagenpreis 48.150 Euro 54.403 Euro 43.925 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln

Der neue BMW 3er Touring im ersten Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: BMW 320d Touring, Mercedes-Benz C250d T-Model und VW Passat Variant 2.0 TDI (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

09.10.2015

Preis:

1,00 €

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Platz gewinnt! Deshalb liegt der VW Passat 2.0 TDI als günstiger Allrounder vorn. Der Benz? Ausgeglichen, kommod – verdienter Zweiter. BMW fährt hinterher. Merkt man ihm sein Alter an? Nicht unbedingt. Eher baut er in wichtigen Punkten wie Lenkung ab. Und auch in unserem ersten Test, bei den Limousinen, musste sich der 3er geschlagen geben. Er ist zwar gerade modellgepflegt, aber wir erwarten den Neuen.

Stichworte:

Kombi

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